Der Schmied vom Aubachtal

Greiz.  Unsere Stimmen: Frank Böttger hat rund ums Ringen alles gemacht, seit der Wende ist er auch Sprecher bei den Heimkämpfen des RSV Rotation Greiz

Frank Böttger an seinem Platz am Sprechertisch während eines Bundesligakampfes.

Frank Böttger an seinem Platz am Sprechertisch während eines Bundesligakampfes.

Foto: Rainer Marsch

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Licht aus – Spot an. „7. Dezember! Ringen! Bundesliga!“ Frank Böttger macht seine Ansage, seit Jahren schon, ein Kult. Und dabei wäre es ihm eigentlich nicht in den Sinn gekommen, Hallensprecher zu werden.

Doch als Rudi Thümmler, der das vor ihm über Jahre gemacht hatte, einmal ausfiel, da hieß es: „Komm Schmied, du machst das.“ Hat er, gut hat er es gemacht, vom Bammel von einst, etwas falsch zu sagen, ist nichts mehr geblieben. Gelassen, sich nicht allzu ernst nehmend, führt er durch die Kampfabende. Traten vor der Wende noch Müller, Lehmann, Schulze auf die Matte, muss der 59-Jährige nun manch Zungenbrecher ansagen.

Bundesligaringen ist international, vier Gästeringer dürfen aufgeboten werden. „Ich sterb‘ da nicht an Herzdrücken“, sagt er und erkundigt sich vor dem Kampf bei den Ringern aus der Türkei, Georgien, Griechenland oder Ungarn, wie ihr Name korrekt ausgesprochen wird. Dann zieht er sich schon mal zurück und paukt den Namen, bis er sitzt. „Und wenn nicht, dann ist es passiert. Beschwert hat sich noch keiner“, sagt er und lacht.

So ist er der Schmied, eine Frohnatur, ein Schlitzohr. Ringen ist in Greiz angesagt. Doch erst mit 13 stellte sich Frank Böttger bei den Ringern vor. Wegen seiner rustikalen Kampfweise bekam er schon bald seinen Spitznamen verpasst. „Du haust ja drauf wie ein Schmied“, hieß es. Frank Böttger blieb bei den Ringern, war Übungsleiter, Kampfrichter, Zeitnehmer, Vorstandsmitglied und über Jahre der Schwergewichtler bei der BSG Rotation Greiz. Die Ligakämpfe hat er nicht protokolliert, wo und wie die Ringer gefeiert haben, das hat er schon eher parat.

„Ich war kein großer Ringer. Aber ich war ehrgeizig – und wenn es was zu gewinnen gab, dann hab ich zugeschlagen.“ So wie bei den DDR-Meisterschaften Mitte der 80er Jahre in Jena. Da kam er auf Platz vier– und das auf Schmied’sche Art. Es hatte sich herumgesprochen, dass der spätere Weltmeister Andreas Schröder vom SC Motor Jena ins Superschwergewicht aufsteigt und viele gingen ihm aus dem Weg. Nicht Böttger. Er futterte und trank sich drei Kilo an, um über die geforderten 100 Kilogramm Körpergewicht zu kommen und erkämpfte sich im „ausgedünnten“ Superschwergewicht fast eine Medaille.

Bis zur Wende kämpfte er für den RSV Rotation Greiz, hat seither viele Kommen und Gehen gesehen. Und wenn er an die Auswärtskämpfe in der Bundesligazeit bis 2003 denkt, da könnte er sich die wenigen Haare raufen. „Ich war so was wie der Reiseleiter“, sagt er und schmunzelt. Seine Aufgabe war es, dass alle wieder mit zurück kamen und dass der Bus zur vertraglich vereinbarten Zeit wieder in Greiz war. „Einen Sack Flöhe hüten, ist da ein Kinderspiel.“

Einmal beging er den Fehler, auf der Rückfahrt aus dem Ruhrpott in einem griechischen Restaurant Rast zu machen. „Wir hatten damals zwei Griechen in der Mannschaft und die haben in der Küche in die Töpfe geschaut, dem Koch erklärt, wie er kochen muss und am Ende Sirtaki getanzt.“ Reiseleiter ist er nicht mehr, den Ringern ist er natürlich verbunden geblieben. „Ringen ist für mich die schönste Nebensache der Welt“, sagt er und findet es schade, dass es die Derbys mit Jena gar nicht mehr gibt. Die Saalestädter bringen keine Mannschaft mehr zusammen.

Gern erinnert sich Frank Böttger an den ersten Ligasieg seiner Greizer gegen das ehemals übermächtige Jena. Schon ein paar Jahre her. Diese Saison mache es besonders Spaß, die Greizer Bundesligakämpfe zu beobachten. „Wir haben eine starke Mannschaft, die zusammenhält.“

Wie alle anderen im Ringerverein auch, kümmert sich Frank Böttger im Ehrenamt ums „Ringe“, wie es in Greiz heißt. Der Geschäftsführer der Greizer Gemeinnützige Wohnungsgesellschaft mbH steht dem Verwaltungsrat des Ringervereins vor, pflegt den Kontakt zu den Sponsoren – und ist der Hallensprecher. Eine Ende ist nicht abzusehen, er hat seinen Spaß dran gefunden und es würde auch was fehlen, würde es nicht durch die Halle schallen: „7. Dezember! Bundesliga! Ringen!“

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