Spektakuläres DDR-Diebesgut oder Kopie? - Experten prüfen Gemälde

Gotha.  Sind es die Originale oder nicht? Fachleute klären diese Frage gerade bei Gemälden, die vor 40 Jahren gestohlen worden sein könnten. Unabhängig vom Ausgang wirkt der Fall schon jetzt filmreif.

Im Fall des Gothaer Kunstdiebstahls wird erst im Frühjahr klar sein, ob die wieder aufgetauchten Kunstschätze echt sind.

Im Fall des Gothaer Kunstdiebstahls wird erst im Frühjahr klar sein, ob die wieder aufgetauchten Kunstschätze echt sind.

Foto: Bodo Schackow/dpa

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Die Ergebnisse der Echtheitsprüfung des möglichen Diebesguts aus einem der größten DDR-Kunstdiebstähle werden im kommenden Frühjahr erwartet. Das sagte der Sprecher der Stiftung Schloss Friedenstein, Marco Karthe, auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur. Es sei angedacht, das Resultat der aufwendigen Untersuchungen in einer gemeinsamen Aktion aller Beteiligten in Gotha oder Berlin vorzustellen.

In der vergangenen Woche war bekannt geworden, dass fünf hochkarätige Bilder, die vor 40 Jahren auf mysteriöse Weise aus der Sammlung von Schloss Friedenstein in Gotha gestohlen wurden, wieder aufgetaucht sein könnten. Aktuell prüfen der Stiftung zufolge Experten im Rathgen-Forschungslabor der Staatlichen Museen Berlin, ob es sich bei den Bildern um die gestohlenen Gemälde handelt.

Die Werke waren in der Nacht zum 14. Dezember 1979 verschwunden. Dabei handelt es sich um Arbeiten alter Meister: „Brustbild eines jungen Mannes“ von Frans Hals, „Landstraße mit Bauernwagen und Kühen“ von Jan Brueghel dem Älteren, „Selbstbildnis mit Sonnenblume“ von Anthonis van Dyck, „Alter Mann“ von Jan Lievens sowie „Heilige Katharina“ von Hans Holbein dem Älteren.

Gothas Oberbürgermeister verhandelte mit

Über Jahre fehlte von den Bildern jede Spur. 2018 wurde die Stiftung nach eigenen Angaben von einer Personengruppe über einen Anwalt mit der Aussage kontaktiert, im Besitz der Werke zu sein. Gothas Oberbürgermeister und damaliger Stiftungsratsvorsitzender, Knut Kreuch (SPD), verhandelte unterstützt durch die Ernst von Siemens Kunststiftung und erreichte eine Übergabe der Bilder Ende September 2019.

Im Zusammenhang mit dem Diebstahl ermittelt die Berliner Staatsanwaltschaft nach Angaben der Behörde gegen zwei Männer wegen versuchter Erpressung und Hehlerei. Die Verdächtigen stammten aus Heidelberg und Jena.

„Unser Interesse ist nach wie vor eine gütliche Einigung“, sagte Stiftungssprecher Karthe mit Blick auf die anonymen zwischenzeitlichen Besitzer. Voraussetzung dafür sei natürlich, dass es sich bei den Bildern wirklich um das Diebesgut von 1979 handelt.

Das überprüfen nun die Experten in Berlin. Die Aufgabe koste Zeit, betonte Karthe: „Es geht um fünf Bilder von fünf verschiedenen Künstlern aus fünf verschiedenen Epochen.“ Der Stiftungssprecher erklärte, dass unterschiedliche Methoden bei den Untersuchungen zum Einsatz kämen.

Wären die Gemälde Originale, wäre das eine Sensation

Beispielsweise könne überprüft werden, ob das verwendete Material, etwa die Farbe, aus der Schaffenszeit stammt. Mit Röntgen- und Infrarottechnik könnten die Werke auf eventuelle Unterzeichnungen überprüft werden. Zu klären sei auch, ob es sich möglicherweise um zeitgenössische oder zumindest ebenfalls historische Kopien handle. Experten für die jeweiligen Maler seien eingebunden.

Sollten die Gemälde die Originale sein, sei das eine Sensation, betonte Karthe: „In den ganzen 40 Jahren ist kein einziges Bild aufgetaucht und jetzt sind offenbar alle fünf wieder da.“ Handle es sich um das Diebesgut, sei das Ziel, die Werke idealerweise im kommenden Jahr zurück nach Gotha zu holen und zu präsentieren.

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