Erfurts Kryptonit schlägt wieder zu

Erfurt.  Eishockey-Oberliga Nord: Die Black Dragons unterliegen Angstgegner Rostock 3:6. Pre-Playoffs dennoch weiter in Reichweite.

Nur ein kleines persönliches Geschenk: Felix Schümann traf zum zwischenzeitlichen 1:3, doch die Drachen verloren auch das vierte Saisonduell gegen Rostock.

Nur ein kleines persönliches Geschenk: Felix Schümann traf zum zwischenzeitlichen 1:3, doch die Drachen verloren auch das vierte Saisonduell gegen Rostock.

Foto: Lars Wannemacher

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Selbst Neuzugang Chase Clayton wusste schon Bescheid. „Die anderen Spieler meinten, Rostock sei unser Kryptonit“, sagte der kanadische Stürmer der Black Dragons Erfurt vor dem Duell am Freitagabend in der Eishockey-Oberliga Nord mit den Ostseestädtern. Die Rostocker sind tatsächlich so etwas wie ein Angstgegner der Erfurter. Auch die vorherigen drei Duelle in dieser Saison verloren die Drachen.

Diesmal lautete die Vorgabe: verlieren verboten! Denn Rostock und auch Essen hatten mit Siegen am vergangenen Sonntag die Erfurter arg unter Druck gesetzt, was das Ringen um den zehnten Tabellenplatz und damit das Saisonziel Pre-Playoffs anbelangt. Vor der Partie war Essen auf fünf, Rostock gar auf 13 Punkte (bei jeweils einem Spiel mehr) weggezogen. Die Piranhas waren für den EHC also nurmehr ein Silberschweif am Horizont, die Moskitos aber noch in Reichweite.

Die erste nennenswerte Szene nach viereinhalb Minuten: Publikumsliebling Weise zog einen energischen Sprint an, scheiterte aber an Urbischs Stockhand. Auch nach Fischers Solo war Rostocks Goalie Endstation (7.). Dann hatte Toivanen das fast freie Tor vor sich, traf die Scheibe aber nicht richtig (8.). Die Drachen arbeiteten daran, dem Sturmtief Sabine ihr eigenes folgen zu lassen. Stattdessen das emotionale Tief: Körner fing eine Handvoll Luft statt den Puck, zwei Rostocker waren frei durch, Koopmann traf zum 0:1 (10.). Beim nächsten Konter war es Fischer, der sich viel zu einfach von Pauker übertölpeln ließ – Rabbani staubte ab (0:2/12.).

Dieser Doppelschlag wirkte wie ein Leberhaken für die Erfurter, die fortan zu tun hatten, nicht das 0:3 zu kassieren, statt zurückzuschlagen. Erst ein Powerplay zum Ende des ersten Drittels brachte wieder Schwung ins Drachenspiel. Doch wie zu Beginn sündigte das Carroll-Team mit seinen Chancen.

Im Mittelabschnitt ging es so weiter. Chance Toivanen – vertan. Konter Rostock – um ein Haar das 0:3, doch zum Glück für die Drachen landete nur Koopmann am Pfosten statt der Puck im Tor (21.). Zumindest war nun wieder Zug drin, auch wenn die Erfurter noch die richtige Balance zwischen Angriffsrisiko und Absicherung suchten und den Rostockern einige Male zu viele Räume ermöglichten. Oft konnten sie diese nur auf Kosten einer Strafzeit schließen und erschwerten es sich somit selbst, die Aufholjagd zu starten. Ganz im Gegenteil: Kurka sorgte für das 0:3 (31). Als das Drachenschiff im Rostocker Fahrwasser dem Untergang geweiht schien, schritt dessen Kapitän höchstpersönlich zur Tat: Am Tag nach seinem 29. Geburtstag schmetterte Schümann die Scheibe zum 1:3 ins Netz (33.) und vollführte einen trotzigen Jubel, der aussagte: Zur Hölle mit den vermaledeiten Rostockern!

Doch die dachten gar nicht daran, ihm diesen Gefallen zu tun. Mal wieder hatten Clayton und Keil dicke Möglichkeiten ausgelassen, mal wieder lief der Rostocker Konter, mal wieder zappelte die Scheibe im Netz. Rabbanis Treffer zum 1:4 (44.) schien der Erfurter Sargnagel zu sein. Aber dann schlug Kämmerer in Überzahl zu (50.) und hauchte den unermüdlich anfeuernden Drachenfans wieder Hoffnung ein.

Die währte keine zwei Minuten, dann schlug Rostocks Rabbani, natürlich nach einem Konter, zum dritten Mal zu und es stand 2:5. Keil verkürzte zwar noch einmal auf 3:5 (57.), doch nach einem Empty-Net-Goal war die 3:6-Pleite besiegelt.

Einem kleinen Jungen stand der Endstand schon in der ersten Drittelpause ins Gesicht geschrieben. Da war beim 0:2 noch alles möglich, doch er schien zu ahnen, dass gegen Rostock wie fast immer am Ende kein Sieg stehen sollte. Er blickte drein, als hätte er sich seine etwas zu große Dragons-Bommelmütze am liebsten übers Gesicht gezogen. Er sollte Recht behalten – Erfurts Kryptonit schlug wieder zu.

Nicht nur die Mütze des Jungen war eine Nummer zu groß, sondern wohl auch die Pre-Playoffs in dieser Saison für die Drachen. Zu ihrem Glück verlor auch der Zehnte Essen gegen Herne. So sind die Pre-Playoffs weiter fünf Punkte entfernt.

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