Festkonzert in Sondershausen beeindruckt Publikum

Sondershausen.  Beethovens „Neunte“ erklang am Wochenende im Sondershäuser Haus der Kunst. Das Konzert wurde zu einer Sternstunde des Loh-Orchesters.

Unter dem Titel „Zeitenwende“ stand das zweite Sinfoniekonzert vom Sondershäuser Loh-Orchester im Haus der Kunst.

Unter dem Titel „Zeitenwende“ stand das zweite Sinfoniekonzert vom Sondershäuser Loh-Orchester im Haus der Kunst.

Foto: Christoph Vogel

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Auf den 30. Jahrestag der Maueröffnung fiel das Sinfoniekonzert des Loh-Orchesters. Zu dieser festlichen Stunde im Haus der Kunst hatte Generalmusikdirektor Michael Helmrath unter dem Motto „Zeitenwende“ Ludwig van Beethovens neunte Sinfonie gewählt, Gipfelwerk des klassischen Repertoires und prädestiniert für bedeutende Anlässe. Mit einer kurzen Ansprache würdigte Dorothea Marx (SPD), Vizepräsidentin im Thüringer Landtag, die Bedeutung des 9. November. Aus düsterem Pianissimo entwickelte sich sodann der erste Satz der Beethoven-Sinfonie. Mit elementarer Wucht brach das Hauptthema herein. Helmrath, auswendig dirigierend, nahm die Bezeichnung „Allegro ma non troppo“ ernst und wählte ein ziemlich gemessenes Tempo. In den Holzbläsern erblühte der Seitengedanke, schon deutliche Vorwegnahme des Freudenthemas. Kraftvolle punktierte Rhythmen beendeten den Expositionsteil. Bei der Durchführung wurde die kunstvolle Polyphonie Beethovens gut hörbar, bald im zartesten Piano, bald energisch voranschreitend.

Zum eindrucksvollen Höhepunkt wurde das wieder eintretende Hauptthema. Nach breitem Ritardando entwickelte sich eine schier ungemessene Schlusssteigerung. Höchste Präzision prägte den nachfolgenden Scherzosatz. Dem kraftvollen Auftakt folgte das Hauptthema im geschäftigen Treiben der Streicher. Mit energischem Jubel schloss sich ein Seitengedanke an. Voll hintergründigem Humor eröffneten die Holzbläser den zweiten Teil, mehrfach überraschend von der Pauke unterbrochen. Klassische Heiterkeit sprach aus dem Trio. Makellos kam das Hornsolo, bevor der Klang zur vollen Orchesterstärke anschwoll. Nach Wiederholung des Scherzos führte ein rasantes Presto zum kurzen und bündigen Abschluss.

Mit großer Ausdrucksstärke gestaltete man das Adagio, einen der schönsten langsamsten Sätze Beethovens. Edel sangen die Geigen den Hauptgedanken. Einen reizvollen Kontrast bildete das leicht beschwingte Andantethema. Mehrere Variationen umspielten kunstvoll die erste Melodie. Feierliche Andacht sprach aus einem solistischen Bläserabschnitt. Sieghafte Fanfaren von Trompeten und Hörnern bereiteten den Satzschluss vor, der in ruhiger Zuversicht verströmte. Unvermittelt ließ Helmrath nun den verzweifelten Beginn des Finales hereinbrechen. Höchste Emotionen sprachen aus den Rezitativen von Celli und Bässen. Zitate vorher erklungener Themen verbreiteten Spannung, und dann stimmten die Holzbläser die weltberühmte Freudenmelodie an. Vom tiefsten Streicherregister her steigerte sie sich zum festlichen Glanz des ganzen Orchesters. Nach erneutem Einbruch des Dramatischen trat der Bariton mit seinem Solo hervor. Nun kamen auch die Chöre (Einstudierung: Markus Fischer) hinzu: Opern- und Extrachor des Nordhäuser Theaters, die Sondershäuser Madrigalisten sowie der Konzertchor aus Nordhausen. Die anspruchsvollen Solopartien gestalteten in höchster Qualität vier Ensemblemitglieder vom Nordhäuser Theater: Zinzi Frohwein, Carolin Schumann, Kyounghan Seo und Philipp Franke.

Bald triumphierte das Thema unter begeistertem Einsatz des ganzen Klangkörpers. Beeindruckend tiefe Töne des Kontrafagotts und die Piccoloflöte führten zum Tenorsolo, das zu den beziehungsreichen Worten „Laufet, Brüder, eure Bahn“ in brillanter Höhe gipfelte. Mit Ernst und Majestät folgte das „Seid umschlungen, Millionen“, von den Posaunen machtvoll gestützt. Der anschließende Adagioteil erklang in zutiefst andächtiger Stimmung. Brillant meisterten die Chöre das schwierige Fugato. Mitreißender Schwung sprach aus dem Codateil, noch einmal von der voll innigster Lyrik vorgetragenen Solistenkadenz unterbrochen. Ein rasanter Prestissimoschluss ließ das höchst zahlreich erschienene beeindruckte Publikum in lang anhaltenden Applaus ausbrechen.

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