Beim FC Rot-Weiß Erfurt geht die Angst um

Erfurt.  Beim Fußball-Regionalligisten FC Rot-Weiß Erfurt werden derzeit keine Gehälter gezahlt. Sogar die Fortsetzung des Ligabetriebs ist gefährdet.

Insolvenzverwalter Volker Reinhardt hat bestätigt, dass die Dezembergehälter noch nicht ausgezahlt worden sind.

Insolvenzverwalter Volker Reinhardt hat bestätigt, dass die Dezembergehälter noch nicht ausgezahlt worden sind.

Foto: Sascha Fromm

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Als der Arbeitstag für die Spieler des FC Rot-Weiß Erfurt eigentlich erst beginnen sollte, war er auch schon wieder beendet. Knapp eine halbe Stunde sprach Donnerstagvormittag kurz nach neun Uhr auf dem Trainingsgelände im Gebreite der Insolvenzverwalter Volker Reinhardt zur Mannschaft, Trainern und Angestellten der erst im Oktober gegründeten Fußball GmbH. Dann war klar, dass die Zukunft des Regionalligisten einmal mehr am seidenen Faden hängt.

„Wir sind geschockt. Unter diesen Umständen macht es keinen Sinn. Niemand kann in dieser Situation an Fußball denken“, sagte Trainer Robin Krüger, der nach dem 9:0-Testspielsieg knapp zwölf Stunden zuvor beim Oberligisten Eintracht Northeim eigentlich für 10.30 Uhr eine Auswertung des Tests und ein lockeres Auslaufen vorgesehen hatte. Nun aber bangen alle um ihre Existenz. „Ich kann nachempfinden, in welcher Lage sich die Spieler gerade befinden“, sagte Krüger.

Differenzen mit Investoren

Der 30-Jährige, bislang Interimstrainer, hatte zuletzt vergeblich auf die Unterzeichnung seines neuen Vertrages gewartet. Nun ist klar warum. Weil es mit den neuen Investoren erhebliche Differenzen über die Verwendung der Gelder gibt, konnten auch keine Dezember-Gehälter gezahlt werden.

„Mit den Investoren hat der Insolvenzverwalter laut der geschlossenen Verträge vereinbart, dass die eingezahlten Gelder sowohl dazu dienen, die Fortführung des Spielbetriebs abzusichern, als auch die ab dem 1. Januar 2019 entstandenen Verbindlichkeiten des RWE abzutragen. Die vom Hauptinvestor erhobene gegenteilige Behauptung entspricht daher nicht den Tatsachen“, teilte Reinhardt mit und erklärte, man könne die Gehälter nicht zahlen, weil der Hauptinvestor dies verhindere.

Im März 2019 hatte ein sogenanntes Masse-Darlehen der Volksbank Gera/Jena/Rudolstadt ein weiteres Mal ein vorzeitiges Aus abgewendet. Da die neuen Geldgeber die Unterstützung wohl ausschließlich für den Neuaufbau vorgesehen hatten, planen sie nun laut Bild-Zeitung sogar eine Klage gegen Volker Reinhardt. Am 11. Oktober des vergangenen Jahres gab der Verein die Gründung der FC Rot-Weiß Erfurt Fußball GmbH bekannt und präsentierte jene neuen Investoren. Damit verbunden war die Aussage, dass die laufende Regionalliga-Saison abgesichert sei und man in der kommenden Spielserie sich im oberen Drittel der vierten Liga etablieren wolle. „Das Engagement der Investoren eröffnet RWE den Weg in eine nachhaltige, langfristig erfolgreiche Zukunft“, verkündete man damals mit breiter Brust.

Verlassen noch im Winter Spieler den Verein?

Bei den Spielern geht inzwischen die Angst um. Sie warteten seit Tagen auf ihr Gehalt und wurden nun darüber informiert, dass sich vorerst keine neue Situation einstellen wird. Als sie Donnerstag das Trainingsgelände verließen, herrschte eine gedrückte Stimmung.

Möglicherweise denken einige Spieler sogar darüber nach, bis zum Ende der Wechselperiode den Verein zu verlassen, sollte in der Winterpause ein anderer Klub Interesse zeigen. Dabei war der Tabellen-14. nach dem sportlichen Neubeginn unter Robin Krüger gerade dabei, in der vierten Liga den Weg nach oben anzutreten. Nun allerdings ist alles plötzlich infrage gestellt.

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