Die Kegler aus Gebesee: Von der Oberliga gleich in die Bundesliga

Sebastian Fernschild
| Lesedauer: 3 Minuten
Die Bundesliga-Kegler des KSV Gebesee, von links nach rechts: Richard Müller, Patrick Kranold, Tobias Precht, Florian Postel, Ronny Eckart, Uwe Stollberg, Christian Frank, Joe Köhler, Christian Stollberg, Fabian Bloch, Eik Bärwolf (es fehlt Lician Teichmann).

Die Bundesliga-Kegler des KSV Gebesee, von links nach rechts: Richard Müller, Patrick Kranold, Tobias Precht, Florian Postel, Ronny Eckart, Uwe Stollberg, Christian Frank, Joe Köhler, Christian Stollberg, Fabian Bloch, Eik Bärwolf (es fehlt Lician Teichmann).

Foto: Veronika Sauer

Gebesee.  Die Kegler vom KSV Gebesee spielen nun in Deutschlands höchster DCU-Liga. Am Sonntag sind die Sachsen aus Fraureuth zu Gast. Was Spielertrainer Uwe Stollberg zum Aufstieg zu sagen hat…

Damit hatte auch so manch eingefleischter Kegler nicht gerechnet. Die zweite Bundesliga, die sich in eine Nord- und Südstaffel aufteilte, wurde vom Kegelverband DCU kurzerhand aufgelöst. „Viele Mannschaften haben nicht mehr für diese Liga gemeldet, sich aufgelöst oder einfach zurückgezogen. Corona hat da so seine Spuren hinterlassen“, weiß Uwe Stollberg. Der Spielertrainer und Kapitän in Gebesee kennt das Kegelgeschäft seit nun schon 47 Jahren. Mit zehn Jahren hat er in Gebesee angefangen, eine oder eben auch keine ruhige Kugel zu schieben.

Aber nicht nur in seinem Heimatverein spielte er. So zog es ihn nach Rudolstadt – mehrere Jahre in der zweiten Bundesliga und ein Jahr Bundesliga. Auch in Zerbst, dem „Bayern München“ des Kegelns, spielte er in der ersten Liga. Mücheln war eine weitere Station, ehe es 2011 wieder zurück nach Gebesee ging. Mit dem KSV kegelte Stollberg bereits mehrere Jahre in der 2. Liga. Von 2015 bis 2018 konnte man im Kreis Sömmerda Bundesligaluft schnuppern. „Nach dem Abstieg in die Oberliga wollten wir schnell wieder hoch. Dann kam Corona und die Saisons wurden abgebrochen, sonst wären wir vielleicht schon früher wieder aufgestiegen“, so Stollberg.

Plötzlich hieß die Wahl: Bundesliga oder zurück in die Oberliga

Nun war es mit dem Ablauf der vergangenen Saison soweit. Als Meister der Oberliga Mitteldeutschland hatte Gebesee das Aufstiegsrecht in die 2. Liga. Gesagt, getan. Nach einiger Zeit kam aber vom Verband die Aussage, dass die 2. Liga in ihrer Form nicht mehr existiert. Was tun? Wieder Oberliga oder gleich Bundesliga? Für Gebesee gab es da nur eine Option und die hieß Bundesliga.

„Wir wollten aufsteigen. Das war uns allen klar. Wir ziehen das jetzt durch und bauen auf unsere Heimstärke“, weiß Stollberg und gibt einzig den Klassenerhalt als Ziel aus. Zu Hause, so der 57-Jährige, sei Gebesee schwer zu schlagen, und dieses Image soll auch in der Bundesliga aufrechterhalten werden.

Schon in der Oberliga war die Kegelbahn rappelvoll und die Stimmung auch durch die Unterstützung der Fußballer grandios, wie Stollberg es beschreibt: „Das macht eben auch richtig Spaß und gibt einen gewissen Ansporn.“

Weite Strecken muss der Verein künftig zurücklegen

„Das Problem sind die Fahrten und die weiten Strecken. So müssen wir beispielsweise bis nach Karlsruhe“, so Stollberg weiter. Er freut besonders, dass Gebesees Partnerstadt Haßloch bei Ludwigshafen ebenso aufgestiegen ist. Seit der Wende besteht zwischen beiden Vereinen eine enge Verbindung, die durch Freundschaftsspiele und weitere Aktivitäten gelebt wird.

Am vergangenen Wochenende war nun der Auftakt in die Bundesliga. In Neustadt bei Coburg setzte es gleich mal ein 5463:5605, was schon recht deutlich ist. „Aber das war gegen den amtierenden Meister, und für uns wäre sogar noch mehr drin gewesen. Unser Schlusspaar mit einem sehr starken Christian Frank, der mit 974 Tagesbester wurde, haben wir noch mal alles rausgehauen“, freut sich Stollberg.

Nun kommt Fraureuth aus Sachsen. Ein Heimsieg soll es werden, den Stollberg auch für realistisch hält. Denn in der gezielten Vorbereitung auf diese ungewisse und zugleich besondere Saison wurden die Spiele zu Hause allesamt erfolgreich gestaltet, so dass die Chancen auf den ersten Bundesligasieg nicht schlecht stehen. „Aber dafür muss jeder sein Leistungsvermögen abrufen und alles geben“, sagt Stollberg abschließend.