Biathlet Erik Lesser: „Ich habe noch Lust“

Antholz.  Der Frankenhainer ist seit Montag in Antholz. Im Interview spricht der 31-Jährige über seine Rolle bei der WM, über Horn, Loginow und seine Zukunft.

Der Frankenhainer Erik Lesser ist seit Montag in Antholz.

Der Frankenhainer Erik Lesser ist seit Montag in Antholz.

Foto: imago/Sven Simon

Mit Platz zwei in der Verfolgung des IBU-Cups in Martell empfahl sich Erik Lesser am Sonntag für einen WM-Einsatz. Wenige Stunden später stieß er zur deutschen Mannschaft; am Montag bestritt er seine erste Laufeinheit in Antholz. Wir sprachen mit dem Oberhofer.

Ist das bekannteste „Biathlon-Doppelzimmer“ wieder komplett?

Ja, der Arnd (Peiffer/d.R.) ist Sonntagabend zu mir gezogen. Wir sind also wieder vereint.

Da steht einer erfolgreichen zweiten WM-Woche ja nichts im Wege.

Das wird man sehen. Ich bin Ersatz für das Einzel und die Staffel sowie ein Kandidat am Donnerstag für die Single-Mixed. Darauf bereite mich vor und hoffe auf einen Einsatz.

Sind Sie zufrieden mit der Generalprobe in Martell?

Mit der Verfolgung schon. Zuvor im Sprint und Supersprint hatte ich noch mit der Höhe zu kämpfen. Aber ich denke, ich bin läuferisch bei hundert Prozent, was dieses Jahr möglich ist. Auch wenn es nur achtzig Prozent von der Form sind, die ich schon einmal hatte.

Wiegt das Trainingsdefizit nach Ih-rem Schlüsselbeinbruch so schwer?

Ja, dadurch fehlen mir die Einheiten im Grundlagenausdauer- und Kraftausdauer-Bereich. Das merke ich vor allem beim Schieben. Da habe ich über die Distanz nicht die Kraft in den Armen, wie ich es gewöhnt bin. Den Rückstand holt man während des Winters nicht mehr auf.

Umso mehr heißt es: gut schießen. Wie groß ist Ihr Respekt vor dem tückischen Antholzer Schießstand?

Einerseits kenne ich es aus den letzten Jahren, dass man hellwach sein muss, weil der Wind ständig wechselt: nicht nur von links oder rechts, sondern auch hoch und tief. Andererseits war Martell eine gute Vorbereitung. Dort ist es ähnlich, auch von der Höhe her; und der Anstieg zum Schießstand ist sogar härter.

Was macht den Wettkampf auf 1600 Metern Höhe so besonders?

Der Körper reagiert auf die Belastung anders; vor allem die Atmung ist erschwert. Es fühlt sich einfach schneller anstrengend an. Deshalb bereiten sich die meisten Sportler auch ein, zwei Wochen auf ähnlicher Höhe vor, um sich anzupassen.

Ihrem Frankenhainer Vereinskameraden Philipp Horn scheinen die Bedingungen nichts auszumachen.

Sieht so aus. Er befindet sich wirklich in einer extrem guten läuferischen Verfassung und hat einen starken Sprint hingelegt. Ich denke, ihm kommt auch die Strecke hier in Antholz gelegen. Allerdings waren es am Schießstand ein paar Fehler zu viel. Daran muss er arbeiten.

Er verriet kürzlich, dass Sie manchmal in die Trainerrolle schlüpfen und ihm wertvolle Tipps geben.

Vielleicht kümmere ich mich zu sehr um andere und schaue zu wenig auf mich.

Was ja prinzipiell kein schlechter Charakterzug ist.

Aber nicht unbedingt für einen Leistungssportler. Da braucht es einen gewissen Egoismus, um erfolgreich zu sein. Doch es stimmt schon: Wenn ich sehe, dass etwas falsch läuft, muss ich es sagen.

Sind das Karriereende und der Einstieg als Trainer schon ein Thema?

Natürlich denke ich darüber nach. Aber noch ist es nicht so weit. Ich habe noch große Lust und das Gefühl, dass in mir noch mehr drin ist, als ich diese Saison gezeigt habe. Nächstes Jahr will ich noch einmal Vollgas geben und mich hoffentlich für das Weltcup-Team qualifizieren.

Wie haben Sie die Diskussion um Ex-Dopingsünder Alexander Loginow wahrgenommen?

Grundsätzlich ist meine Meinung: Wer einmal beim Epo-Missbrauch erwischt wird, der sollte lebenslang gesperrt werden. Aber die Regel besagt eben, dass er nach zwei Jahren zurückkehren darf. Danach hat er alle Tests bestanden; also gehe ich davon aus, dass er sauber ist.