Black Dragons-Fans: „Die Personalpolitik hat nicht funktioniert“

Erfurt.  Am Rande der 2:4-Niederlage der Black Dragons gegen die Hannover Indians sprachen wir mit Erfurter Fans über die enttäuschende Saison ihres Teams.

Kritik an den Transfers: Personell hatten die Verantwortlichen des EHC Erfurt aus Sicht vieler Fans vor und in dieser Saison nicht das glücklichste Händchen. Auch die Torhüterposition zählt dazu, wo der zu den Hannover Indians gewechselte Philip Lehr (rechts) nicht adäquat ersetzt wurde.

Kritik an den Transfers: Personell hatten die Verantwortlichen des EHC Erfurt aus Sicht vieler Fans vor und in dieser Saison nicht das glücklichste Händchen. Auch die Torhüterposition zählt dazu, wo der zu den Hannover Indians gewechselte Philip Lehr (rechts) nicht adäquat ersetzt wurde.

Foto: Lars Wannemacher

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Mit der 3:6-Niederlage am Freitagabend in Essen war allen Fans klar: Ihre Black Dragons werden das Ziel Pre-Playoffs in der Eishockey-Oberliga Nord diesmal verpassen. Trotz der Enttäuschung kamen am Sonntag zum Heimspiel gegen die Hannover Indians 815 Zuschauer in die Kartoffelhalle – deutlich mehr als im Schnitt. Wir hörten uns bei den Drachenfans um, wie sie die Saison ihres Teams gesehen haben und was sich ihrer Meinung nach ändern muss.
Lutz Bischoff (63), Drachenfan seit der Wende: „Ich hatte wie viele Fans große Erwartungen an die Saison. Doch die Mannschaft war nicht konstant genug, auf ein kurzes Hoch folgte meist ein langes Tief. Vorn waren wir nicht durchschlagskräftig genug, hinten zu schwach. Nach meinem Empfinden ist die Distanz der Mannschaft zu den Fans größer geworden, das ist schade. Ich wünsche mir, dass das wieder zusammenrückt, und ich wünsche mir wie alle eine neue oder zumindest erneuerte Halle. Ich hoffe, das Interesse der Stadt daran wird endlich größer. Sehr gut finde ich, wie der Verein den Nachwuchs einbindet, das macht niemand in der Liga so gut wie der EHC.“
Rainer Jarmuschek (70), Drachenfan seit 1993 und Vertrauter der ehemaligen Spieler um Werner Belitz: „Ich finde es ein bisschen schade, dass die verdienten Spieler von einst inzwischen vom Verein nicht mehr so beachtet werden. Sie sind eine Gemeinschaft, die mit Herzblut am Verein hängt. Sportlich war die Saison enttäuschend, viele Spieler, die als Leistungsträger geholt wurden oder schon da waren, haben ihre Leistung nicht gebracht. Von einem Jakub Körner habe ich nicht ein gutes Spiel gesehen. Milan Kostourek war offensiv genial, es war ein Fehler, ihn in der heißen Phase abzugeben. Die Jungs aus dem Nachwuchs gefallen mir. Überhaupt nicht gefällt mir unser Überzahlspiel, das ist katastrophal. Trainer Fred Carroll muss da bessere Lösungen finden, und er sollte sich auch im Umfeld des Vereins mehr zeigen.“
Tim Hünniger (27), Drachenfan seit 15 Jahren und Hobbyspieler bei den Hurricanes: „Die Personalpolitik hat nicht funktioniert, weder bei den Verlängerungen noch bei den Neuverpflichtungen. Chase Clayton ist schwächer als sein Vorgänger Milan Kostourek, Sean Fischer ist ein Topspieler, hat aber niemanden auf seinem Niveau, mit dem er zusammenspielen kann. Mit den begrenzten finanziellen Mitteln ist es aber auch schwer, ambitionierte Spieler nach Erfurt zu holen. Man hat manchmal den Eindruck, dass es zwischen dem Trainer und der Mannschaft nicht hundertprozentig stimmt.“
Anja Wilkens (56), Drachenfan seit fünf Jahren mit Kostourek-Trikot:
„Schade, dass sie Kostourek abgegeben haben, er war ein super Spieler. In vielen Spielen gab es gute Ansätze, aber vieles sah unkoordiniert aus. Das ist auch eine Trainerfrage. Allgemein wird gemunkelt, dass die Kommunikation im Verein schlechter geworden ist.“
Doreen (39) und Marlon Junghanß (45), Drachenfans seit vier Jahren:
„Es gab riesige Schwankungen. Mal haben sie gespielt wie Götter, mal waren sie nicht wiederzuerkennen. Gut fanden wir, dass die Spieler auch nach schlechten Spielen den Fans meist Rede und Antwort gestanden haben.“
Andreas Hofmann (51), Drachenfan seit Mitte der Neunziger: „Die anderen Vereine haben finanziell mehr Möglichkeiten, das macht sich jedes Jahr aufs Neue bemerkbar. Wir brauchen dringend den Umbau der Halle, ich kenne viele, die kommen würden, wenn es Sitzplätze gäbe.“
Torsten Nordwig (45) und Maik Rübesam (38), Drachenfans aus dem Trommlerblock und neben den Heimspielen auch oft auswärts dabei:
„Einerseits sind wir enttäuscht, dass das Saisonziel nicht erreicht wurde und sich die Mannschaft nicht immer so zerrissen hat, wie es möglich und nötig war. Andererseits waren die Leistungen oftmals besser als die Ergebnisse. In den letzten Jahren hatten wir halt das Glück, durch Insolvenzen anderer Teams in die Pre-Playoffs gerutscht zu sein. Wir sind froh, dass unser Verein schwarze Zahlen schreibt und nur die Mittel verwendet, die ihm zur Verfügung stehen. Lieber kleinere Brötchen backen, auch wenn man damit nicht oben mitspielt. Bei den Finanzen macht der Vorstand einen sehr guten Job. Was verbesserungswürdig ist, ist die Einbindung der Fans. Wir fühlen uns nicht mehr so wahrgenommen wie in der Vergangenheit, auch wenn wir diesbezüglich im Vergleich zu anderen Vereinen verwöhnt waren. Das muss wieder besser werden, auch was die Zahl der Auswärtsfahrten betrifft.“

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