Der THC ist im EHF-Cup auf den Geschmack gekommen

Erfurt.  Ohne Druck sind die THC-Handballerinnen zum letzten Gruppenspiel nach Kastamonu gereist. Sie wollen die Hauptrunde am Samstag makellos beenden. Der Blick geht darüber hinaus.

Bollwerk: Im Hinspiel machte es das Team von Kastamonu den THC-Spielerinnen um Emily Bölk (hinten) und Meike Schmelzer zuweilen sehr schwer, eine Lücke zu finden.

Bollwerk: Im Hinspiel machte es das Team von Kastamonu den THC-Spielerinnen um Emily Bölk (hinten) und Meike Schmelzer zuweilen sehr schwer, eine Lücke zu finden.

Foto: Christoph Keil

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Die Stadt im Norden der Türkei gilt als Wiege des Döner Kebap. Ein Koch namens Hamdi soll in Kastamonu im 19. Jahrhundert erstmals geschichtetes Fleisch an einem senkrecht stehenden Spieß gegrillt haben. Nach dem Nationalgericht steht den THC-Handballerinnen aber nicht gerade der Sinn, wenn sie am Samstag in der 120.000-Einwohner-Stadt an der Schwarzmeerküste antreten. Sie sind auf einen ganz anderen Geschmack gekommen.

Fünf Spiele, fünf Siege: Trainer Herbert Müller macht keinen Hehl daraus, dass die Gruppe 1 in dieser Form eine Wunschgruppe für ihn darstellt. Gewinnen aber wollen die fünf Spiele auch erst einmal, selbst wenn die Konkurrenten nicht die ganz großen Namen bedeuten. Spiele gerade gegen Teams wie Kastamonu fallen darunter. Der türkische Meister von 2017 und 2019 hat vollmundig ankündigt, Europas Handball-Bühne erobern zu wollen.

Die ersehnte Champions League ist noch weit entfernt. Immerhin aber hat die Mannschaft von Trainer Okan Halay das Viertelfinale erreicht – und den Thüringer HC im Hinspiel stark gefordert. Mit einem hart erkämpften 27:24 (16:12) schuf der deutsche Vizemeister die Basis, um nun gelassen ins Rückspiel gehen zu können.

Zwei-Jahresvertrag für Eidgenössin

Die perfekte Ausgangssituation als feststehender Erster bedeutet für Herbert Müller jedoch alles andere, als sich darauf ausruhen zu können. Der Trainer des zunächst auf Platz vier in der Meisterschaft abgerutschten THC schaut auf die EHF-Cup-Auslosung Ende der kommenden Woche, auf den nächsten Bundesliga-Gegner Mainz am Mittwoch in sechs Tagen. Und er schaut auf die neue Saison.

Das Bild des THC für das Spieljahr 2020/2021 kommt weiter Kontur. Nach Nina Neidhart (Linksaußen) und Anouk Nieuwenweg (Rückraum rechts) haben die Thüringer mit Kerstin Kündig einen weiteren Zugang zu verzeichnen. Die Rückraum-mitte-Spielerin, die seit 2013 beim LC Brühl in St. Gallen spielt, verlässt erstmals Schweizer Vereinsboden und wechselt im Sommer zum Thüringer HC. „Sie wird sicher viel Spaß machen“,

sagt Herbert Müller. Er ist froh, die von mehreren Vereinen umworbene 26-Jährige gewonnen zu haben. Die junge Frau aus Hittnau im Kanton Zürich gilt als Beste auf ihrer Position in der Schweiz und fand laut Müller sofort Gefallen an der Thüringer Landeshauptstadt. Zwei Jahre läuft ihr Vertrag.

Kastamonu wird zur Schaubühne

Damit steht die Mannschaft für die kommende Saison etwa zu zwei Dritteln. Die Personalplanungen aber gehen weiter, weshalb die beiden THC-Trainer den Vergleich in Kastamonu auch als Schaubühne betrachten, auf der Spielerinnen mit bisher geringeren Einsatzzeiten auffallen dürfen und sollen.

Mikaela Mässing etwa nutzte zuletzt beim 40:24 (18:8) gegen Most ihre Wurfhöhe. Die groß gewachsene Schwedin empfahl sich nach ihrer Verletzungspause über den Jahreswechsel mit vier Toren aus fünf Versuchen. In guter Verfassung ist eine wertvolle Stütze nötig für den zuletzt personell gebeutelten THC, der vor allem international weiter einen tiefen Fußabdruck hinterlassen möchte.

In der nächsten Runde geht es gegen einen Zweiten der Gruppen B bis D. Nach aktuellem Stand kämen Siófok und Koprivnica als punktgleiche Erste der Gruppe B in Frage. Der CS Gloria Bistrita-Nasaud (Rumänien) liegt hinter dem sicheren Ersten Odense in der Staffel B an zweiter Stelle, könnte aber noch von Érd (Ungarn) verdrängt werden. Von Herning-Ikast (Dänemark), über das Team aus Hamar (Norwegen) bis hin zu Toljatti (Russland) reicht die Palette der möglichen THC-Gegner.

Appetit auf mehr haben die THC-Frauen längst.

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