„Ein Waldwunderland“: FFV-Fußballerin Kimberly Albeño im Interview

Erfurt  Interview der Woche: FFV-Fußballerin Kimberly Albeño über Deutschland, Erfurt und Länderspiele für Guatemala.

Kimberly Albeno (links) bestritt am Sonntag ihr erstes Pflichtspiel für den 1. FFV Erfurt.

Kimberly Albeno (links) bestritt am Sonntag ihr erstes Pflichtspiel für den 1. FFV Erfurt.

Foto: Holger Peterlein

Selbst eine ehemalige Nationalspielerin konnte die Niederlage nicht verhindern. Kimberly Albeño, die mit 20 ein Jahr lang für das Nationalteam ihres Heimatlandes Guatemala aktiv war, bestritt am Sonntag, sechs Jahre später, ihr erstes Pflichtspiel für den 1. FFV Erfurt. Die Erfurterinnen, gerade wieder in die Regionalliga aufgestiegen, verloren ihr Heimspiel in der ersten Runde des DFB-Pokals gegen den Zweitligisten 1. FC Saarbrücken klar mit 0:7. „Das Ergebnis ist ärgerlich, wir waren nicht so viel schlechter, hatten aber ein paar taktische Probleme“, meinte Albeño.

Im Interview mit uns sprach die 26-jährige Studentin der TU Ilmenau über Fußball als Familiensache, ihren Weg nach Deutschland und zum 1. FFV Erfurt, Sprachbarrieren, berufliche Ziele und darüber, warum man unbedingt mal nach Guatemala reisen sollte.

Sie stammen aus Guatemala. Dort ist Lacrosse der Nationalsport. Warum haben Sie sich für Fußball entschieden?

Genau genommen bin ich geboren und aufgewachsen in Long Beach, Kalifornien. Aber meine Eltern sind beide Guatemalteken und von meiner Familie wohnen fast alle dort. Fußball ist sicher in unserem Heimatland nicht der populärste Sport, aber er liegt bei uns in der Familie. Meine ältere Schwester hat lange Fußball gespielt, bis sie nach zwei Kreuzbandrissen aufhören musste. Ich habe mir oft ihre Spiele angesehen. Und mein Vater war Fußballtrainer. Ich kannte also nur Fußball und es hat mich immer begeistert.

Wann haben Sie selbst mit Fußball begonnen und wie kam es, dass Sie schließlich sogar Nationalspielerin wurden?

Ich habe mit vier Jahren angefangen und bis zum College nicht wieder aufgehört. Dort wurde dann Guatemalas Nationaltrainer auf mich aufmerksam. Er war in den USA auf der Suche nach Spielerinnen, die das Nationalteam für die Central American Games 2013 in Costa Rica verstärken. Also habe ich schließlich ein paar Monate für das Nationalteam gespielt und wir haben in Costa Rica sogar die Bronzemedaille gewonnen. Eine tolle Erfahrung!

Warum ging es im Nationalteam nicht weiter?

Weil ich am College zu viele Kurse verpasst hätte. Ich wusste, dass ich mit dem Fußball kein oder nicht viel Geld verdienen würde, also hatte die Ausbildung natürlich Vorrang.

Und warum sind Sie schließlich nach Deutschland gekommen?

Weil das Studium in den USA sehr teuer ist und ich dafür nicht genug Geld hatte. Also bin ich für meinen Master in Media and Communication Science vor zwei Jahren an die TU Ilmenau gegangen. Hier muss ich ja nur die Wohnung finanzieren, habe kaum Studiengebühren. Die Kurse sind auf Englisch, die Studenten von überall auf der Welt. Es gefällt mir sehr gut.

Wie sind Sie nun im Sommer beim Regionalliga-Aufsteiger 1. FFV Erfurt gelandet?

Mein deutscher Freund, der aus Saalfeld kommt und in Erfurt wohnt, hat sich für mich etwas umgehört, weil er wusste, dass ich nach einigen Jahren Wettkampfpause gern wieder richtig im Verein und nicht mehr nur so zum Spaß Fußball spielen würde. Und da ich fast mehr bei ihm bin als in meiner Wohnung in Ilmenau, bin ich beim FFV gelandet.

