Biathlon-WM: Zwischen Tradition und Moderne

An diesem Donnerstag beginnt die Biathlon-WM im italienischen Antholz mit zwölf Entscheidungen. Wir beantworten die wichtigsten Fragen vor den Titelkämpfen.

Auf Denise Herrmann ruhen die deutschen WM-Hoffnungen bei den Frauen.

Auf Denise Herrmann ruhen die deutschen WM-Hoffnungen bei den Frauen.

Foto: Sascha Fromm

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Wo finden die Weltmeisterschaften statt?

Die Gemeinde Rasen-Antholz (italienisch: Rasun-Anterselva) mit rund 3000 Einwohnern liegt im Antholzer Tal, einem Seitental des Pustertals, in Südtirol. Es ist eine Wintersport-Region mit zahlreichen Skilanglauf-Loipen. In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich der Kronplatz, ein vielfältiges Alpin-Skigebiet. Im Sommer ist Antholz ein beliebtes Ziel für Wanderer und Mountain-Bike-Fahrer. Doch seine größte Bekanntheit erlangte der Ort durch das Biathlon. Das Stadion, das zu den modernsten der Welt gehört, schmiegt sich am Ende des Tales, auf etwa 1600 Meter Höhe, an den Antholzer See und umfasst 3000 Sitzplätze. Insgesamt können 15.000 Fans die Wettkämpfe live miterleben.

Wie groß ist die Biathlon-Tradition?

Die ersten internationalen Rennen fanden in Antholz unter der Leitung von Paul Zingerle bereits 1971 statt. 1975 kam es zur Austragung der ersten Weltmeisterschaft. Mittlerweile ist das Südtiroler Biathlon-Mekka zum sechsten Mal Gastgeber. Nur Oslo kürte in der WM-Geschichte genauso oft die Besten der Welt. Zu den prominentesten Skijägern der Region zählen die Weltmeister Wilfried Pallhuber, Johann Passler, Dominik Windisch und Dorothea Wierer.

Wer sind die Favoriten?

Bei den Männern rechnen alle mit Bö-Festspielen. Der Norweger Johannes Thingnes Boe dominiert die Biathlon-Szene seit eineinhalb Jahren. Er gewann den Gesamtweltcup 2018/19 souverän und war bei der WM in Östersund vor einem Jahr mit viermal Gold und einmal Silber der überragende Athlet. Auch in diesem stehen bei ihm schon zehn Siege (inklusive Staffeln) zu Buche. Er belegt in der Gesamtwertung nur deshalb Platz drei, weil er aufgrund der Geburt seines Sohnes Gustav sowohl den Weltcup in Oberhof als auch in Ruhpolding ausgelassen hatte. Zu seinen größten Widersachern zählen die beiden Franzosen Martin Fourcade und Quentin Fillon Maillet sowie sein Bruder Tarjei Boe.

Wem ist bei den Frauen am meisten zuzutrauen?

Auch die Damen-Konkurrenz wird in dieser Saison von Norwegen dominiert. Die größten Chancen werden Tiril Eckhoff eingeräumt, die bisher schon zehnmal auf dem obersten Treppchen stand und auch den Gesamtweltcup anführt. Weitere Medaillenkandidatinnen sind ihre Teamkolleginnen sind Ingrid Landmark Tandrevold und Marte Olsbu Roeiseland sowie Lokalmatadorin Dorothea Wierer, die Schweden Hanna Oeberg und Deutschlands Beste, Denise Herrmann.

Wer gehört zum deutschen WM-Team?

Bundestrainer Mark Kirchner hat gemeinsam mit seinen Kollegen ein elfköpfiges Aufgebot für die Titelkämpfe nominiert. Bei den Frauen sind das neben Denise Herrmann (Oberwiesenthal) noch Janina Hettich (Schönwald), Vanessa Hinz (Schliersee), Karolin Horchler (Clausthal-Zellerfeld) und Franziska Preuß (Haag). Zum Männer-Team zählen Benedikt Doll (Breitnau), Johannes Kühn (Reit im Winkl), Philipp Horn, Erik Lesser (beide Frankenhain), Philipp Nawrath (Nesselwang) und Arnd Peiffer (Clausthal-Zellerfeld). Lesser wird indes erst nach dem ersten WM-Wochenende zur Mannschaft stoßen. Er wird in dieser Woche beim IBU-Cup im 170 Kilometer von Antholz entfernten Martell (Südtirol) starten, um weitere Wettkampfpraxis zu sammeln.

Welche Disziplinen stehen auf dem Programm?

Donnerstag, 13. Februar, 14.45 Uhr: Mixed-Staffel, 4 x 6 km
Freitag, 14. Februar, 14.45 Uhr: Damen-Sprint, 7,5 km
Samstag, 15. Februar, 14.45 Uhr: Herren-Sprint, 10 km
Sonntag, 16. Februar, 13.00 Uhr: Damen-Verfolgung, 10 km; 15.15 Uhr: Herren-Verfolgung, 12,5 km
Dienstag, 18. Februar, 14.15 Uhr: Damen-Einzel, 15 km
Mittwoch, 19. Februar, 14.15 Uhr: Herren-Einzel, 20 km
Donnerstag, 20. Februar, 15.15 Uhr: Single-Mixed-Staffel, 6 und 7,5 km
Samstag, 22. Februar, 11.45 Uhr: Damen-Staffel, 4 x 6 km; 14.45 Uhr: Herren-Staffel, 4 x 7,5 km
Sonntag, 23. Februar, 12.30 Uhr: Damen-Massenstart, 12,5 km; 15.00 Uhr: Herren-Massenstart, 15 km

Wie viele Zuschauer werden erwartet?

An den neun Wettkampftagen rechnen die Organisatoren mit etwa 165.000 Fans aus aller Welt. Die meisten Zuschauer werden erfahrungsgemäß aus Deutschland kommen. Viele nutzen das Ereignis für einen Winterurlaub. Die Anreisezeit, etwa aus Thüringen, beträgt rund sieben Autostunden.

Wo ist die WM am Bildschirm zu sehen?

Die Wettbewerbe werden live bei ARD und ZDF sowie Eurosport übertragen. Die Rennen ab diesem Donnerstag bis Sonntag, 16. Februar, werden vom ZDF gezeigt; die Wettkämpfe der zweiten WM-Woche in der ARD. Eurosport überträgt alle Entscheidungen live. Der Internet-Streamingdienst Dazn präsentiert zudem alle Wettbewerbe dank einer Kooperation Eurosport.

Preuß, Herrmann, Peiffer und Doll in Mixed-Staffel

Angeführt von Olympiasieger Arnd Peiffer wollen die deutschen Biathleten bei der WM in Antholz nach der ersten Medaille greifen. Für das Auftakt-Rennen am Donnerstag (14.45 Uhr/ZDF und Eurosport) wurden neben dem an Position drei laufenden Peiffer noch Benedikt Doll als Schlussläufer sowie Franziska Preuß und Denise Herrmann nominiert. Die Konkurrenz für Vize-Weltmeister Deutschland ist groß, Favorit ist Titelverteidiger Norwegen. Auch Gastgeber Italien oder Frankreich dürften vorn mitmischen.
„Ich freue mich, dass ich laufen darf. Und die anderen drei werden sich auch freuen. Bis jetzt sind alle fit und gesund, und dann gehen wir es an“, sagte Peiffer. „Ziel ist es natürlich für uns, gleich im ersten Rennen eine Medaille zu holen“, so der Olympiasieger

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