Ein fast perfekter Abend - Black Dragons mit viertem Heimsieg in Folge

Erfurt.  Die TecArt Black Dragons sind in der Eishockey-Oberliga Nord weiter auf dem Vormarsch. Sie feierten im umkämpften Kellerduell gegen Schlusslicht Krefeld mit 5:4 den vierten Heimsieg in Folge.

Freudiges Wiedersehen: Elmar Schmitz (rechts) trainierte Drachenstürmer Reto Schüpping einst im Krefelder Nachwuchs. Schüpping war gestern Abend einer der Matchwinner beim Sieg gegen das Schmitz-Team.

Freudiges Wiedersehen: Elmar Schmitz (rechts) trainierte Drachenstürmer Reto Schüpping einst im Krefelder Nachwuchs. Schüpping war gestern Abend einer der Matchwinner beim Sieg gegen das Schmitz-Team.

Foto: Lars Wannemacher

Elf Jahre ist es her, als die Eishockey-Karriere von Reto Schüpping seinen Anfang nahm. Geboren in Willich südlich von Krefeld, war er gerade 13, als er zum ersten Mal in der Schüler-Bundesliga für den Krefelder EV 1981 auflief. Jenen Verein, der Freitagabend, zum ersten Mal überhaupt, an Schüppings neuem „Arbeitsplatz“ zu Gast war. Das Duell des Vorletzten TecArt Black Dragons mit dem Aufsteiger und Schlusslicht Krefeld in der Eishockey-Oberliga Nord war für den 24-jährigen Drachenstürmer ein besonderes, wie schon das erste Aufeinandertreffen, das die Erfurter auswärts mit 5:3 gewonnen hatten.

„Ich bin schon die ganze Woche heiß und noch motivierter als sonst“, sagte Schüpping vor dem Duell mit seinem Verein aus Kindertagen. „In der neuen Heimat gegen die alte Heimat zu gewinnen, wäre was ganz Besonderes – und ein eigenes Tor natürlich mega.“

Mega war dann auch der Auftakt aus Sicht der Drachen: Gerade 26 Sekunden waren gespielt, als Kostourek mit wuchtigem Abschluss das Unternehmen vierter Heimsieg in Folge erfolgreich startete. Die Fans in der nach den jüngsten Erfolgen wieder besser gefüllten Kartoffelhalle (634 Zuschauer) sangen selig: „Der EHC ist wieder da!“ Die Erfurter sprühten im zum „Sechs-Punkte-Spiel“ ausgerufenen Kellerduell gegen das Schlusslicht zu Beginn vor Spielwitz, woran auch Schüpping mit klugen Pässen seinen Anteil hatte. Bisweilen war der Offensivdrang der Drachen aber etwas zu überschwänglich. Das nutzten die Krefelder zu einigen gefährlichen Kontern, bei denen sie jedoch im Torabschluss ihrer Tabellenposition gerecht wurden.

Was sich aber beim Fast-Treffer der Gäste mit Ablauf des ersten Drittels andeutete, wurde nach 54 Sekunden im zweiten Abschnitt Gewissheit. Nachdem Krefeld erfolgreich nachsetzte, lagen Torhüter Roßberg, zwei Verteidiger und auch der Puck im Tor – 1:1 (21.). Die Black Dragons wirkten kurz geschockt, brauchten aber nur gut vier Minuten, um zu antworten. Wie beim Krefelder Ausgleich war es eher ein Treffer Marke Willenskraft als Akrobat Schön. Einem war es sowas von egal: Reto Schüpping, der sich als Torschütze feiern ließ und sich somit seinen Wunsch vom Treffer gegen den Heimatverein erfüllte.

Eine Sequenz in der 29. Spielminute bot sich dann dafür an, die vorentscheidende des Spiels zu sein: Erst scheiterte der allein aufs Erfurter Tor zulaufende Onckels am schon gegen Tilburg bärenstarken Goalie Roßberg, Sekunden später wuchtete Denner einen Abpraller nach Fernschuss zum 3:1 ins Tor.

Doch die Freude währte nicht lange. Erst erhielt der bis dato sehr gute Fischer nach bösem wie völlig sinnlosem Foul eine berechtigte Spieldauerstrafe (31.), dann gelang Jamieson per Schlagschuss der 3:2-Anschluss (32.). Als dann auch noch Bappert mit herrlichem Knaller von der blauen Linie zum 3:3 traf (38.), hatten die in dieser Phase besseren Westfalen das Comeback geschafft. Aber im offenen Schlagabtausch des Mitteldrittels hatte Erfurt das letzte Wort: Toivanen, der vorgestern erst einen Vertrag bis Saisonende beim EHC erhielt (siehe Infokasten), nahm die Scheibe aus der Luft und bugsierte sie zum 4:3 ins Krefelder Tor (39.).

Mit viel Tempo und Offensivdrang ging es im letzten Drittel weiter. Die Drachen suchten die Entscheidung und hatten diese in Person von Herrschaft und Kämmerer auf dem Schläger. Doch auch die Krefelder witterten ihre Chance, das Spiel noch zu drehen und bis auf drei Punkte an die Erfurter heranzurücken. Wieder war es Jamieson, der nach schönem Spielzug das 4:4 besorgte (48.). Eine Minute später scheiterten Kostourek und Schüpping mit zwei Topchancen am klasse reagierenden Staudt.

Als die „Alten“ so langsam mit den Kräften am Ende waren, richtete es ein Junger: Denner schaltete vor dem Tor am schnellsten und lochte die Scheibe mit der Rückhand zum 5:4 ein (54.).

Dann hatte Krefeld auch noch zu viele Spieler auf dem Eis und musste drei Minuten vor Schluss in Unterzahl spielen. Das sollte es gewesen sein, dachten alle. Aber Krefeld war auch in Unterzahl brandgefährlich und setzte alles auf eine Karte. So war es ein einziges Zittern in schwarz, ehe die Sirene ertönte.

Für Reto Schüpping wurde es so der perfekte Tag: Sein Team gewann nicht nur das vierte Heimspiel in Folge und schaffte den Anschluss ans Tabellenmittelfeld. Als persönliche Krönung wurde Schüpping auch noch zu Erfurts MVP gekürt.

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