Wie ist Ihr erster Eindruck von der Mannschaft?

Direkt das erste Training hat mich ziemlich beeindruckt. Das Team hat ein gutes Niveau.

Gut genug, um den Klassenerhalt in der in anderthalb Wochen beginnenden Regionalliga Nordost zu schaffen?

Im Moment haben wir leider noch ein paar Verletzte. Ich glaube, wenn die wieder zurück und wir alle fokussiert sind, haben wir gute Chancen auf den Klassenerhalt. Dafür müssen wir aber die taktischen Vorgaben so umsetzen, wie wir es im Training einstudieren. Das ist uns eben jetzt im Pokalspiel gegen Saarbrücken nicht gelungen und deshalb haben wir höher verloren, als es verdient war.

FFV-Trainer Gino Heinze sagt über Sie, Sie seien eine sehr kraftvolle Spielerin, die beidfüßig stark ist und seinem Team mit Sicherheit weiterhelfen wird. Allerdings würde es noch Zeit brauchen, bis sie die Anweisungen verstehen, da Sie zwar Englisch und Spanisch, aber kein Deutsch sprechen (das Interview wurde auf Englisch geführt, Anm. d. Red.). Stimmen Sie ihm zu?

Da hat er schon recht. Es ist für mich während des Spiels schwierig, zu kommunizieren, ich weiß oft nicht, was der Trainer oder die Mitspielerinnen von mir wollen. Vor dem Spiel oder im Training können es mir die anderen in Ruhe auf Englisch erklären, aber auf dem Platz ist dann manchmal einfach zu viel Hektik dafür.

Lernen Sie Deutsch?

Ja, ich besuche einen Basis-Sprachkurs. Das Verstehen klappt schon ganz gut, aber das Sprechen fällt mir noch schwer. Deutsch ist eine ganz schön schwierige Sprache.

Wie viel fehlt körperlich noch zur Topform?

Ich denke, da bin ich so bei 60, 70 Prozent. Ich brauche sicher noch einen Monat oder etwas mehr, um wieder topfit zu sein. Vor allem aber muss ich mich anstrengen, das Spiel des FFV so schnell wie möglich zu verstehen.

Planen Sie eigentlich, länger hier zu bleiben?

Ja. Ich möchte gern auch nach dem Studium hier bleiben und würde gern hier arbeiten. Vielleicht mein Studium der Kommunikation mit Frauenfußball verbinden, um mitzuhelfen, diesen hier nach vorn zu bringen. In den USA ist er ja mittlerweile schon sehr populär.

Weil die Fußballerinnen der USA sehr viel erfolgreicher sind als die Männer.

Oh man, die Männer sind wirklich schlecht (lacht).

Was gefällt Ihnen an Deutschland besonders gut?

In Kalifornien habe ich den Strand, das ist auch schön. Aber ich liebe die Berge und den Wald, und Deutschland ist ein Waldwunderland. An Ilmenau und Erfurt weiß ich zu schätzen, dass es sehr sicher ist und man in Ruhe sein Ding machen kann, ohne viel Hektik. Beides sehr entspannte Städte.

Guatemala ist bei uns vor allem für seinen köstlichen Kaffee berühmt. Sind Sie eine leidenschaftliche Kaffeetrinkerin?

(lacht) Interessante Frage. Ich trinke schon Kaffee, vielleicht eine Tasse am Tag. Leidenschaftlich würde ich das nicht nennen. Das sind eher meine Eltern – die trinken beide mindestens einen halben Liter am Tag. Und natürlich muss es, auch wenn sie in Kalifornien leben, guatemaltekischer Kaffee sein.

Abgesehen vom Kaffee: Warum sollte man nach Guatemala reisen?

Weil es kulturell und kulinarisch ein fantastisches Land ist. Ich bin einmal im Jahr dort. Die Geschichte, die Ruinen, die indigenen Völker – einfach sehenswert. Einmal bin ich auf einen Vulkan gestiegen, das war super. Einziger Nachteil ist die hohe Kriminalitätsrate – gerade deshalb weiß ich die Sicherheit hier in Deutschland zu schätzen.

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