„Beim Dart geht er regelmäßig unter“

Erfurt.  Interview der Woche: Büßlebens Neuzugang Lucas Weis über sein Image als Wandervogel, harte Bruderduelle und einen hypothetischen Anruf von RWE.

Lucas Weis, hier bei einem Testspiel Ende 2017 für seinen letzten Verein gegen den damaligen Drittligisten FC Rot-Weiß Erfurt (rechts: Theo Bergmann), will mit  Büßleben um den Aufstieg in die Thüringenliga mitspielen.

Lucas Weis, hier bei einem Testspiel Ende 2017 für seinen letzten Verein gegen den damaligen Drittligisten FC Rot-Weiß Erfurt (rechts: Theo Bergmann), will mit Büßleben um den Aufstieg in die Thüringenliga mitspielen.

Foto: Frank Steinhorst

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Wenn Lucas Weis mal eine Biografie schreiben sollte, könnte sie heißen: „Mein Leben als Wandervogel“. Weit weg hat es ihn als Fußballer zwar nie verschlagen, doch der 31-Jährige hat bereits für acht verschiedene Vereine gespielt.

Von der E- bis zur C-Jugend beim FC Rot-Weiß, entschied er sich gegen die Sportschule und den Kampf um die Profikarriere, ging zurück zu seinem Heimatverein SV Witterda. Dort im Männerbereich in der damaligen Bezirksliga angekommen, wechselte er zum FC Gebesee in die Landesklasse. Anschließend ging es in die Thüringenliga nach Mühlhausen, weiter nach Dachwig, zum SC 03 Weimar, dann berufsbedingt nach Sangerhausen in die Verbandsliga Sachsen-Anhalt. Dort brach er sich die Kniescheibe, machte anderthalb Jahre Pause und versuchte sein Glück in Martinroda. Nun, nach erneuter anderthalbjähriger Pause wegen der Familie, folgt mit dem SV Blau-Weiß Büßleben Verein Nummer neun.

Wir sprachen mit ihm über seine Odyssee, verbissene Duelle mit seinem Bruder Carsten, seine Rolle in Büßleben und einen hypothetischen Anruf des FC Rot-Weiß.

Warum hat der Familienvater Lucas Weis noch einmal sein Comeback als Fußballer gegeben, und warum ausgerechnet in Büßleben?

Ich bin Fußballer durch und durch, da juckt es einfach. Ich habe Lust und nun auch die Zeit, wieder zu spielen. Über Co-Trainer Lutz Stöber, der noch mit meinem Vater zusammengespielt hat, kam der Kontakt mit Büßleben zustande. Die Mannschaft ist jung und ambitioniert, der Verein hat sich sehr um mich bemüht – das passt.

Wie ist Ihr erster Eindruck?

Der erste Test gegen Wacker Gotha war gut, gerade die erste Halbzeit. Hier sind hungrige Spieler mit viel Potenzial, das gefällt mir.

Welche Rolle sollen Sie in ihrem neuen Team spielen?

Die Jungen mit meiner Erfahrung führen, das Spiel im Zentrum von der Sechserposition aufbauen.

Büßleben ist ein Dorfverein und dennoch seit Jahren konstant in der Landesklasse vorn dabei. Kann, mit Ihnen als langjährigem Verbandsligaspieler, der Aufstieg gelingen?

Da ich als Witterdaer aus einem Dorfverein komme, mag ich dieses familiäre Flair. Es gibt mit Erfurt Nord und Altengottern starke Gegner, aber unsere Truppe ist heiß auf das Abenteuer Thüringenliga. Sie kann um den Aufstieg mitspielen.

Und Sie sind sicher heiß auf ein Duell mit Ihrem Bruder Carsten, der für Bad Langensalza spielt.

Klar. Wer uns kennt, der weiß, dass es immer mit viel Feuer zur Sache geht, wenn wir aufeinandertreffen. Das war ja schon drei-, viermal der Fall. Wir werden wegen unserer ähnlichen Statur und Spielweise gern mal für Zwillinge gehalten.

Ehrt oder ärgert Sie das? Carsten hat es ja kurzzeitig zum Profi geschafft, wird aber andererseits scherzhaft „Dicker“ genannt.

Ach, die Natur hat es halt so gewollt, dass wir nicht die Größten und Schnellsten werden. Dafür haben wir trotzdem ganz gutes Talent mitbekommen. Der Spitzname hat sich übrigens auch bei mir durchgesetzt, ich wurde in einigen meiner Vereine ebenfalls „Dicker“ genannt.

Wer hat die Duelle in der Kindheit eigentlich gewonnen?

Unentschieden, würde ich sagen (lacht). Auch da ging es energisch zur Sache – und öfter was zu Bruch, zum Leidwesen unserer Eltern.

Waren Sie jemals neidisch darauf, dass Carsten als Fußballer die bessere Karriere hingelegt hat als Sie?

Nie. Er hat sich das redlich verdient, musste als Sportschüler viele Entbehrungen in Kauf nehmen, um die ich ihn nicht beneidet habe.

Was können Sie besser als er?

Mein linker Fuß ist besser, das hat er selbst schon zugegeben. Außerdem sind wir leidenschaftliche Dartspieler – und es schmeckt ihm gar nicht, dass er da gegen seinen kleinen Bruder regelmäßig sang- und klanglos untergeht (lacht).

Sind von all Ihren Vereinen eigentlich gute Kontakte geblieben?

Nach Witterda nach wie vor, da habe ich immer noch viele Freunde. Martinroda auch noch vereinzelt. Zakaria Zeudmi, mit dem ich in Gebesee und Mühlhausen zusammengespielt habe, ist sogar ein richtig guter Freund geworden, auch wenn er mittlerweile in Frankfurt lebt.

Hätten Sie sich gewünscht, mal längerfristig bei einem Verein zu bleiben, oder wollten Sie einfach gern immer wieder was Neues erleben?

Ich bin prinzipiell neugierig, wäre aber gern mal irgendwo richtig angekommen. In Mühlhausen unter Heiko Nowak wäre ich zum Beispiel gern länger geblieben, hatte aber Differenzen mit dem Vorstand.

Wie stehen Sie eigentlich zu Ihrem Kindheitsverein FC Rot-Weiß und den dortigen Entwicklungen?

Klar verfolge ich das. Es ist sehr schade, wie sich das entwickelt hat, mit dem ganzen Hickhack um die Regionalliga, der ungewissen Zukunft und der Aberkennung des Status als Nachwuchsleistungszentrum. Ich hoffe, es geht für RWE zumindest in der Oberliga weiter.

Was wäre, wenn RWE Sie und Ihren Bruder anruft und fragt, ob Sie als Mittelfeldduo helfen wollen?

(lacht) Dann würde ich wiederum erstmal meinen Bruder anrufen und beraten, ob unsere Knochen das noch mitmachen. Im Ernst: Natürlich würde man darüber nachdenken. Aber der „Dicke“ ist 34, ich werde 32. Da soll der FC Rot-Weiß doch lieber die Jungen ranlassen.

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