Sperber Klempner GmbH & Co. KG macht Gebäude zur Augenweide

Langenschade.  Die OTZ stellt wöchentlich Betriebe und Dienstleister aus Ostthüringen vor. Sperber Klempner GmbH & Co. KG aus Langenschade sind Maßschneider der Architekten.

Neueste Investition in der Langenschader Firma ist eine Coil-Maschine zum millimetergenauen Schneiden und Spalten der beschichteten Bleche, die zudem gleich noch gerichtet werden.

Neueste Investition in der Langenschader Firma ist eine Coil-Maschine zum millimetergenauen Schneiden und Spalten der beschichteten Bleche, die zudem gleich noch gerichtet werden.

Foto: Jens Voigt

Hämmer, Zangen, Blechscheren, die traditionellen Spengler-Werkzeuge gibt es in der Bearbeitungshalle der Sperber Klempner GmbH & Co. KG in Langenschade auch. Doch lediglich als historische Reminiszenz. Die Gegenwart bestimmen eine Nippel-Stanz-Maschine von solider Wohnzimmer-Größe, eine Coil-Anlage mit Sechs-Meter-Ablage und eine Wand im Planungsbüro, belegt mit ganzen Papierfahnen.

1100 Platten-Varianten für eine Hochhaus-Fassade

Man sieht darauf Namen, Nummern, Arbeitsschritte, beginnend bei „KW 2“ bis „KW 48“, Linien wie auf einem Schnittmusterbogen. Es geht um ein Wohn-Hochhaus in Hamburg, um die 50 Meter hoch, zergliedert in 46 Außenwände. Das Gebäude wird neu eingekleidet, mit rund 16.200 gefalzten Metallplatten in vier Farben, ein Jahr lang. Sogar noch länger - denn die Vorbereitung braucht Monate. „Der Architekt hat ein Bild entwickelt - und wir setzen es um“, erklärt Geschäftsführer Jens Sperber. Wobei die bauliche Realität oft den Plan überholt. So gingen in Hamburg die Architekten von maximal 81 Platten-Varianten aus, doch wegen der unterschiedlich verteilten Fenster und Türen mussten Sperbers Entwickler das Kleid neu stricken - und landeten so bei über 1100 Varianten, vorgefertigt und durchnummeriert in Langenschade. Seit dem Frühjahr werden sie in Hamburg montiert.

Die Handschrift der Langenschader zieht sich durch halb Europa: Wohnanlagen, Geschäfts- und Krankenhäuser in Holland, die Königsfestung von Gibraltar, Wohnhäuser in Florenz. In Thüringen zeugen etwa der Servicebereich des Saalfelder Bahnhofs, der Neubau von Optics Balzer in Jena oder die Feuerwache Gera vom Können der Sperber-Mitarbeiter.

Dass sie inzwischen vorn in der Bundesliga der Branche spielen, macht sich nicht nur am exklusiven Klub der „Top-100-Dachdecker“ fest, in den sie vor fünf Jahren aufgenommen wurden. Sondern auch an Ehrungen, die man bei Bauklempnern eher nicht vermuten würde. Gleich zweimal würdigte das Fachportal German Architects die Firma mit einem Preis für den Umbau des „Nordkopf Towers“, Zentrale der Wolfsburger Stadtwerke. Kurz danach wurde Sperber nach Venedig eingeladen, um bei der größten internationalen Architekturausstellung einen Kubus nach dem „Nordkopf“-Muster zu zeigen.

Kurs auf eigene Konstruktion und Herstellung

Dabei hatte es einst eher bescheiden angefangen. Der damals 32-jährige Sperber, der seine Meisterurkunde noch in den letzten Wochen der DDR empfangen hatte, gründete im Mai 1992 mit drei Kollegen die Firma. Rasch fokussiert man sich auf die Spenglerei. „Die Dachdecker wollten alle schnell Fläche schaffen und sich nicht mit den Fummelei am Blech abgeben“, erinnert sich Sperber. Später kehrte sich dann der Trend wieder um - Anlass für Sperber, mehr und mehr in Richtung Dach- und Fassadenverkleidung von Großprojekten zu gehen. Und zunehmend hin zur selbst entwickelten und gefertigten Sonderlösung.

Ein Kurs, der sich in den Investitionen der letzten zwei Jahre niederschlägt: Neue Fertigungs- und Lagergebäude, bestückt mit computergesteuerten Maschinen, via Datenleitung mit der eigenen Konstruktionsabteilung verbunden, dazu der erweiterte Hof, damit Zulieferer kommod einfahren können. Ein Server, dessen Speicher unlängst auf Industrieniveau aufgerüstet wurde. Dazu der neu ausgestaltete Aufenthalts- und Seminarraum, mit bequemen Möbeln, Kaffeeautomat und Miniküche. Auf dem Hof ein weiterer Aufenthaltsbereich, mit Grill und Sitzgruppen. Nutzbar für Mittagspausen, aber auch für private Feiern der Beschäftigten.

„Ohne meine Mitarbeiter wären wir als Firma nicht da, wo wir heute sind“, betont der Chef. Weshalb bei ihm nicht nur solide entlohnt wird, sondern auch bis zu 500 Euro monatliche Prämien für Qualität und Zuverlässigkeit drin sind -und 50 Euro Nichtraucher-Bonus. Vor 15 Jahren bereits wurde die Vier-Tage-Woche eingeführt, damit die Monteure ein familientaugliches Wochenende haben. Billige Absteigen als Unterkünfte, von der Firma bezahlt, lehnt der Chef ab. „Ein eigenes Zimmer für jeden muss sein“, findet er. Lehrlinge bekommen 100 Euro über Tarif, dazu Fahrt- und Schulkosten erstattet - doch hat sich in diesem Jahr kein Bewerber gefunden, obwohl Sperber sogar per Radio-Interview geworben hat. „Handwerk hat noch immer einen unverdient schlechten Ruf“, findet er, „obwohl wir Dinge schaffen, die für immer bleiben.“ Zumindest so lange, bis Architekten wieder ein anderes Haus-Kleid ersinnen.

Das Unternehmen in Ostthüringen

  • Name: Sperber Klempner GmbH & Co. KG
  • Standort: Langenschade, Hauptstraße 20
  • Geschäftsführer: Jens Sperber
  • Umsatz: 3,5 Millionen Euro (2018)
  • Beschäftigte: 20, Auszubildende derzeit keine
  • Produkte: Planung, Herstellung und Montage von Dach- und Fassadensystemen aus teils beschichten Metallen, Glas, Textil oder Faser-Verbundwerkstoffen

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