Aus des FC Rot-Weiß Erfurt: "In einer Woche zweimal gestorben"

Erfurt.  Binnen 15 Minuten verkündet Insolvenzverwalter Reinhardt das Regionalliga-Aus von Rot-Weiß Erfurt. In die Trauer mischte sich bei manchem Erleichterung.

Trainer Robin Krüger verlässt das Gebäude.

Trainer Robin Krüger verlässt das Gebäude.

Foto: Frank Steinhorst-Pressefoto

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Die Schranke am Gelände zum Steigerwaldstadion wollte sich ein paar Minuten lang partout nicht öffnen, bevor Volker Reinhardt schließlich doch mit seinem Wagen vorfuhr. Als wollte selbst die Technik der Arena jene schmerzliche Wahrheit einfach nicht akzeptieren. Wie der Trainer. „Ich bin in einer Woche zweimal gestorben. Das ist besonders hart. Wir werden alle brauchen, um das zu verarbeiten“, sagte Robin Krüger nachdem der Insolvenzverwalter in nicht mal einer Viertelstunde der Mannschaft des FC Rot-Weiß Erfurt das bittere Regionalliga-Aus verkündete.

Mit hängenden Köpfen verließen die Profis die Katakomben der Arena. „Es ist brutal, weil ich bis zuletzt auch gekämpft und kaum geschlafen habe“, sagte Abwehrspieler Pierre Becken über das verzweifelte Ringen um neue Investoren.

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Polizeischutz für die Profis

Um vor frustrierten Fans gewappnet zu sein, bewachten drei Polizeifahrzeuge die Szenerie. Aber völlig unbemerkt entschwanden die Profis schließlich in alle Richtungen.

Am Freitag hatte der Insolvenzverwalter bereits das drohende Aus für den Montag angekündigt. Daraufhin räumten die Spieler die Kabine im Trainingsgelände und lösten die Mannschaftskasse auf. Plötzlich aber stellte Reinhardt am Sonntagabend einen neuen Geldgeber in Aussicht und nährte Hoffnung, die er auch noch mit einer angeblichen Absichtserklärung eines Investors untermauerte.

Kein höherklassiger Fußball auf absehbare Zeit

Noch am Montag verkündete sogar der Nordostdeutsche Fußball-Verband (NOFV), Reinhardt habe die Fortsetzung des Spielbetriebs zugesagt. Nun erklärte der Verband, der Fall werde dem Sportgericht übergeben. Auch die Arena GmbH bereitete sich zu Wochenbeginn auf das Heimspiel am 1. Februar gegen Energie Cottbus vor. Mit Polizei, Feuerwehr und Sicherheitsdienst wurde der Spieltag wie geplant vorbereitet – umsonst. Höherklassigen Fußball wird es nun an jenem traditionsreichen Ort auf absehbare Zeit nicht mehr geben.

Beim Tabellenführer aus der Lausitz herrschte angesichts der kurzfristigen Absage vor allem Bedauern. „Der FC Rot-Weiß Erfurt ist ein Traditionsverein im Osten, verkörpert für seine zahlreichen und leidenschaftlichen Fans seit 54 Jahren Identifikation und Stolz. Das sollte nicht so zu Ende gehen“, sagte Cottbus-Präsident Matthias Auth.

Spieler werden Erfurter Fans vermissen

Auch die Erfurter Spieler werden vor allem die Anhänger vermissen. „Das ist sehr, sehr bitter. Ich habe in acht Jahren in der Regionalliga nicht ansatzweise solch eine tolle Unterstützung durch die Fans erlebt“, sagte Angreifer Sinisa Veselinovic, der sich nun wie alle anderen Spieler schnell einen neuen Verein suchen muss. Gelingt das bis zum Ende der Transferperiode bereits am morgigen Freitag nicht, droht den Profis vorerst die Arbeitslosigkeit. „Wir stehen mit unseren Mitgliedern in Erfurt in Kontakt und versuchen, den Jungs in dieser schwierigen Situation bestmöglich zu helfen“, sagte Ulf Baranowsky, der Geschäftsführer der Fußball-Spielergewerkschaft VDV.

Wie es im Landespokal weitergeht

Durch die Einstellung des Spielbetriebes steht auch der Thüringer Fußball-Verband (TFV) vor einem Problem. Der FC Rot-Weiß Erfurt ist nicht nur erster Absteiger in die Oberliga, sondern wird auch nicht am Halbfinale des Landespokals am 28./29. März teilnehmen. Wie es nun weitergeht, werde in den kommenden Tagen entschieden, teilte TFV-Sprecher Hartmut Gerlach mit. Dies könne auch nach der Auslosung am Sonntag bei der Thüringer Hallen-Endrunde in Apolda geschehen, hieß es.

Als Pierre Becken schließlich niedergeschlagen das Steigerwaldstadion verließ, war er trotz der bitteren Nachricht sogar ein wenig erleichtert. „Es ist gut so, dass es jetzt ausgesprochen ist. Das, was in den letzten Tagen abging, war grenzwertig“, sagte der Abwehrspieler.

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