„Ein paar Tränen sind geflossen“

Isseroda  Interview der Woche mit Fußballtrainer Tobias Wagner, der freiwillig seinen Stuhl beim Isserodaer SV räumt

Der Moment, als Tobias Wagner mit den Kickern des Isserodaer SV in die 1. Kreisklasse aufstieg, wo man die letzten beiden Spielzeiten erfolgreich mitspielte.

Der Moment, als Tobias Wagner mit den Kickern des Isserodaer SV in die 1. Kreisklasse aufstieg, wo man die letzten beiden Spielzeiten erfolgreich mitspielte.

Foto: Silvio Schulze

Tobias Wagner entschied sich vor 13 Jahren, die Laufbahn eines Fußballtrainers einzuschlagen. Damals noch als Aktiver Kicker beim SV Gaberndorf übernahm er den Job bei einem Nachwuchsteam, die letzten Jahre schaffte er mit den Männern des Isserodaer SV den Aufstieg in die 1. Kreisklasse. Nun nimmt er Abschied vom Trainerjob, zumindest vorerst. Wir sprachen mit ihm über die Gründe, seinen größten Erfolg und warum er nicht zu den Profis ging.

Herr Wagner, Sie sind ja erst 34 Jahre alt, machen am kommenden Wochenende ihr letztes Spiel als Trainer in Isseroda. Warum?

Bei mir ist einfach die Luft raus, der Akku leer. Ich brauche erst mal eine Pause. Wie lange die dauern wird, ist noch nicht klar. Ich habe mich im Laufe der Saison immer weniger auf die Spiele gefreut und einfach gemerkt, dass irgendwas nicht stimm. Hinzu kommt meine Nebentätigkeit als Fotograf und Videograf, wo ich sehr erfolgreich bin und um die ganze Welt reise. Das ist aber nicht der Hauptgrund.

Die Mannschaft, der Verein haben das gut aufgenommen?

Dem Vorstand habe ich meinen Schritt im Februar mitgeteilt, seit dem sprach es sich rum. Das war nicht ganz mein Wunsch, aber so ist es nun mal. Alle Beteiligten waren ziemlich geschockt. Gerade in der Mannschaft gibt es ja Spieler, die zum Beispiel nur mich als Trainer hatten. Für die ist es schwer. Ich habe außerdem viele Freundschaften geschlossen. Da tut so ein Abschied, den ich mir nicht leicht gemacht habe, natürlich weh. Allerdings habe ich so viele Nachrichten von allen Seiten bekommen, auch teilweise sehr lang und emotional. Da, muss ich zugeben, sind auch ein paar Tränen geflossen.

Auch andere Vereine haben sich gemeldet?

Ja das hat mich ein wenig überrascht. Es ist natürlich ein Kompliment für mich, dass sie mich haben wollen, aber meine Entscheidung steht fest. Ich brauche einfach eine Fußballpause.

Wie sind Sie so jung eigentlich zum Trainer geworden?

Da gilt mein Dank Michael Kögler, der mich fragte, ob ich mit ihm zusammen nicht eine Nachwuchsmannschaft trainieren möchte. Ich war ja selbst noch Stürmer bei der Gaberndorfer Männermannschaft, zudem Pädagoge und habe den Schritt nie bereut. Einige Akteure von damals spielen heute bei Isserodas Männern. Da danke ich auch Tino Bamfaste, dem Präsidenten des Isserodaer SV, der mir vor einigen Jahren freie Hand und das Männerteam aufbauen ließ.

Was war denn Ihr schönster Moment?

Sportlich gesehen natürlich der Aufstieg in die 1. Kreisklasse. Für mich persönlich eigentlich die Trainerlizenz. Aber generell bin ich zufrieden, wie die letzten Jahre gelaufen sind. Wir haben im Verein etwas sehr schönes aufgebaut, was hoffentlich auch weitergeführt wird.

Ihr Nachfolger steht schon fest. Es wird Marcel Radecker, der vom FC Einheit Bad Berka kommt. Hatten Sie schon Kontakt zu ihm?

Ja ganz kurz. Ich habe ihm viel Erfolg gewünscht und hoffe, dass die Jungs gut mit ihm klar kommen. Fachlich hat er auf jeden Fall die nötige Erfahrung.

Stimmt es eigentlich, dass Sie vor einiger Zeit sogar in den Profifußball hätten wechseln können?

Ja, ich hatte vor vier Jahren Angebote aus Jena, Erfurt und Leipzig. Nachdem ich in Darmstadt hospitieren durfte, wusste ich aber schnell, dass diese Welt nichts für mich ist. Trotzdem war es natürlich eine Ehre, dass solche Vereine über mich nachgedacht haben.

Ihren Nebenjob, hauptberuflich arbeiten sie ja in der Kindertagesstätte Benjamin Blümchen in Weimar, haben sie erwähnt. Da läuft es sehr gut oder?

Ich bekomme so viele Anfragen, dass ich Aufträge ablehne und mir die Jobs aussuchen kann. Das ist super. Gerade über Instagram läuft so vieles, da kann ich mich echt nicht beschweren.

Noch irgendwelche abschließenden Worte?

Ja. Ich möchte auch Fred Geyer danken, der im Männerbereich mein Assistent war. Nicht, dass es am Ende heißt, ich hätte alles selbst gemacht.(lacht)

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