Charles Franzke: „Da bin ich konservativ“

Rudolstadt.  Der Rudolstädter Extremläufer Charles Franzke erlebt ein sportlich entspanntes Jahr.

Charles Franzke beim Lauf durch die Oberhofer Bobbahn beim bislang einzigen Rennen in diesem Jahr.

Charles Franzke beim Lauf durch die Oberhofer Bobbahn beim bislang einzigen Rennen in diesem Jahr.

Foto: Sascha Fromm

Charles Franzke hatte eine Menge vor in diesem Jahr – beruflich und sportlich. Beruflich läuft es, sportlich dagegen gar nicht. Bis jetzt absolvierte der Extremläufer, der in den vergangenen Jahren im In- und Ausland seine Handschrift hinterließ, gerade einmal einen Wettkampf in Deutschland. Wie man mit der wettkampflosen Zeit umgeht, wie groß seine Hoffnungen auf einen Lauf im Dezember in Rudolstadt sind und was er zum Fernseh-Auftritt seines Vaters bei der RTL-Show „Ninja Warriors Germany“ sagt, erfuhren wir bei einem Gespräch mit dem Rudolstädter.

Sie sitzen gerade im Fitnessstudio auf dem Fahrrad, trainieren eifrig. Ist Ihnen nach den vergangenen Monaten nicht die Motivation abhanden gekommen?

Nein, das nicht. Warum auch? Ich sage mir: „Was ich jetzt trainiere, davon habe ich im nächsten Jahr etwas.“ Es fällt mir also erstaunlicherweise nicht schwer, mich zu motivieren.

Wie verlief denn bislang ihr sportliches Jahr 2020?

Sagen wir es so: Entspannt. Ich habe nur trainiert, habe lediglich einen Wettkampf absolviert.

Das war im September in Oberhof. Und dort gewannen Sie auch. Hatten Sie einen Start dort überhaupt geplant?

Nein, ich habe mich da recht spontan entscheiden, eigentlich war der nicht im Plan. Aber wenn alle Läufe gestrichen werden, ausfallen, ist man froh, wenn dann also doch einmal ein Rennen stattfindet. Zudem war das finanzielle Risiko überschaubar.

Inwiefern?

Oberhof ist ja quasi „um die Ecke“, das Risiko war gut zu kalkulieren. Das war bei vielen der geplanten Rennen in diesem Jahr leider nicht wirklich möglich. Das Geld, was ich für Buchungen und Anmeldungen ausgegeben habe, ist teilweise weg. Und Gutscheine, die helfen mir da in der Masse auch nicht viel weiter.

Wie hat Ihnen die Premiere in Oberhof gefallen?

Es war schön, war mal etwas anderes. Und für mich als ehemaliger Biathlet war es einmal wieder schön, nach so vielen Jahren mal wieder die Sportstätten zu sehen und zu erleben.

Wie viele Rennen wollten Sie eigentlich 2020 absolvieren?

Im Kalender standen insgesamt 16. Und viele hatte ich auch schon gebucht.

Dazu gehört sicherlich auch „The Race“ in Rudolstadt. Nach heutigem Stand findet der Lauf statt. Da sind Sie doch sicher dabei?

Wenn Rudolstadt stattfindet, dann bin ich auf jeden Fall dabei. Aber ich plane die Teilnahme noch nicht, da kann noch zu viel dazwischen kommen. Ich bin da eher der konservative Planer (lacht).

Neben Rudolstadt sind mit dem Legend of Cross in Mühlberg und dem Braveheart Battle in Steinach zumindest zwei weitere Läufe in Thüringen geplant. Auch mit Ihnen?

Steinach ist bereits abgesagt, Mühlberg soll noch stattfinden. Aber auch dort werde ich mich erst kurzfristig anmelden. Die Situation ändert sich ja alle paar Tage.

Haben Sie in diesen Zeiten, wo man nicht weiß, welche Läufe überhaupt stattfinden, Ziele?

Ja, aber die sind langfristig: Ich will im Dezember kommenden Jahres an der Weltmeisterschaft in Abu Dhabi teilnehmen. Ich gehe mal davon aus, dass sich bis dahin wieder vieles normalisiert hat.

Ihr Vater war vor wenigen Tagen bei „Ninja Warriors Germany“ zu sehen. Großes Kino, oder?

Absolut. Es war mega, dass er sich das zugetraut hat. Ich habe da großen Respekt davor, gerade in seinem Alter.

Eifern Sie ihm bei der nächsten Staffel nach?

Nein, dass ist absolut nichts für mich, ist nicht meine Ecke. Für mich muss es schon ein bisschen mehr mit Laufen sein.