Radurlaub daheim: Auf den Spuren zweier Kaiser

Bad Frankenhausen.  Der abwechslungsreiche Kyffhäuser-Rundweg: Barbarossa, Ullrich, Toskana- und Ostsee-Gefühle.

Das Naturschutzgebiet am Ochsenburg-Berg beherbergt viele geschützte Arten.

Das Naturschutzgebiet am Ochsenburg-Berg beherbergt viele geschützte Arten.

Foto: Michael Voß

Der Kyffhäuser-Rundweg ist der meistbefahrene Rundweg im Kreis. „Kyffhäuser“ – das weckt sentimental-romantische Erinnerungen. An Heinrich Heines „Wintermärchen“, in dem er Kaiser Barbarossa veralbert. Der Rotbart soll ja noch immer im Berg schlummern. Und an Radlegende Jan Ullrich: Vor 15 Jahren stampfte der Toursieger – in Italien einst als „Il Kaiser“ verehrt – beim Hainleite-Klassiker den Anstieg hinauf.

Die Runde beginnt aber im Tal. Entlang der Wipper, bügelbrettflach. Begleitet von Froschquaken und neugierigen Wildenten. Dazu Rückenwind, es rollt! Ein erstes Imbiss-Hinweisschild: „Michis Nr. 1“ – na, wenn das kein gutes Omen ist. Für eine Einkehr ist es noch ein bisschen früh auf der Strecke. Nach Rottleben wird’s welliger.

Am Abzweig zur alten Barbarossa-Höhle trifft man die ersten Radfahrer. Beliebte Strecke eben: Dieter Schäfer erkundet sie mit dem Rennrad. Der 72-Jährige ist auf der „Durchreise“, strampelt 120 Kilometer von Leinefelde in seine Heimatstadt Eisleben. Mit Extra-Runde um den Kyffhäuser. „Mache ich öfter, der Kyffhäuser ist immer was Besonderes – ich mag die so abwechslungsvolle Natur, und die knackigen Anstiege.“ 30 Mal hat er hier beim Berglauf mitgemacht. Der Autor nur einmal.

Es geht aufwärts. Bizarre Felsen. Grillen zirpen. Immer näher, lauter. An den Trockenrasen-Hängen am Ochsenburg-Berg fühlt man sich an die Toskana erinnert oder an Korsika. Je höher man kommt, desto mehr Wald. Aber viele „braune“, tote Bäume darunter. Trockenheit, und Borkenkäfer sind Schuld. Dann wird’s happig: Hinter Steinthaleben lauert die „Passstraße“ auf dem Weg nach Kelbra. Dieter Schäfer dürfte es freuen: 16 Prozent hat der Anstieg kurz vorm Gipfel. Hier sind dennoch Gabi (66) und Roland Künnick (67) aus Meißen unterwegs. Das Ehepaar macht eine Woche Urlaub in Bad Frankenhausen, das Rad haben sie immer dabei. „Wir wollen im Juli 360 Kilometer an die Ostsee, in Etappen“, sagt Gabi Künnick. „Das ist unser Training.“

Nun wartet ein Meer – eins für Thüringer und Sachsen-Anhaltiner, die es sich teilen. Oben von der Kuppe sieht man schon den Stausee Kelbra glänzen. Guten Mutes geht es in die Abfahrt. Nach zwölf von 36 Kilometern ist schon das Schwerste überstanden. Der Sprung in den Stausee: erfrischend! Malerisch, irgendwie russisch: die Birkenallee im Ort. Dort spazieren Katharina Hundt und Sandra Neumann mit ihren Töchtern Tessa (3) und Dana (1). Die Mütter sind, ansonsten, Rad-Fans. „Wir unternehmen viel im Kyffhäusergebiet, bis hoch zum Fernsehturm“, verrät Katharina.

Nun nach Tilleda, wo man in der Kaiserpfalz das Mittelalter erleben kann – und es leuchtet rot: Die Kirschen sind reif! So gestärkt, geht es auf den flachen letzten Abschnitt: durch Salzwiesen gen Ichstedt. Es schnuppert nach Ostsee. Allerdings hat auch die flache Strecke ihre Tücken mit dem Rad, Split und dann Knochenpflaster machen zu schaffen. In Udersleben lässt sich ein Zwischenstopp auf dem Flugplatz einlegen. Der Segelfliegerklub hat hier sein Domizil. Auch der Kyffhäuser-Marathon führt hier entlang. Schwächephasen muss man fast am Ende des Rundwegs nicht mehr fürchten. Es geht bergab – der „schiefe Turm“ von Bad Frankenhausen winkt schon.

Wer jetzt noch Zeit hat und Puste, der kann auch noch hinauffahren die vielen Kurven zum Kyffhäuser-Denkmal. Niemand würde es aber übel nehmen, wer sich jetzt lieber ins Auto setzt oder den Busshuttle in Anspruch nimmt.

Ganz oben wartet Barbarossa am drittgrößten Denkmal Europas. Zudem bietet sich hier auch ein fantastischer Ausblick hinab zur Goldenen Aue. Wer die Tour mit Kindern unternimmt, der kann sein Erfrischungsgetränk inzwischen wieder auf der Café-Terrasse genießen, während die Kinder spielen.

Und wer dann wieder Puste hat, der kann den Turm erklettern. 306 Stufen sind es. noch einmal.

Eckdaten zur Tour

  • Start ist in Bad Frankenhausen. Der Rundweg beginnt in der Stadt. Wer mit dem Auto anreist, sollte am östlichen Ortsrand parken, weil die Möglichkeiten in der Stadt begrenzt sind. Mit dem Regionalexpress der Bahn fährt man von Erfurt nach Heldrungen oder von Nordhausen nach Berga und legt den Rest bis zum Rundweg am besten per Rad zurück.
  • Länge: 36 Kilometer.
  • Höhenunterschied: Auf dem Radweg sind zwei mittelschwere Anstiege zu meistern – und insgesamt 356 Höhenmeter. Nach den ersten zwölf Kilometern ist das Schwerste überstanden.
  • Schwierigkeitsgrad: mittel.
  • Orte an der Strecke: Bad Frankenhausen – Rottleben – Barbarossahöhle – Steinthaleben – Kelbra – Tilleda – Ichstedt – Udersleben – Bad Frankenhausen.
  • Ausschilderung: Der Rundweg und die Verbindungsstrecke sind durchgängig ausgeschildert. Achten Sie auf den Radler vorm Kyffhäuser-Denkmal.
  • Wegbeschaffenheit: Der Großteil des Weges verläuft auf asphaltierten und gepflasterten Wegen, ein geringer Teil verläuft auf wenig befahrenen Straßen oder auf Feldwegen. Zudem bietet sich die Möglichkeit zu Abstechern“– wie die Barbarossahöhle und das Panoramamuseum Bad Frankenhausen. oder eben das Kyffhäuser-Denkmal.
  • Einkehrmöglichkeiten: Lokale finden sich in Bad Frankenhausen im Stadtzentrum und an der Höhle, auch in Kelbra und Tilleda – also ideal auf der Rundstrecke verteilt.
  • Für Kinder ist besonders die Barbarossahöhle spannend. Dort gibt es auch einen großen Themenspielplatz. In Kelbra lockt ein Sprung ins kühle Nass.
  • Anschluss-Radwege: Wer den Radweg variieren oder ausdehnen möchte, hat mehrere Optionen: den Unstrut-Werra-Radweg in Bad Frankenhausen sowie die Verbindung zum Unstrut-Radweg.

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