Bad Blankenburg: "Viele Vereine warten auf die Impfung"

Bad Blankenburg  Im Gespräch mit Spielervermittler Frank Ihl über den unterbrochenen Spielbetrieb im Handball und die Auswirkungen auf seine Tätigkeit

Frank Ihl in einer Auszeit als Drittliga-Trainer beim HSV Bad Blankenburg. Der 51-Jährige ist heute Spielervermittler und Trainer beim HSC Bad Neustadt.

Frank Ihl in einer Auszeit als Drittliga-Trainer beim HSV Bad Blankenburg. Der 51-Jährige ist heute Spielervermittler und Trainer beim HSC Bad Neustadt.

Foto: Peter Scholz

Der Spielbetrieb im semiprofessionellen Handball ruht, von der dritten Liga hinunter bis in die unterste Klasse wird gegenwärtig weder trainiert noch um Punkte gespielt. Auswirkungen hat das auch auf die Spielertransfers in den Ligen drei bis fünf. Wir unterhielten uns mit mit Spielervermittler und Trainer Frank Ihl, der mit seiner Firma Ihlus Management GmbH Spieler vornehmlich aus dem EU-Ausland zu deutschen Vereinen vermittelt.

Nachträglich alles Gute zum Geburtstag. Die Feier war wegen Corona sicher etwas leiser als sonst, oder?

Vielen Dank! Und ja, das kann man so sagen.

Ist es auf dem Spielermarkt ähnlich ruhig?

Aktuell ist es schon recht ruhig. Mögliche Wechsel nach der Hinrunde fallen aus, weil sowieso nicht gespielt wird. Zudem wissen die Vereine auch nicht, wie die Saison überhaupt weiter geht. Und dann gibt es in den semiprofessionellen Ligen auch wirtschaftliche Unwägbarkeiten. Dennoch beginnen die ersten Vereine mit den Planungen für die kommende Saison, gibt es erste Anfragen und hier und da auch Verhandlungen. Viele Vereine warten auf die Impfungen, setzen in diese große Hoffnungen, dass man wieder spielen kann. Aber es ist schon ruhiger.

Was machen Sie da derzeit?

Vor allem pflege ich die Datenbank, um später auf entsprechende Anfragen schneller reagieren zu können.

Der Mitteldeutsche Verband will im Februar die Vereine befragen, inwieweit sie wirtschaftlich in der Lage sind, die Viertliga-Saison im Frühjahr fortzusetzen. Deutet sich etwa an, dass da Dutzende Spieler nach neuen Teams Ausschau halten und sich jetzt schon für andere anbieten?

Nein, das nicht. Mir ist bislang noch nicht zu Ohren gekommen, dass ein Verein eine Mannschaft aus dem Punktspielbetrieb zurückziehen will. Aber das ist vielleicht auch noch zu zeitig, um da konkretes sagen zu können. Da muss man vielleicht bis März oder April warten.

Glauben Sie, dass Spieler nach der Krise auf Gelder verzichten müssen? Wird das Auswirkungen haben?

Ich glaube, dass das bei einigen Vereinen passieren wird. Andererseits denke ich aber auch, dass die Vereine vor allem bei jungen Spielern, die vielleicht studieren, sich weiterhin engagieren. Nicht selten finanzieren sie beispielsweise einen Teil ihrer Wohnungsmiete mit den Geldern, die sie mit ihrem Hobby verdienen.

Sie sind seit etwa fünf Jahren als Spielervermittler tätig. Kann man davon leben?

Nein, ich mache das aus Spaß und um Spieler und Vereine zusammen zu bringen. Ich verkaufe quasi das Netzwerk, damit die Spieler, die vornehmlich aus dem EU-Ausland nach Deutschland kommen, hier entsprechend ihrer Leistungsfähigkeit spielen können. Dabei kommt mir sicherlich zugute, dass ich viele Kontakte zu Vereinen aus der dritten bis zur fünften Liga habe.

Wer hat denn bislang von Ihrer Erfahrung in der Region profitieren können?

Beispielsweise Suhl, Hermsdorf, der HSV Bad Blankenburg oder auch Werratal. Und wenn ich ein Bonbon habe, biete ich das auch einmal Zweitligisten in Dresden, Dessau oder Eisenach an.

Was ist für Sie ein erfolgreiches Jahr?

Sie meinen die Zahl der Vermittlungen? Wenn ich in diesem Jahr zwischen 10 und 15 Spieler vermitteln kann, bin ich sehr zufrieden.

Und wie schnell wird man sich einig?

Manchmal innerhalb einer Woche, manchmal dauert es Monate. Nicht zuletzt muss das Gesamtpaket stimmen, die Spieler auch in das gesellschaftliche System passen. Denn ewig Handballspielen geht natürlich nicht. Wichtig ist deshalb, dass die Spieler „klar in der Birne“ sind.

Sie haben aber in der Zukunft nicht nur die Spielervermittlung auf der Agenda.

Das stimmt. Wir wollten bereits im vergangenen Jahr ein Handball-Camp für Kinder in Apolda durchführen. Dann kam Corona. Aber ich habe diese Pläne nur verschoben. 2022 will ich das wieder in Angriff nehmen.

Zur Person: Frank Ihl ist 51 Jahre und derzeit Trainer bei Handball-Drittligist HSC Bad Neustadt. Er begann mit sechs Jahren beim Handball und spielte bis 2006 unter anderem für Motor Hermsdorf, Dynamo Berlin, KAC Klagenfurt, dem HSV Suhl, dem ThSV Eisenach sowie beim SSV Erfurt-Nord und dem HV Ilmenau. Er absolvierte insgesamt 25 Junioren-Länderspiele für die DDR. Seit 2007 war er unter anderem Trainer beim HSV Bad Blankenburg, führte diesen in die dritte Liga, und dem HSV Apolda.