Beim Münzwurf muss Siemerodes Kapitän noch üben

Siemerode.  Er ist Kapitän und Trainer bei Fußball-Landesklässler SV GW Siemerode, aber derzeit aufgrund eines Halswirbelbruchs ausgebremst – Maik Aschenbach.

Immer mit vollem Einsatz dabei: Siemerodes Kapitän Maik Aschenbach (rechts, hier gegen Leinefeldes Marco Gebhardt).

Immer mit vollem Einsatz dabei: Siemerodes Kapitän Maik Aschenbach (rechts, hier gegen Leinefeldes Marco Gebhardt).

Foto: Eckhard Jüngel

An Fußball ist für Maik Aschenbach derzeit nicht zu denken. Nicht, weil die Corona-Pandemie aktuell ohnehin den Spiel- und Trainingsbetrieb auf Amateurebene lahmgelegt hat. Vor einem guten Monat brach sich der Kapitän des Fußball-Landesklässlers SV Grün-Weiß Siemerode in Folge eines Autounfalls einen Halswirbel. Aschenbach hatte dabei noch Glück im Unglück. „Es hätte auch noch schlimmer ausgehen können“, sagt er.

Und als selbstständiger Physiotherapeut weiß Aschenbach, wovon er redet. Im Februar will der kürzlich 30 Jahre jung Gewordene, der jedoch aus bekannten Gründen auf eine große Feier zu seinem Ehrentag verzichten musste, wieder mit seinen Jungs auf dem Platz stehen.

Schon neun Jahre im Siemeröder Trikot

Eine Siemeröder Mannschaft ohne den laufstarken Linksfuß ist inzwischen kaum noch vorstellbar. Aschenbach trägt das Trikot der Grün-Weißen bereits seit neun Jahren, führt den aktuellen Tabellen-Fünften der Landesklassen-Staffel 2 seit zwei Jahren als Kapitän an.

Als der damalige Mannschaftsführer und Torwart Christoph Tauber sein Amt aus zeitlichen und beruflichen Gründen zur Verfügung stellte, bestimmte Trainer Karsten Wellmann – der seit dem Sommer von Aschenbach in der Coachingarbeit unterstützt wird – den Wachstedter zum neuen Teamleader. „Und die Mannschaft hat nicht protestiert“, sagt Aschenbach und lacht: „Ich musste nicht lange darüber nachdenken, dieses Amt anzunehmen. Für mich war das eine Ehre.“

Das ist es für Siemerodes Nummer 31 auch heute noch. Als erfahrener Akteur, der mit den Siemerödern in der aktuellen Spielzeit in der Thüringenliga und ansonsten immer in der Landesklasse um Tore und Punkte kämpfte, und Kapitän geht Aschenbach nicht nur auf dem Platz durch seinen enormen Ehrgeiz voran, sondern kümmert sich auch um das interne Klima. „Ich versuche, gerade mit den jüngeren Spielern viel zu sprechen, damit die schnell bei uns ankommen und sich entwickeln können“, verrät der Linksfuß, der darüber hinaus auch im Training Spaß vermitteln will.

Mitspieler lachen

Viel verändert hat sich für den Physiotherapeuten, der gemeinsam mit seiner Freundin bereits seit fünf Jahren in Heiligenstadt wohnt, nach der Annahme des Kapitänen-Amts nicht. Denn Aschenbach hat auch ohne die Binde am Arm versucht, Einfluss zu nehmen und das Team nach vorne zu bringen.

„Der einzige Unterschied, seitdem ich die Binde trage, ist, dass ich jetzt immer die Platzwahl machen muss“, sagt der 30-Jährige. In dieser Hinsicht, räumt er mit einem Schmunzeln ein, habe er aber noch Steigerungspotenzial: „Eigentlich verliere ich die immer. Meine Mitspieler lachen schon alle darüber.“

Auf dem Platz ist dann aber Schluss mit lustig. Denn sobald der Schiedsrichter anpfeift, pflügt Aschenbach gefühlt jeden Meter des Spielfelds um. Seine Laufstärke und sein Wille treiben ihn dann an.

„Er ist sehr flexibel einsetzbar, bringt viel Tempo mit und sucht gerne das Eins-gegen-eins. In den letzten beiden Jahren hat er außerdem noch erfolgreich an seinem Torabschluss gearbeitet“, hebt Trainer Karsten Wellmann die Vorzüge seines Kapitäns und Mittrainers hervor.

Zudem sei Aschenbach, der in der Bundesliga mit Leipzig und Leverkusen sympathisiert („Die Spielweise mit dem Gegenpressing und die Konzepte, junge Spieler zu integrieren, gefällt mir“), „eigentlich immer beim Training und für jeden Spaß zu haben“. Auch dank seiner Physiotherapeuten- sowie Trainerausbildung sei der Linksfuß schon seit langem „unverzichtbar für unseren Verein“.

Erstes Spiel ausgerechnet gegen Siemerode

Sein erstes Spiel in der Herren-Landesklasse bestritt Aschenbach für den SC Leinefelde ausgerechnet gegen seinen jetzigen Club. „Damals bin ich als junger Spieler durch eine Verletzung eines Mitspielers in die Mannschaft gerutscht“, erinnert er sich. Nach drei Jahren, die er im Herrenbereich für die Leinefelder bestritt, folgte der Wechsel nach Siemerode.

„Das passte zu dieser Zeit ganz gut. Ich habe damals in Dransfeld in der Nähe von Göttingen gearbeitet. Außerdem hatte ich einen guten Kontakt zu Thomas Klöppner“, erklärt der Kapitän und Trainer in Personalunion. Mit Routinier Klöppner läuft Aschenbach auch heute noch gemeinsam auf.

Stammspieler und Leistungsträger war Aschenbach in all seinen Jahren bei den Siemerödern immer. Kein Wunder, dass regelmäßig auch andere Vereine die Fühler nach ihm ausstreckten.

American Football-Fan

Doch diese Bemühungen, Aschenbach abzuwerben, blieben stets erfolglos. „Ich habe nie darüber nachgedacht, woanders hinzugehen. Wir spielen guten Fußball. Ich hatte immer das Gefühl, dass das hier die richtige Station für mich ist“, sagt der Kapitän.

Einen Vorteil haben die derzeitigen spielfreien Wochenende für den Neu-Dreißiger – er hat momentan mehr Zeit, um sich sonntags ausgiebig American Football im Fernsehen anzuschauen. „Das finde ich sehr spannend“, erklärt er.

Es soll jedoch beim Zuschauen des amerikanischen Nationalsports bleiben. Selber zu spielen kommt für Aschenbach trotz allen Ehrgeizes nicht in Frage: „Die Verletzungsgefahr wäre viel zu groß.“