Drachenstürmer Clayton: Fast wie daheim in West-Kanada

Erfurt.  Chase Clayton, neuer Stürmer des Eishockey-Oberligisten Black Dragons Erfurt, und sein bewegtes erstes Jahr in Deutschland.

Wacher Blick voller Tatendrang: Chase Clayton hat mit den Black Dragons noch sieben Spiele Zeit, um die Pre-Playoffs zu erreichen.

Wacher Blick voller Tatendrang: Chase Clayton hat mit den Black Dragons noch sieben Spiele Zeit, um die Pre-Playoffs zu erreichen.

Foto: Jakob Maschke

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Im Sommer 2018 war Chase Clayton gerade damit beschäftigt, den Heiratsantrag für seine Tegan vorzubereiten. Er hatte sie, natürlich, beim Eishockey kennengelernt, seiner großen Leidenschaft, seit er denken kann. Aufs Knie ging er am Strand von Tofino an der malerischen kanadischen Westküste, wo die beiden gern surfen gehen. An Deutschland war da noch nicht zu denken, Luft und Liebe waren das, was zählt.

Ein Jahr später sah das schon anders aus. Gerade hatte Clayton, ein 25-jähriger Kanadier aus Abbotsford, British Columbia, in der 70 Kilometer östlich seiner Heimatstadt gelegenen Metropole Vancouver sein Masterstudium in Finanzen beendet. Frisch verheiratet musste er nun entscheiden, womit er künftig seine Dollar verdienen würde. Wenn es nach ihm ginge, mit Eishockey. Doch in der Heimat, wo es Nationalsport ist, war unklar, ob er das bei der Vielzahl an Talenten, die dasselbe wollen, schaffen würde. „Aber ich wollte den Traum, Profi zu werden, noch nicht aufgeben“, sagt Clayton.

Dass seine Karriere schließlich in Deutschland weitergehen sollte, hat er dem Umstand zu verdanken, dass er an seiner Uni, der University of British Columbia, von einer echten deutschen Eishockey-Größe trainiert wurde. Sven Butenschön war als deutscher Verteidiger mit kanadischen Wurzeln einst viele Jahre in der besten Liga der Welt, der NHL, und der deutschen DEL aktiv. Seit 2016 hat er an der Uni in Vancouver das sportliche Sagen und Clayton unter seinen Fittichen. „Seine Kontakte haben es mir ermöglicht, nach Deutschland zu kommen“, ist Clayton seinem Ex-Trainer dankbar.

Clayton über seinen Start in Erfurt: „Wie ein Reset-Knopf für mich“

Clayton, zum ersten Mal in Deutschland, begann die Saison 2019/20 bei den Blue Devils Weiden in der Oberliga Süd. In Bayern gefiel es ihm gut, es erinnerte ihn an die Heimat. „Da, wo ich herkomme, gibt es ja auch viel Landwirtschaft, Berge, Wald und eine große Stadt in der Nähe“, fühlte er sich in der oberpfälzischen Provinz, in der Peripherie von München und den Alpen, gut aufgehoben. Sportlich lief es jedoch nicht so richtig rund. Das Team blieb lange unter den Erwartungen, auch Clayton punktete nicht so, wie man es von einem Importspieler erwartete. Auf den letzten Drücker schaffte es Weiden in die Playoffs, für Clayton war fortan jedoch kein Platz mehr im Team.

„Ich bin dankbar, dass dann der Anruf von Christian Grosch kam“, so Clayton über den ersten Kontakt zu den Black Dragons. Nach weiteren Gesprächen mit Drachencoach Fred Carroll folgte die schnelle Einigung, mitten in der Saison ging es für den Kanadier weiter nach Thüringen in die Oberliga Nord.

Dass er hier, als Nachfolger des defensiv für zu schwach befundenen tschechischen Toptorschützen Milan Kostourek, die Erfurter noch in die Pre-Playoffs führen soll, sei natürlich schon ein gewisser Druck. „Aber letztlich müssen wir uns auf das konzentrieren, was wir beeinflussen können: unsere Leistung zu bringen und Spiele zu gewinnen.“

Der Wechsel nach Erfurt sei ihm leicht gefallen. Schließlich hatte seine Frau just im Januar, vier Tage nach der Unterschrift beim EHC, ihr Studium in Dentalhygiene beendet und konnte zu ihm nach Deutschland kommen. Seitdem wohnen sie zusammen in einer kleinen Wohnung in Klettbach. Nach Fitness und Laufen am Morgen fahren die beiden fast jeden Tag zusammen nach Erfurt, um die Altstadt zu erkunden und Restaurants mit deutschen Spezialitäten auszuprobieren. „Oftmals auch zusammen mit Teamkollegen und deren Partnerinnen. Alle sind sehr nett, es ist schön, privat was zusammen zu unternehmen“, freut sich Clayton über die gute Atmosphäre in seiner neuen Mannschaft. „Es gefällt mir sehr gut hier in Erfurt. Das war wie ein Reset-Knopf für mich, ich habe wieder Selbstvertrauen. Jetzt wollen wir die Pre-Playoffs schaffen.“

Das wird nach den Ergebnissen des letzten Wochenendes schwer genug. Da gewannen die direkten Konkurrenten Essen und Rostock beide ihre Spiele und vergrößerten den Vorsprung auf die Erfurter, deren Heimspiel gegen Krefeld Sturm Sabine zum Opfer fiel. Drei Punkte heute Abend (20 Uhr) im Heimspiel gegen Rostock sind Pflicht, Zählbares beim Tabellenzweiten Herne am Sonntag wären die Kür.

Chase Clayton, der schnelle Skater aus British Columbia, ist voller Tatendrang.

Black Dragons Erfurt – Rostock Piranhas, Freitag, 20 Uhr. Herner EV – Black Dragons, Sonntag, 18.30 Uhr.

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