Science City Jena: Heißes Spiel, heißer Grill

Jena  Zur feierlichen Saisoneröffnung besiegt Science City Jena Ligakonkurrenten Uni Baskets Paderborn mit 76:75 (36:33).

Dennis Nawrocki (links) erzielte 15 Punkte für Science City Jena. 

Dennis Nawrocki (links) erzielte 15 Punkte für Science City Jena. 

Foto: Marcus Schulze

Routiniert und auch zackig wendete Lars Eberlein mit der Zange die vor ihm liegenden Würste – und in diesem Fall handelte es sich um ein regelrechtes Bataillon an Würsten, welches da brach vor ihm auf dem nicht weniger opulenten Grill lag. Das sei eine ziemlich heiße Sache, sagte der Geschäftsführer von Science City Jena und wischte sich den Schweiß von der Stirn, um sich dann umgehend wieder dem Fleisch-Bataillon zu widmen, dessen Ende – über kurz oder lang – kommen würde, schließlich mangelte es nicht an Basketball-Fans, die begierig auf eine gebratene Eberlein-Wurst warteten. Eine liebgewonnene Tradition bei der alljährlichen Saisoneröffnung der Wissenschaftler, so auch am Sonntag.

Doch womöglich kam der Geschäftsführer nicht nur am Grill ins Schwitzen, sondern auch während der letzten Sekunden des Spiels gegen die Uni Baskets Paderborn. Zwölf Sekunden vor Abpfiff der Begegnung führten die Gäste denkbar knapp mit 75:74, und es hatte den Anschein, dass die Basketballer aus Nordrhein-Westfalen besagtes Minimum an Vorsprung über die Zeit retten könnten, doch gut fünf Sekunden vor Ultimo konnte Julius Wolf den Ball doch noch in des Gegners Korb versenken – und das war gleichzeitig auch der finale Akt. Die Ostthüringer konnten das Test-Stelldichein der beiden Teams aus der 2. Bundesliga mit 76:75 (36:33) für sich entscheiden.

Dass es gerade Julius Wolf war, der zum Zünglein an der Waage mutierte, freute einen Großteil der 1028 Zuschauer wohl besonders, immerhin spielt er laut dem Pressesprecher der Jenaer schon gefühlte 38 Jahre bei Science City, ist mit Ermen Reyes-Napoles, Oliver Mackeldanz und Jan Heber eines der wenigen Überbleibsel vergangener Bundesliga-Tage.

„Der Sieg war wichtig. Ein Sieg ist immer ein gutes Omen, zumal wir bis zum Schluss cool geblieben sind“, resümierte Julius Wolf, als er mit seinen Mitstreitern fleißig Autogramme gab und mit dem vermaledeiten Filzstift kämpfte, der erst nach ausgiebigem Schütteln seinen Dienst antrat. Ein Problem übrigens, das Julius Wolf nicht exklusiv hatte.

Auch Trainer Frank Menz kämpfte mit seinem Stift. „Wir haben unseren Schwerpunkt auf die Verteidigung gelegt, was meine Spieler größtenteils sehr gut gemacht haben. Ich bin sehr zufrieden“, sagte Menz, der auch darauf verwies, dass er Spieler entwickeln wolle. Gegen den Ligakonkurrenten hätten junge Spieler in das Geschehen eingegriffen, die bis dato noch nie in der Pro-A aufgelaufen wären. Phasenweise habe man mit fünf deutschen Spielern agiert, daran wolle man perspektivisch festhalten. „Das ist das, was wir machen wollen“, betonte der Ober-Wissenschaftler, der zudem von einem gelungenen Auftakt sprach. Erfolgreichster Schütze bei den Hausherren war Dennis Nawrocki mit 15 Punkten, gefolgt von Julius Wolf mit 14.

Für einen Science-City-Protagonisten besaß der Termin am Sonntag indes ein ganz besonderes Geschmäckle: Melvin Jostmann. Der 19-jährige Point Forward traf auf den Verein aus seiner Heimatstadt, bei dem er bis zu seinem Wechsel nach Jena 2018 spielte. „Ich war schon aufgeregt, immerhin war es das erste Mal, dass ich gegen Paderborn gespielt habe. Das war schon etwas ganz Besonderes für mich“, sagte Jostmann, während er ein Poster nach dem anderen signierte und auch von Fans auf die für ihn nicht ganz alltägliche Partie angesprochen wurde. Doch Jostmann wird auch künftig mit seinen Basketball-Wurzeln konfrontiert werden, schließlich treffen die Teams im November 2019 und März 2020 erneut aufeinander. Zwei schlaflose Nächte werden Jostmann wohl noch bevorstehen, schließlich ist der Druck dann um einiges höher, geht es doch um Punkte in der 2. Bundesliga. Ach ja, Lars Eberlein wendete die Würste mitunter auch furchtlos mit der Hand. Obwohl, etwas geschummelt hat er dabei schon, trug er doch einen Handschuh. Mit diesem wird er nur bedingt dem besungenen Ideal des Thüringer Mannes am Grill gerecht, der furchtlos mit der Hand wendet – so zumindest beim Sänger Rummelsnuff.

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