Ex-Science City Jena-Trainer Harmsen: „Der Markt ist tot“

Leipzig.  Basketball-Coach Björn Harmsen spricht im Interview über die schwierige Jobsuche und die Gründe für sein Aus beim Mitteldeutschen BC.

Basketball-Trainer Björn Harmsen ist auf Jobsuche.

Basketball-Trainer Björn Harmsen ist auf Jobsuche.

Foto: Holger Zaumsegel

Björn Harmsen (37) hat Science City Jena zweimal in die Basketball-Bundesliga geführt. Von November bis Februar arbeitete er zuletzt als Cheftrainer im deutschen Oberhaus beim Mitteldeutschen BC. Wir sprachen mit ihm über das vorzeitige Ende beim MBC, seine schwierige Jobsuche in Corona-Zeiten und den Traum von Alp d’Huez.

Herr Harmsen, wie geht es Ihnen?

Sehr gut! Ich bin gesund und halte mich in meiner Wohnung in Leipzig fit.

Haben Sie einen Basketballkorb aufgestellt?

Nein, aber einige Kraftgeräte und eine Rolle für mein Rennrad. Über eine App kann ich mit anderen in einer animierten Welt fahren – sogar Berg-Etappen.

Klingt, als bereiteten Sie sich auf die Tour de France vor.

Auf die Tour nicht. Ich wollte in diesem Jahr aber tatsächlich mit zwei Kumpels im Wohnmobil nach Frankreich und dort mit dem Rad nach Alp d’Huez hochfahren. Das hatten wir schon vor zwei Jahren geplant, mussten es wegen einer Meniskus-OP eines Freundes aber verschieben. Durch die Corona-Pandemie sieht es leider wieder so aus, als ob es nichts wird.

Wollten Sie sich auch den Frust von der Seele radeln?

Sie spielen auf meine Entlassung in Weißenfels an: Ich bin traurig, dass wir nur so kurz zusammengearbeitet haben. Der MBC ist für mich eine Herzensangelegenheit. Ich hatte bei meiner ersten Station dort eine gute Zeit und fühle mich mit den Fans in Weißenfels sehr verbunden.

Mit der Geschäftsführung dort hatten Sie aber Probleme. Sie wurden im Februar nach einem Sieg entlassen, weil Sie Spieler öffentlich kritisiert haben.

Ich kannte das Team nicht, als ich im November eingestiegen bin. Beim Trainer vor mir gab es ein paar Probleme in der Mannschaft, die auch bei mir weiter bestanden haben. Es gab in der Handhabung dieser Probleme unterschiedliche Auffassungen bei der Geschäftsführung und mir. Für mich war klar, dass ich nur weitermachen kann, wenn man die Probleme löst und sie nicht einfach weiter vor sich herschiebt.

Was hatten Sie erwartet?

Aus meiner Sicht hätte man sich von einem Spieler trennen müssen und innerhalb der Mannschaft an der Konstellation etwas ändern. Es gab auch Spieler, die voll mitgezogen haben, aber durch die Probleme gehemmt waren. Die Geschäftsführung hat anders entschieden.

Bereuen Sie die Rückkehr zum MBC?

Nein. Ich bedauere nur, dass ich in meiner Zeit dort nur zwei Spiele vor den großartigen Fans in Weißenfels coachen konnte. Das lag am Spielplan mit seinen vielen Auswärtsspielen in diesem Zeitraum.

Eigentlich wären es ja drei Spiele in Weißenfels gewesen. Bei einem waren Sie aber gesperrt.

(lacht) Ja. Ich bin gegen einen Schiedsrichter gelaufen.

Aus Versehen natürlich.

Es war wirklich nicht mit Absicht. Ich wollte mir ein Technisches Foul abholen, bin aufs Parkett gestürmt, habe dabei aber unterschätzt, wie schnell der Schiedsrichter läuft. Der ist volle Kanne losgesprintet und wir sind zusammengeprallt. Zum Glück hat sich niemand verletzt. Wir haben auch alles geklärt, ich habe mit dem Schiedsrichter gesprochen und mich entschuldigt.

Hätten Sie mit Weißenfels die Klasse gehalten?

Ich glaube schon. Im März/April hätten wir noch ziemlich viele Heimspiele gehabt. Dank dem Sieg in meinem letzten Spiel sind wir ja vom Abstiegsplatz runtergekommen, lagen also sportlich auf Kurs. Durch die aktuelle Situation ist es jetzt ja aber sowieso so, dass keine Mannschaft absteigen muss.

Was sagen Sie zur Lage des Sports in Pandemie-Zeiten?

Der Profisport zählt für mich zur Unterhaltung. In der aktuellen Situation sieht man, wie unwichtig das ist. Ich finde es richtig, dass vieles erst einmal gestoppt wurde, solange Ansteckungsgefahr besteht. Wir in unserer Wohlstandsgesellschaft müssen so lange es geht, Menschenleben schützen. Der Sport mit Zuschauern wird als Letztes wieder hochgefahren werden.

Sind Sie ein Freund von Geisterspielen?

Wir können uns dank der modernen Technik von zuhause aus alles anschauen. Wenn man es vernünftig erklären kann, warum zum Beispiel weiter Fußball gespielt wird, während andere Jobs noch runtergefahren sind, und die Sicherheit gewährleistet ist, bin ich ein großer Freund von Geisterspielen. Denn dann geht diese Komponente des Soziallebens nicht ganz verloren.

Die Suche nach einem neuen Job dürfte aktuell aber schwer sein.

Mein Job ist am Ende mit am Meisten von der Corona-Krise betroffen. Wir werden als allerletzte wieder Arbeit bekommen. Momentan ist der Markt tot. Ich muss jetzt einfach abwarten. In dieser Situation habe ich Glück, dass ich keine Kinder habe. Ich bin nur für mich allein verantwortlich, was es einfacher macht.

Es gibt also noch keine Gedanken, zum Beispiel auf Sportlehrer umzuschulen?

Nein. Ich bin Trainer, seit ich 18 Jahre alt bin, also seit 20 Jahren. Und seit 28 Jahren spiele ich Basketball. Da gibt man wegen einer Krise nicht einfach alles auf.