Kampf gegen das Corona-Chaos in zweiter Basketball-Bundesliga

Jena.  Science City Jena fordert mit Rostocks Trainer Bauermann regelmäßige Tests in der 2. Basketball-Bundesliga ProA.

Jenas Trainer Frank Menz  und Rostocks Coach Dirk Bauermann (nicht im Bild) haben ein Positionspapier verfasst, damit Corona-Tests künftig regelmäßig durchgeführt werden.

Jenas Trainer Frank Menz und Rostocks Coach Dirk Bauermann (nicht im Bild) haben ein Positionspapier verfasst, damit Corona-Tests künftig regelmäßig durchgeführt werden.

Foto: Sascha Fromm

Sie gehören schon zum Alltag, die Nachrichten über verschobene Begegnungen in der 2. Basketball-Bundesliga ProA. Kein Spieltag bisher, an der nicht irgendeine Partie verlegt werden musste. Das Coronavirus hat die zweithöchste deutsche Liga fest im Griff und droht den Spielplan schon frühzeitig über den Haufen zu werfen.

Frank Menz, Trainer von Science City Jena, fordert jetzt schnelles Handeln, ehe Chaos ausbricht. Gemeinsam mit seinem Rostocker Kollegen Dirk Bauermann, genau wie er einst Bundestrainer der deutschen Nationalmannschaft, hat er ein Positionspapier verfasst, in dem eine für alle Clubs verbindliche regelmäßige Testung auf Covid-19 verlangt wird. „Der professionelle Sport ist gegenüber anderen gesellschaftlichen Bereichen wie Kultur, Gastronomie, Tourismus etc. privilegiert. Deswegen hat er auch eine besondere Verpflichtung, nicht zur Verbreitung des Virus beizutragen“, heißt es darin.

Drei Vereine haben sich gegenseitig angesteckt

Auslöser des Menz-Vorstoßes ist vor allem ein Dominoeffekt des bisher einzigen Doppelspieltags, bei dem sich mit Hagen, Bremerhaven und auch Nürnberg gleich drei Mannschaften gegenseitig angesteckt haben und wegen positiver Corona-Befunde in behördlich angeordnete Quarantäne mussten. Ein Umstand, der medial hohe Wellen schlug und auch eine Umfrage unter Spielern und Trainern über die Testpraxen der Vereine nach sich zog.

Das Ergebnis: Offenbar wird mancherorts so gut wie gar nicht getestet – trotz Spielbetriebs. Ein Umstand, der in Jena nicht nur Frank Menz sauer aufstößt. Bereits vor der Saison, berichtet Geschäftsführer Lars Eberlein, habe Science City auf einer Liga-Sitzung, an der Thomas Fleddermann für die Saalestädter teilnahm, verpflichtende Testungen befürwortet. „Viele andere Clubs haben aber gesagt, sie wollen erst einmal abwarten, was passiert.“

Freiwillig führen die Jenaer, die während der Vorbereitung wegen positiver Corona-Fälle im eigenen Nachwuchs auch schon in Quarantäne mussten, trotzdem wöchentliche Testreihen durch. Bisher waren alle Befunde von Spielern und Betreuern aus dem ProA-Team negativ. Auch ein Zeichen für ein gut funktionierendes Hygienekonzept. Zum Teil sind die Spieler in unterschiedliche Trainingsgruppen eingeteilt, beim kleinsten Anzeichen von Symptomen sind alle Betroffenen aufgefordert, zuhause zu bleiben. Auch der Kontakt mit den Mitarbeitern der Geschäftsstelle wird auf ein Minimum reduziert. „Am Ende müssen wir die Spieler schützen und alle, die mit der Mannschaft zu tun haben“, sagt Science-City-Geschäftsführer Lars Eberlein.

20.000 bis 30.000 Euro Mehrkosten pro Saison

Dass die Vereine dafür pro Saison 20.000 bis 30.000 Euro Mehrkosten zu tragen haben, ist ein notwendiges Übel, findet er. Auch Frank Menz und Dirk Bauermann argumentieren in ihrem Positionspapier in diese Richtung. „Im Sinne der Gesundheit der Spieler und deren Familien und zur Gewährleistung eines geordneten Spielbetriebs in unserer Liga halten wir es für dringend erforderlich, dass die Liga ihrer Verantwortung nachkommt und ein praktikables einheitliches Hygienekonzept vorlegt und umsetzt.“ Die ehemaligen Bundestrainer schlagen entweder Schnelltests vor den Spielen, oder den sogenannten PCR-Test fünf bis sechs Tage nach den Spielen vor. Am besten sogar beides.

„Es ist eine große Gefahr, dass die Liga durchgewirbelt wird“, warnt Eberlein. Trier beispielsweise hat erst ein Spiel absolviert, andere Teams wie Rostock schon sechs. Diese Diskrepanz könnte sich sogar noch vergrößern, wenn nicht schnell gehandelt wird.