Der lange Weg für die Pionierinnen der Nordischen Kombination

Oberhof  Ein Dutzend Thüringerinnen betreibt Nordische Kombination. Maria Gerboth ist eine davon – und Pionierin ihres Sports.

Skispringen auf der Hans-Renner-Schanze im Kanzelersgrund. Im

Skispringen auf der Hans-Renner-Schanze im Kanzelersgrund. Im

Foto: Sascha Fromm/Archiv

Um eine Chance gegen Amerikanerin Tara Geraghty-Moats, die aktuell wohl beste Kombinierinnen der Welt, zu haben, müssen sich die deutschen Athletinnen strecken. Zuletzt haderte Maria Gerboth mit ihrer Leistung auf der Skisprungschanze. „Ich habe zu viele Meter liegen gelassen“, sagt sie rückblickend über ihre Wettkämpfe beim Sommer-Grand-Prix in Oberhof. Die 17-Jährige, die für den WSV Schmiedefeld startet, will mehr als einen achten Rang, wie beim Abschlusstag der diesjährigen Sommerserie der Frauen. „Und dazu ist sie auch in der Lage“, sagt ihr Coach Klaus Edelmann.

Er ist der leitende Disziplin-Trainer der Nordischen Kombinierinnen in Deutschland, kennt seine Sportlerinnen und damit auch Maria Gerboth genau. Zur Kombination kam sie durch ihre Mitschüler in der Grundschule. „Der Trainer hat sie immer abgeholt. Ich wollte irgendwann mit“, erinnert sie sich. Das war 2010. Seit der achten Klasse besucht sie das Sportgymnasium in Oberhof, in zwei Jahren will sie ihr Abitur ablegen. Zu ihren Vorbildern zählt Maria Gerboth Co-Bundestrainer Ronny Ackermann und Team-Weltmeister Tino Edelmann, aber auch Olympiasieger Eric Frenzel, mit dem sie kürzlich im Mixed-Team startete. „Er hat so viel gewonnen und ist trotzdem bodenständig geblieben. Ein cooler Typ“, sagt sie.

Tara Geraghty-Moats siegte in Oberhof mit 31 Sekunden Vorsprung

Die Kombiniererinnen führt derweil die Amerikanerin Tara Geraghty-Moats an. Sie siegte in Oberhof mit 31 Sekunden Vorsprung, wurde beim zweiten Wettkampf indes wegen eines zu großen Anzugs disqualifiziert. „Sie ist aktuell das Nonplusultra. Aber sie ist auch deutlich älter und hat mehr Erfahrungen gesammelt“, sagt Klaus Edelmann.

Auch wenn die Amerikanerin derzeit unschlagbar scheint: Edelmanns Ziel ist es, seine Sportlerinnen an sie heranzuführen. Und Maria Gerboth ist auf dem richtigen Weg dahin. „Sie kam aus dem Nichts, war in keinem Kader. Aber seit dem Alpencup in Predazzo vor einem Jahr hat sie einen deutlichen Leistungssprung gemacht“, sagt ihr Trainer. Über weitere gute Platzierungen im Alpencup qualifizierte sich die Thüringerin für den Continentalcup, die zum heutigen Zeitpunkt höchste Liga der Frauen in der Nordischen Kombination. Sie schloss die Saison auf Platz fünf der Gesamtwertung ab und verpasste bei der Junioren-Weltmeisterschaft nur knapp eine historische Medaille.

Nationalmannschaft ab kommendem Jahr

So rasant wie die Karriere von Maria Gerboth verläuft auch die Entwicklung der Nordischen Kombination der Frauen. „Sie ist nicht mehr aufzuhalten“, sagt Klaus Edelmann. Viel Arbeit gibt es dennoch.

Aktuell fehlt für die Sportlerinnen ein eigenes Kadersystem, noch sind sie den Spezialskispringerinnen zugeordnet. Änderungen sind für das kommende Jahr geplant. Ab 2020 soll es eine Nationalmannschaft geben. „Das ist notwendig, um Fördermöglichkeiten für zum Beispiel das Material auszuschöpfen“, erklärt Klaus Edelmann.

In Thüringen betreiben zwölf Mädchen die Sportart

Mit Maria Gerboth, aber auch mit Emilia Görlich und Cindy Haasch, hat er drei Zugpferde in Thüringen. Im Freistaat betreiben zwölf Mädchen die Sportart, die den Sprunglauf und den Langlauf vereint und damit Schnellkraft auf der Schanze und Ausdauer auf Skiern beziehungsweise Skirollern im Sommer verlangt. In Deutschland sind es ungefähr 50 Mädchen.

Weil die Kombination bisher die letzte Bastion der Männer im nordischen Skisport war, dürfen sie als Pionierinnen ihrer Sportart bezeichnet werden. Sie sind es, die die Entwicklung maßgeblich vorantreiben. „Und im Vergleich zu den Skispringerinnen geht es schneller“, sagt auch Klaus Edelmann.

Sommer-Grand-Prix in Oberhof: Wissen, wo der Hammer hängt

In der kommenden Saison werden die besten Kombinierinnen noch einmal im Continentalcup starten, ab der Saison 2020/21 ist ein Weltcup geplant. Auch im Programm der Nordischen Ski-WM 2021 in Oberstdorf sind die Damen fest verankert. Zu den Wettkämpfen im Allgäu will es auch Maria Gerboth schaffen, obwohl im gleichen Jahr Abiturstress auf sie wartet. Die Olympischen Winterspiele sind ein großer Traum. Aktuell ist die Kombination der Frauen noch kein Bestandteil der nächsten Olympischen Spiele 2022 in Peking. Eine Hintertür bleibt offen: Als Gastgeberland will China einen Antrag beim Internationalen Olympischen Komitee stellen, sie ins Programm aufzunehmen.

Maria Gerboths Konzentration gilt derweil der Vorbereitung auf die Wintersaison. Aktuell trainiert sie in Oberhof, in wenigen Tagen fährt sie zum Alpencup nach Predazzo. Stationen wie diese sollen sie fit machen für die nächsten Höhepunkte, zu denen die Junioren-WM in Oberwie­senthal im kommenden Jahr zählt. Klaus Edelmann will dort mit drei Thüringerinnen an den Start gehen. Und hat eine klare Marschroute: „Eine Medaille im Einzel und eine im Mixed-Team. Das traue ich ihnen zu.“

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