Bernteröder Fußball-Profi Sebastian Stolze: der Familienmensch

Regensburg.  Im Interview spricht Sebastian Stolze aus Bernterode über sein Glück als Fußballprofi in Regensburg und seinen neuen „Job“ als Familienvater.

Sebastian Stolze (rechts) ist in den Jahren zu einer wertvollen Stütze beim Fußball-Zweitligisten SSV Jahn Regensburg geworden.

Sebastian Stolze (rechts) ist in den Jahren zu einer wertvollen Stütze beim Fußball-Zweitligisten SSV Jahn Regensburg geworden.

Foto: SASCHA JANNE

Sebastian Stolze hat seinen Platz im Leben gefunden. Der 25-jährige Bernteröder startete nicht nur bei Fußball-Zweitligist Jahn Regensburg sportlich durch, sondern die Geburt seines Sohnes Emilian-Tommy vervollständigte sein privates Familienglück. Im Interview spricht „Stolle“ über seine sportlichen Ziele und gewährt Einblicke in sein Privatleben.

Herzlichen Glückwunsch zur Geburt von Emilian-Tommy! Wie sehr hat die Ankunft Ihres Sohnes das Familienleben in den letzten 14 Tagen verändert?

Unser Leben hat sich komplett auf links gedreht. Nun stehen die Bedürfnisse unseres Sohnes im Mittelpunkt. Das heißt, die Nächte sind ein wenig kürzer und der Schlaf nicht mehr so tief. Meine Frau Miriam macht das alles großartig. Ich versuche ihr verstärkt unter die Arme zu greifen, sei es im Haushalt oder bei der Pflege des Kindes.

Der Filmschauspieler Heinz Rühmann hat einmal gesagt: Glücklich verheiratet ist man dann, wenn man lieber heimkommt als fortgeht.

Es ist ein unbeschreibliches Glücksgefühl, nach dem Training nach Hause zu kommen und von Frau und Kind begrüßt zu werden. Ich glaube, das sagt alles.

Nicht nur privat, auch bei Jahn Regensburg lief es rund! So wurden Sie von den Fans mit 42,2 Prozent mit klarer Mehrheit zum Spieler der Saison gewählt.

Das war ein wunderbares Feedback, was mich unglaublich motiviert hat. Ich sehe mich als Teamplayer. Nachdem ich meine Leistenprobleme in den vergangenen Wochen überwunden habe und wieder fit bin, hoffe ich, der Mannschaft auch in Zukunft bestmöglich helfen zu können.

Ihre guten Leistungen sind auch einigen Bundesligisten nicht verborgen geblieben! Bei Union Berlin sollen Sie ganz oben auf dem Wunschzettel gestanden haben.

Ehrlich gesagt habe ich vom Interesse der Berliner aus den Medien erfahren. Ein konkretes Vertragsangebot gab es nicht, daher stand ein Wechsel nicht zur Debatte.

Ihr Vertrag läuft im Juni 2021 aus! Wäre danach ein Wechsel in die Bundesliga realistisch?

Ich bin in Regensburg sehr glücklich und unendlich dankbar für den Vertrauensvorschuss, den mir der Verein durch den aktuell gültigen Dreijahresvertrag gegeben hat. Dieses Vertrauen möchte ich mit guten Leistungen zurückzahlen. Wenn ich am Ende meiner Karriere auf 150-200 Zweitligaspiele zurückblicken kann, wäre ich mehr als zufrieden. Mit einem Wechsel in die Bundesliga beschäftige ich mich aktuell nicht. Dem Jahn gilt sportlich mein ganzes Augenmerk.

Sie haben in Ihrer Karriere bereits viel erlebt! Welche Momente blieben besonders in Erinnerung?

