Waltershäuser schafft Sensation in Baden-Württemberg

Thomas Rudolph
| Lesedauer: 3 Minuten
Jamiro Bouktab (rechts) im Finale gegen Nick Wernz aus Baden-Württemberg.

Jamiro Bouktab (rechts) im Finale gegen Nick Wernz aus Baden-Württemberg.

Foto: Florian Crusius

Waltershausen.  Jamiro Bouktab, 14-jähriges Ringertalent aus Waltershausen, krönt sich in der B-Jugend zum deutschen Meister. Interessenten stehen nun Schlange.

Auch ein paar Tage nach dem historischen Triumph von Jamiro Bouktab kommt sein Trainer Florian Crusius um große Komplimente nicht herum. „Er hatte sich selbst das Ziel gesetzt und mit einer Medaille geliebäugelt. Letztes Jahr ist er noch Siebter geworden. Man weiß ja im Vorfeld nicht so recht, wie weit es geht. Dass es zum Titel reicht, war schon überraschend“, sagte der frühere Nationalmannschaftsringer über seinen Schützling.

Für den 14-Jährigen von der ZSG Grün-Weiß Waltershausen kam der Start bei der B-Jugend mitsamt seiner Siegesserie bei der deutschen Meisterschaft im baden-württembergischen Laudenbach einem sensationellen Coup gleich. Zunächst setzte sich Bouktab, der seit vier Jahren bei der ZSG trainiert, in der Gewichtsklasse bis 62 Kilogramm gegen einen Niedersachsen durch. Am Tag darauf folgten zwei Erfolge über Baden-Württemberger und das Poolfinale. „Der entscheidende Kampf zum späteren Sieg“, wie Crusius befand.

Mit gewachsenem Selbstvertrauen ins Finale

Gegner Artur Gottfried aus Nürnberg schien seine Favoritenrolle zunächst zu bestätigen, denn der Franke erwischte den Waltershäuser mit einem schönen Wurf eiskalt. Jamiro punktete zwar ebenfalls, lag nach zwei Minuten zur Halbzeit aber bereits 2:5 in Rückstand. Erst eine geänderte Taktik brachte Erfolg in der 2. Runde: Bouktab zwang Gottfried zu einem Fehler und schulterte ihn, was neben dem Sieg auch den Finaleinzug und die erhoffte Medaille brachte. Für den Verein war es die erste seit 2008, als Crusius Silber bei den Männern in Bonn holte.

Mit dem großen Selbstvertrauen im Rücken zog Bouktab dann auch im Finale seinen Stil durch. Kontrahent Nick Wernz aus Baden-Württemberg fand überhaupt nicht in den Kampf, da der Thüringer von Beginn an dominierte. Beim Stand von 9:0 Punkten schulterte er seinen Gegner und gewann den Finalkampf vorzeitig. Der Meistertitel war perfekt, die Freude riesig. „Jamiro hat ein sehr gutes Bewegungstalent und die Nerven. Zudem ist er vom Kopf her sehr klar“, lobt Crusius das große Talent, das in der Entwicklung einen großen Sprung gemacht hat.

Bundesstützpunkte zeigen Interesse

Wie der Weg des Ringertalents weitergeht, wird sich erst in den nächsten Wochen oder Monaten entscheiden. Nach dem Titelgewinn kamen gleich Vertreter diverser Bundesstützpunkte auf ihn zu, um ihm einen Wechsel schmackhaft zu machen. „Auch ein Wechsel aufs Sportgymnasium ist im Gespräch. Mal schauen, was er möchte“, sagt Crusius, der ihm wertvolle Tipps geben kann. Schließlich ging er einst mit 14 Jahren nach Jena, mit 15 dann nach Frankfurt/Oder. „Ich habe da zwei Herzen in meiner Brust. Wir haben hier im Verein zwar auch gute Trainingspartner und können ihn fördern. Aber wenn er eine leistungssportliche Karriere in Betracht zieht, muss er wechseln, am besten zu einem Bundesstützpunkt“, sagt der erfahrene Trainer.

Zunächst ist Bouktab aber am Wochenende erst einmal in Bamberg gefordert. Als Gaststarter für Zella-Mehlis aktiv, tritt man dort in der bayerischen Landesliga an. Hier gilt es, weitere Erfahrungen zu sammeln.

Neben Bouktab wussten in Laudenbach auch die Teamkollegen Tom-Louis Trenker und Linus Hörchner zu gefallen. Trenker wurde in der Gewichtsklasse bis 68 kg starker Vierter. Hörchner, kurz vor dem Wettkampf noch an Fieber erkrankt, schaffte es so leider nicht, seine Leistungsfähigkeit abzurufen. Dennoch kam er auf Platz 10 ein.