Aaliyah Thomas: „Mein großes Ziel bleibt Bayern München“

Hannover.  Die 17-jährige Torhüterin aus Mihla spricht im Interview über ihre ersten Einsätze beim Fußball-Regionalligisten Hannover 96 und ihren Bundesliga-Traum.

Torhüterin Aaliyah Thomas (rechts) in Kiel im Zweikampf.

Torhüterin Aaliyah Thomas (rechts) in Kiel im Zweikampf.

Foto: Olli Icks

Im Sommer wechselte Aaliyah-Milene Thomas von den B-Juniorinnen des Magdeburger FFC zu Hannover 96. Den Sprung vom Mädchen- in den Frauenfußball hat die 17-jährige Torhüterin schnell geschafft. Ihr neues Team führt mit zehn Punkten aus vier Partien die Tabelle der Regionaliga-Nord Staffel 2 an und will in die 2. Bundesliga aufsteigen. Wir sprachen mit der Mihlaerin, die in der niedersächsischen Landeshauptstadt derzeit einen einjährigen Bundesfreiwilligendienst absolviert.

Glückwunsch zum gelungenen Saisonstart. Du standest in drei der vier Punktspiele in der Startelf. Hattest du mit so einem schnellen Durchbruch gerechnet?

Ich habe mich natürlich sehr gefreut, als mein Trainer mir sagte, dass ich beim Auftaktspiel in der Startelf stehen würde, war dementsprechend aber auch sehr aufgeregt. Wir haben gegen den Walddörfer SV als Team eine klasse erste Halbzeit hingelegt und hatten das Spiel klar in der Hand. In der zweiten Halbzeit hat dies leider nachgelassen, aber letztlich konnten wir das Spiel mit 3:1 für uns entscheiden. Allerdings hatte ich im Großen und Ganzen nicht sehr viel zu tun bekommen. Auch in den folgenden Spielen, beim 2:2 in Kiel und dem 3:1-Heimsieg gegen TuS Büppel, durfte ich über 90 Minuten im Tor stehen. Ehrlich gesagt, damit hatte ich nicht gerechnet, als ich nach Hannover kam. Aber offenbar habe ich mich in der Vorbereitung gut gezeigt und angeboten.

Fühlst du dich jetzt bereits als Nummer eins?

So weit würde ich nicht gehen. Der Konkurrenzkampf geht trotzdem weiter und ich darf auf keinen Fall nachlassen.

Welche Zukunftspläne hast du?

In erster Linie werde ich nun alles dafür tun, um meinen Platz im Tor zu behalten. Mein großes Ziel bleibt es jedoch, in Zukunft für den FC Bayern München zu spielen. Es wird noch ein langer Weg dahin, aber ich werde dranbleiben.

Wie sieht dein Tagesablauf derzeit aus?

Seit Anfang November ruhen auch hier in Niedersachsen Trainings- und Spielbetrieb. Bis dahin haben wir drei Trainingseinheiten in der Woche gehabt. Ich selbst schiebe hin und wieder ein paar Einheiten mehr, um mich weiter zu verbessern. Mein Tag startet meistens um 8 Uhr und endet oft erst gegen 23 Uhr. Zur Zeit mache in einen Bundesfreiwilligendienst im Vereinssportzentrum von 96, leite vier Schul-Floorball-AGs und fahre nach der Arbeit direkt zum Training. Viel Freizeit bleibt mir da nicht.

Eine deiner Mitspielerinnen bei den „Roten“ ist Anna-Lena Füllkrug, die Schwester vom Bremer Profi Niclas Füllkrug. Schaut er ab und an bei euren Spielen zu?

Das soll wohl öfter der Fall sein, auch wenn ich ihn persönlich noch nicht gesehen habe. Ich wusste bis vor Kurzem gar nicht, dass Anna-Lena so einen berühmten Bruder hat.

Wie sind Trainingsbedingungen in Hannover ?

Wir dürfen im Nachwuchsleistungszentrum (NLZ) der 96-Jungs auf einem Kunstrasen trainieren, der im Winter auch beheizt wird. Im NLZ trainieren nur die U-Mannschaften, die Profis trainieren separat auf Plätzen am Stadion.

Hält sich das Team nun individuell fit?

Wir versuchen das Beste aus der Situation zu machen. Letzte Woche haben wir uns während eines Online-Mannschaftsabends verschiedene Spiele überlegt, um die fußballfreie Zeit gemeinsam zu überbrücken. Wir hoffen alle, dass es Anfang 2021 auf dem heimischen Rasen weitergeht. Selbst kann ich oft nur Stabilitätsübungen machen, weil es schon dunkel ist, wenn ich nach Hause komme. An den Wochenenden fahre ich dann viel Rad.

Welche Bedeutung hatten rückblickend deine Stationen bei Grün-Weiß Stockhausen und dem EFC 08 Ruhla?

Vor allem das Training und die Spielpraxis bei den Jungs haben mir sehr gutgetan. Es ist vom Körperlichen und von der Schnelligkeit einfach ein ganz anderes Spiel gewesen. Aber auch der Wechsel zu den Mädchen vom EFC Ruhla war ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung. Allgemein war die Zeit sehr schön und hat mich auf jeden Fall in meiner Entwicklung weitergebracht.

Schaffst du es bei dem hohen Zeitaufeand deine Familie und Freunde in Eisenach zu besuchen?

Das ist tatsächlich sehr schwierig und kommt auf jeden Fall viel zu kurz. Seitdem ich in Hannover bin, war ich erst einmal wieder Zuhause. Umso mehr freue ich mich, dass ich nächste Woche einige Tage daheim verbringen kann. Da werde ich bestimmt mit meinem Vater die eine oder andere Trainingseinheit auf dem Sportplatz machen.