Das war zunächst die U-19-EM 2014 in Ungarn. Ich wurde nachnominiert und im Halbfinale gegen Österreich eingesetzt. Obwohl ich im Finale nicht spielte, war es ein irres Gefühl, den Pokal nach dem 1:0-Sieg gegen Portugal in den Budapester Nachthimmel zu stemmen. Ebenso hat mich der DFB-Pokalsieg 2015 mit dem VfL Wolfsburg emotional berührt. Ich stand im Finale gegen Dortmund zwar nicht im Kader, habe aber durch die Teilnahme am Mannschaftstraining alles hautnah miterlebt. Und nicht zu vergessen meine ersten beiden Zweitliga-Treffer für den Jahn gegen Kaiserslautern.

Der Profifußball ist erfolgsorientiert! Bleibt da Zeit für Freundschaften?

Freundschaftliche Kontakte gibt es, diese sind aber aufgrund häufiger Vereinswechsel eher selten. Persönlich bedauert habe ich, dass mein ehemaliger Teamkollege Asgear Sörensen 2019 nach Nürnberg gewechselt ist. Besonders freut mich, dass die enge Freundschaft zu Bastian Göller, Robert Lischke und Johannes Bergmann, die ich seit der Zeit am Erfurter Sportgymnasium kenne, die räumliche Trennung überdauert hat. Gute Kontakte bestehen auch zu Maximilian Arnold (VfL Wolfsburg). Dass unsere Frauen ein gutes Verhältnis zueinander pflegen, erleichtert vieles.

Erstmals gegen den Ball traten Sie 2001 bei der SV Bernterode. Im Jahr 2006 wechselten Sie nach Erfurt und erzielten bei Ihrem ersten Drittliga-Einsatz gegen Münster gleich ein Tor. Mittlerweile sind die Rot-Weißen von der 3. Liga scheinbar Lichtjahre entfernt. Verfolgen Sie die Entwicklung beider Vereine?

Wenn ich in Bernterode bin, dann schaue ich mir gerne ein Spiel an, ansonsten verfolge ich die Ergebnisse aus der Ferne. An die Erfurter Zeit denke ich voller Dankbarkeit und fühle mich dem Verein durch meine ersten Erfahrungen im Profifußball und die wunderbaren Jahre in den Jugendmannschaften emotional verbunden. Natürlich verfolge ich die Entwicklung des FC Rot-Weiß sehr interessiert und wünsche Verein und Mannschaft zukünftig viele sportliche Erfolge.

Erfolg ist die Summe aus Talent, dem richtigen Umfeld und der eigenen Einstellung! Welche dieser drei Variablen ist aus Ihrer Sicht entscheidend?

Ehrgeiz schlägt Talent. Damit meine ich, dass Talent allein nicht ausreicht. Viel wichtiger ist die eigene Einstellung! Eine gesunde Lebensweise, der Verzicht auf Alkohol, beispielsweise gepaart mit hohem Engagement im Training, sind wichtige Kriterien. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass man ohne jegliches Talent auf der Strecke bleibt. Was das Umfeld betrifft, so habe ich besonders viel von meinen Eltern gelernt. Ohne deren Unterstützung wäre ich nicht dort, wo ich heute bin. Auch meinen Geschwistern bin ich sehr dankbar, die für meine Karriere sehr oft zurückstecken mussten.

Nicht nur zu Ihrer Familie haben Sie ein enges Verhältnis! Sie werden auch in Ihrer Heimatgemeinde verehrt und geschätzt!

Ich bin oft selbst sprachlos über die erhaltende Unterstützung. Selbst nach Niederlagen oder bei weniger guten Spielen bekomme ich aufmunternde Nachrichten. Leider erlaubt es meine Zeit nur während der Winter- und Sommerpause auf eine Stippvisite vorbeizuschauen.

Das können Sie spätestens nach Ihrer Karriere ändern! Bürgermeister Cornelius Fütterer hat Ihnen einen Bauplatz angeboten. Ein neuer Kindergarten wird auch bald eröffnet.

Das freut mich. (lacht) Allerdings ist Regensburg eine lebenswerte Stadt, in der wir uns sehr wohl fühlen. Da meine Frau aus Erfurt stammt und uns unsere Familien viel bedeuten, schließen wir nicht aus, eines Tages nach Thüringen oder sogar ins Eichsfeld zurückzukehren.