Biathlet Philipp Horn: „Nicht zu träumen gewagt“

Philipp Horn (25) vom SV Eintracht Frankenhain ist die Saison-Überraschung im deutschen Biathlon-Team. In Antholz erlebt er am Samstag seine WM-Premiere.

Der Frankenhainer Biathlet Philipp Horn feiert in Antholz sein WM-Debüt..

Der Frankenhainer Biathlet Philipp Horn feiert in Antholz sein WM-Debüt..

Foto: Sascha Fromm

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Was bedeutet Ihnen die WM-Premiere?

Dass ich in Antholz dabei bin, hätte ich vor der Saison nicht einmal zu träumen gewagt. Es ist für mich die Zugabe auf einen bisher super verlaufenen Winter. Ich freue mich riesig darauf; versuche aber ruhig zu bleiben und mein Ding zu machen.

Antholz zählt bei vielen Biathleten zu den Lieblingsorten. Auch bei Ihnen?

Ich war noch nicht so oft dort; im Sommer bei Lehrgängen und Trainingslagern schon, aber Wettkämpfe habe ich in Antholz nur als Jugendlicher bestritten. Ich glaube, ich war zuletzt 2012 dort und es lief damals ganz gut. Die Strecken lagen mir.

Genießen Sie auch das Südtiroler Flair?

In erster Linie geht es darum, die eigene Leistung abzurufen. Aber natürlich macht es Spaß, in dieser beeindruckenden Landschaft zu laufen. Das ist eine echt schöne Gegend. Im Sommer haben wir uns auch mal die Zeit genommen und die Berge ringsum erkundet.

Müssen Sie sich eigentlich kneifen, wie gut es in dieser Saison läuft?

Manchmal schon. Neulich beim Nachmittagstraining zu Hause in Oberhof – ich war etwas später dran als sonst – kamen ein paar Nachwuchsathleten auf mich zu und wollten ein Foto mit mir machen. Das hat mich echt überrascht und war ein komisches Gefühl. Doch gefreut hat es mich natürlich.

Worauf führen Sie Ihren Leistungssprung zurück?

Ein wichtiger Grund ist sicherlich unsere starke Oberhofer Trainingsgruppe, in der wir uns gegenseitig unterstützen und immer pushen. Außerdem bin ich in der Vorbereitung weder verletzt noch krank gewesen. In den vergangenen Jahren hatte ich mir eigentlich immer eine Erkältung eingefangen. Danach dauert es immer zwei, drei Wochen, bis man wieder den Top-Level erreicht hat.

Achten Sie mehr auf Ihre Gesundheit als früher?

Man lernt ja dazu. Ich gebe nicht mehr jedem die Hand oder fasse alle Türklinken an. Dort lauern die Gefahren, sich anzustecken. Und ich achte im Winter auf genügend Vitamine.

Sie gaben im November 2018 Ihr Weltcup-Debüt. Warum lief es in Ihrer ersten Saison bei der Elite noch nicht wie gewünscht?

Mir haben die Konstanz und vor allem die Gelassenheit gefehlt. Ich war extrem nervös vor den Rennen und wollte es immer besonders gut machen. Mittlerweile bin ich lockerer geworden; konzentriere mich auf das, was ich kann. Wenn man dann noch spürt, dass man in Form ist, geht vieles leichter.

Anfang Januar erlebten Sie in Oberhof die Weltcup-Premiere in Ihrem sportlichen Wohnzimmer. Ihr bisheriger Höhepunkt?

Ja, damit ist wirklich ein Traum von mir wahr geworden. Aber in Ruhpolding hat es genauso Mega-Spaß gemacht, auch wenn meine Ergebnisse nicht ganz so gut waren. Die Stimmung war grandios. Und in Pokljuka hat es mir auch richtig gut gefallen. Jetzt bin ich auf Antholz gespannt.

Welchen Anteil an Ihrem Aufstieg hat Bundestrainer Mark Kirchner?

Gemeinsam mit unserem Stützpunkttrainer Marko Danz einen sehr großen. Gerade im ersten Jahr nach der Schule war es sehr schwer, das enorme Trainingspensum zu absolvieren. Da lag ich am Wochenende oftmals völlig platt zu Hause und war fertig. Doch die Trainer haben es mit viel Gefühl hingekriegt, die richtige Dosis für uns zu finden. So konnten wir Jungen uns langsam steigern und an die körperliche Belastung gewöhnen.

Verspüren Sie noch Ehrfurcht vor den großen Namen der Szene wie Bö und Fourcade?

Ehrfurcht vielleicht nicht; aber ich habe einen Riesen-Respekt. Wenn ich mit ihnen auf der Strecke bin, sehe ich es mittlerweile als Chance, mich zu beweisen. Die Mixed-Staffel in Pokljuka, als ich mich mit Fillon Maillet und Tarjei Bö gebattelt habe, war schon eine coole Erfahrung.

Schauen Sie sich von den Stars auch noch etwas ab?

Ich gucke immer auf die anderen, schon allein aus Interesse. Was die Lauftechniken betrifft, kann man sich bei den Norwegern immer etwas abschauen. Man muss ja nicht zwangsläufig immer etwas ändern. Beim Schießen ist es Erik Lesser, der mit seiner Geschwindigkeit ja immer noch Maßstäbe setzt.

Freuen Sie sich, dass er zumindest in der zweiten WM-Woche dabei sein wird?

Klar. Er gibt mir nach wie vor Tipps, schlüpft beim Training manchmal in die Trainerrolle. Das weiß ich sehr zu schätzen. Und er ist mit seiner Art natürlich gut fürs Teamklima. Mit ihm kommt der Spaß nie zu kurz.

Im Gesamtweltcup belegen Sie derzeit Rang 18. Wohin kann es noch gehen?

Wenn man sieht, wer da vor einem steht, wird es verdammt schwer, weiter nach oben zu klettern. Es kann ja auch ganz schnell in die andere Richtung gehen. Deshalb wäre ich superzufrieden, wenn ich diesen Platz bis zum Saisonende halten könnte.

Gibt es Unterstützung von zu Hause hier in Antholz?

Mein Vater ist hier. Und einige Leute aus meinem Verein sind in Antholz immer dabei. Die freuen sich, dass sie diesmal wahrscheinlich zwei Frankenhainer anfeuern können.

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