Eisschnelllauf: Ein Rekord für die Ewigkeit

Salt Lake City.  Claudia Pechstein ist mit 47 die älteste WM-Teilnehmerin der Eisschnelllauf-Geschichte

Noch nie war eine Eisschnellläuferin bei Weltmeisterschaften älter als die Berlinerin Claudia Pechstein, die am 22. Februar ihren 48. Geburtstag feiert.

Noch nie war eine Eisschnellläuferin bei Weltmeisterschaften älter als die Berlinerin Claudia Pechstein, die am 22. Februar ihren 48. Geburtstag feiert.

Foto: Rick Bowmer / dpa

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In sieben Tagen feiert Claudia Pechstein ihren 48. Geburtstag. Aber die erfolgreichste deutsche Winter-Olympionikin hat längst einen eigenen Weg gefunden, das biologische Alter zu senken. Sie hört einfach nicht auf, auf dem Eis zu stehen. Nun hat sie einen weiteren Rekord – womöglich für die Ewigkeit - aufgestellt. „Ich bin stolz darauf, dass ich in meinem Alter hier noch mitlaufen kann. Es wird wohl wenige 47-Jährige geben, die irgendwann noch einmal bei einer WM am Start sein werden“, sagte die Berlinerin, die bei der Einzelstrecken-Weltmeisterschaft in Salt Lake City als Elfte über die 3000 Meter einen für sie guten Auftakt dieser Titelkämpfe feierte.

Erstaunlich war ihre Leistung auch deshalb, weil Pechstein mit ihrer Zeit von 4:01,915 Minuten auf der schnellen Bahn von Utah nicht nur eine Saisonbestzeit aufstellte, sondern lediglich 4,21 Sekunden langsamer war als bei ihrem Olympiasieg an gleicher Stelle vor genau 18 Jahren: „Wenn mir damals jemand gesagt hätte, dass ich 2020 noch immer bei einer Weltmeisterschaft auf dem Eis stehen werde, hätte ich gesagt, der spinnt.“

Pechstein hat gelernt, ihren Sport zu genießen

Auch als die Erfurter Konkurrentin Gunda Niemann-Stirnemann in der Saison 2003/2004 nach einer Babypause mit 37 ihr Comeback gab, dachte sie nie im Leben an eine solch lange Karriere. „Damals habe ich gesagt, dass ich so etwas niemals machen würde“, sagt die Berlinerin. Die Sperre durch den internationalen Eislaufverband von 2009 bis 2011 wegen auffälliger Blutwerte jedoch trieb sie immer wieder an, nicht aufzuhören.

Längst hat es Pechstein gelernt, ihren Sport zu genießen. Als sie in Salt Lake City nach den 3000 Metern erschöpft ins Publikum winkte, bedankten sich die Zuschauer mit viel Applaus. „Ich genieße international sehr viel Respekt. Das macht mich stolz“, sagt Pechstein, die einst auf dem olympischen Oval von Utah die Sternstunde ihrer Karriere erlebte. Bei den Winterspielen 2002 feierte sie gleich zwei Goldmedaillen – beide Male in Weltrekordzeit: „Das vergisst man nicht.“

„Je älter man wird, umso schwerer wird es“

Dass sie inzwischen als „Eis-Oma“ bezeichnet wird, stört sie nicht. Im Training hält sie noch mit den anderen mit und fokussiert sich mehr denn je auf die Regeneration.

Beim 19. WM-Start ihrer Karriere läuft sie nun in Salt Lake City gegen Konkurrentinnen, die noch in den Kinderschuhen steckten, als sie 1996 zur WM-Premiere in Hamar antrat und dort den ersten WM-Titel ihrer Karriere eroberte. „Je älter man wird, umso schwerer wird es. Das geht schon mit dem Aufstehen los. Aber die Physios sagen mir immer, dass ich einen dankbaren Körper habe.“

Sonntag will sie noch im Massenstart antreten

Auf ihn muss sie sich auch verlassen können, wenn für sie am Samstag mit dem 5000-Meter-Rennen der Höhepunkt dieser Weltmeisterschaft ansteht. „Ich will unter die Top Acht“, sagt die Berlinerin, die sich durch ihre Leistung im ersten Rennen bestätigt fühlt. „Nach dem Auftritt über die 3000 Meter ist das auch ein realistisches Ziel.“ Am Sonntag will sie dann sogar noch im Massenstart antreten.

Für Claudia Pechstein ist aber noch lange nicht Schluss. Wenn in zwei Jahren in Peking die Winterspiele ausgetragen werden, will sie als erste Frau – dann mit fast 50 – zum achten Mal bei Olympia dabei sein. „Mein Kampf ist noch nicht zu Ende. Deshalb werde ich weitermachen“, sagt Claudia Pechstein.

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