Apoldaer Kraftsportler Zinserling hat Norwegen als Fernziel

Apolda.  Der Apoldaer Kraftsportler Tobias Zinserling macht sich Sorgen. Wann der nächste Wettkampf steigt, weiß niemand.

Wohin geht die Reise im Kraftsport? Tobias Zinserling aus Apolda – hier beim Kreuzheben – trainiert zwar, wann der nächste Wettkampf ist, weiß er aber nicht.

Wohin geht die Reise im Kraftsport? Tobias Zinserling aus Apolda – hier beim Kreuzheben – trainiert zwar, wann der nächste Wettkampf ist, weiß er aber nicht.

Foto: Jürgen Scheere

Tobias Zinserling hebt die Schultern. Nein, sagt er, eine Perspektive sehe er gerade nicht. Der Kraftsportler aus Apolda darf zwar trainieren, doch Wettkämpfe sind in weite Ferne gerückt. „Die Bundesliga sollte im Januar wieder starten, das wird abgesagt. Das gleiche gilt wohl für den Februar“, fügt er an. Dass er sich dennoch täglich im Kraftraum schindet, sei Ehrensache. Als Bundeskader habe er schließlich auch eine gewisse Vorbildfunktion.

Im vereinseigenen Kraftraum in Gotha darf er üben. Das Flair, die Atmosphäre sei dort auch deutlich besser, als in den eigenen vier Wänden. Zur Erinnerung: Während des ersten nationalen Stillstands im Frühjahr dieses Jahres hatte sich Zinserling so ziemlich alle Geräte ins eigene Haus gestellt. Als dann die Lockerungen kamen, gingen die freilich zurück zum Verein. „Jetzt wollte ich nicht alles wieder nach Hause holen“, sagt er. Deshalb sei er heilfroh gewesen, dass für die Bundeskader im Kraftsport eine Ausnahmegenehmigung erteilt wurde, dass sie trainieren dürfen. „Bislang galt das nur für die olympischen Sportarten. Seit kurzem auch für uns“, sagt Zinserling. Gerecht sei dies allemal, da auch jene Athleten, die nichtolympische Sportarten betreiben, am Ende doch den selben Aufwand hätten. Derlei Benachteiligung habe nun ein Ende. Zumindest sportlich.

Denn finanziell sieht es noch einmal ganz anders aus. „Wovon leben denn die kleinen Vereine?“, fragt er. Es seien die Zuschüsse vom Dachverband, Sponsorenbeiträge, Wettkampfeinnahmen. Und all dies bleibe doch über kurz oder lang aus. „Wenn der Verband keine deutsche Meisterschaft organisieren kann, hat er keine Einnahmen. Wenn er keine Einnahmen hat, wird er die kleinen Vereine nicht mehr unterstützen können. Und dann beginnt das Sterben“, sagt der Apoldaer. Er plädiere doch dafür, die gerade für die Wirtschaft angelaufenen Hilfen auch für ihn Not geratene Vereine und Verbände auszuzahlen. Ansonsten droht ein Kahlschlag in der Sportlandschaft.

Sport halte gesund und verringere das Risiko, zu erkranken

Dass in einem von der Bundesregierung veröffentlichten Videofilm das Lümmeln auf dem eigenen Sofa in diesen Zeiten zum Heldentum stilisiert würde, missfällt ihm sichtlich. Zinserling wird da deutlich: „So erziehen wir uns eine Generation Taugenichtse heran.“ Nein, sagt er, Sport halte doch gesund und verringere doch das Risiko von Erkrankungen. „Außerdem fördert es doch auch das Bewusstsein für die gesunde Ernährung“, sagt das Kraftpaket. Die Schließung der Fitnessstudios sei das falsche Signal gewesen. Gerade dort, so erklärt er, habe man doch viel in neue Hygienestandards investiert. Viele Betreiber würden durch die Zwangsschließungen nicht nur vor den Kopf gestoßen, sondern auch um ihre Existenz gebracht.

Er wolle aber nicht schimpfen, sondern hofft darauf, dass es bald wieder los geht. Zinserling selbst hat den beruflichen Neuanfang gewagt, arbeitet nun in Jena als Autoverkäufer. Das erlaube ihm auch, hernach noch ausreichend zu trainieren – schließlich gibt es ja noch das eine große Ziel: „Ich möchte zur Weltmeisterschaft nach Norwegen“, sagt er. Die steht derzeit noch planmäßig im kommenden November an. Zwölf Monate also, in denen viel passieren kann – aber eben auch ein Jahr, in dem fleißig zu trainieren ist. „Denn die WM ist gleichzeitig auch das Qualifikationsturnier für die World Games“, berichtet Zinserling. Und das sind die Spiele der nichtolympischen Sportarten. Eine Teilnahme dort aber sei mindestens genau so viel Wert.

Also rappelt sich der Apoldaer täglich auf, um nicht einzurosten. „Wenngleich die Motivation nicht auf dem Siedepunkt ist, da man einfach nicht genau weiß, wohin die Reise in den nächsten Wochen geht“, sagt er. Gerade seien ja die Verordnungen noch einmal verschärft worden. Ja, die Gesundheit aller müsse man im Blick haben, sagt Zinserling. Was aber dringend bräuchte, wäre eine Perspektive abseits des Millionenspektakels Fußball für die Nischen des Sports. Für all die, die nicht ihr Geld damit verdienen – und gerade ziemlich alleine dastehen.