Fußball-Verantwortliche sind auf den Notfall vorbereitet

Heiligenstadt.  Spielausschuss-Vorsitzender Jürgen Kohl äußert sich im Interview zur Situation im Fußball.

Jürgen Kohl ist Spielausschuss-Vorsitzender des Fußballkreises Eichsfeld/Unstrut-Hainich.

Jürgen Kohl ist Spielausschuss-Vorsitzender des Fußballkreises Eichsfeld/Unstrut-Hainich.

Foto: OLAF SCHäFER

Am späten Freitagnachmittag (16. Oktober 2020) hatte das Landratsamt Eichsfeld auf die steigenden Corona-Infektionen reagiert und die Nutzung von Sporthallen und Sportstätten bis einschließlich 31.10.2020 untersagt. Am Sonntag zog der Unstrut-Hainich-Kreis teilweise nach und erließ ein Zuschauerverbot. Was diese Maßnahmen für die aktuelle Fußball-Saison bedeuten, erläutert der Spielausschuss-Vorsitzende Jürgen Kohl im Interview der Woche.

Herr Kohl, halten Sie ein komplettes Wettkampfverbot für richtig, haben Sie die Entscheidungen des Landkreises Eichsfeld überrascht?

Grundsätzlich sind alle Verordnungen, die zur Eindämmung der Corona-Pandemie beitragen, völlig richtig. Da die Fallzahlen im Eichsfeld zuletzt stark gestiegen sind, hat mich nicht die Entscheidung an sich, sondern der Zeitpunkt der Veröffentlichung überrascht.

Ihre Aussage enthält einen kritischen Unterton!

Kritik steht mir nicht zu, da ich weder die Arbeit des Gesundheitsamtes noch des Krisenstabes beurteilen kann. Ich hätte mir eine Entscheidung am Donnerstag gewünscht, da täglich mehrere Vereine anfragten, ob Zuschauer zugelassen seien oder gespielt werden dürfe. Nach Rücksprache mit der TFV-Geschäftsstelle, der auch keine weiteren Informationen vorlagen, war für mich am Freitag gegen Mittag klar, dass alle Spiele stattfinden können. Dies habe ich dann auch bei Nachfragen kundgetan. Eine Stunde später musste ich eine Rolle rückwärts vornehmen. Das hat für zahlreiche Verwirrung gesorgt.

Sie haben Ihr Ohr an der Basis! Wie haben die Vereine die Maßnahmen der politischen Entscheidungsträger aufgenommen?

Das war unterschiedlich. Während einige Vereine aufgrund vieler verletzter Spieler froh über die Pause sind, haben andere kritisch hinterfragt, wie es sein könne, dass der SC Heiligenstadt zum Spiel nach Sonneberg reisen könne, aber im Eichsfeld von Corona nicht betroffenen Orten nicht gespielt werden dürfe.

Falls im Eichsfeld – wenn überhaupt – am 1. November wieder gespielt werden kann, sind im Unstrut-Hainich-Kreis bis 8. November keine Zuschauer zugelassen. Wie gehen Sie als Staffelleiter mit dieser Situation um?

Sollte die Corona-Pause nur zwei Wochen anhalten, dann wäre dies für die Fortsetzung der Saison noch kein Beinbruch. Da im Unstrut-Hainich-Kreis gespielt werden kann, müssten die Spiele, die auf den Eichsfelder Sportplätzen geplant waren, auf Januar verlegt werden.

Wäre in kreisübergreifenden Duellen ein Heimrecht-Tausch nicht eine Option, wie es die Spielordnung vorsieht?

Grundsätzlich wäre dies möglich, aber würden die Teams aus dem Unstrut-Hainich-Kreis benachteiligen, da dort bis zum 8.11. keine Zuschauer zugelassen sind. Einen Großteil der durchschnittlichen Schiedsrichterkosten, die sich in der Kreisoberliga auf 80-100 Euro belaufen, decken die Vereine über Zuschauereinnahmen und Getränkeverkauf ab. Ein bis zwei Spiele ohne Einnahmen sind verkraftbar, danach wird es allerdings kritisch.

Sie wollen Spiele im Januar ansetzen? Aus Ihrer jahrelangen Erfahrung müssten Sie doch wissen, dass im Januar selten bis überhaupt kein Fußball gespielt werden konnte. Warum legen Sie die Spiele nicht auf das Osterwochenende?

Das ist richtig! Jedoch verfügen viele Kreisoberligisten über Kunstrasenplätze, auf denen bei feuchter Wetterperiode gespielt werden kann. Sollten wir einen strengen Winter mit Schnee und Eis bekommen, sind die Pläne hinfällig. Kritisch wird die Situation in der Kreisliga Eichsfeld. Die Pläne mit Ostern funktionieren nicht. Dies liegt daran, dass die Rückrunde am Wochenende 27./28. Februar 2021 beginnt und bis dahin alle Spiele der Hinrunde gespielt sein müssen.

Das war doch noch nie so!

Richtig! Aber die Corona-Pandemie zwingt zum Umdenken. Wenn die Pause länger dauert, muss der Spielausschuss in Abstimmung mit den Vereinen über Alternativen in der Spielplanung nachdenken. Eine Möglichkeit wäre, nach der Hinrunde anstatt zweiter Halbserie eine Play-Off-Runde zu spielen.

Es ist doch absehbar, dass die Spielpause länger dauern wird. Warum erfolgt dieser klare Schnitt nicht sofort. Dann könnten die Vereine besser planen?

Der ursprüngliche TFV-Vorstandsbeschluss sah vor, die Saison 2019/20 zu verlängern. Das Hauptargument der Kritiker, die den Beschluss auf dem Außerordentlichen Verbandstag kippten, war der Wunsch nach vielen Spielen. Diesem wird nun Rechnung getragen. Wenn jetzt eine Änderung der Vorgehensweise erfolgt, dann würde jener Beschluss ad absurdum geführt. Das wäre eine Ohrfeige für jede demokratisch denkende Person.

Gibt es weitere Szenarien?

Die Spielordnung sagt, wenn zum Saisonabbruch mehr als 50 Prozent aller festgelegten Spiele absolviert sind, dann greift die Quotientenregel. Sind weniger Spiele absolviert, so wird die Saison annulliert und nicht gewertet. Alle zum Zeitpunkt des Abbruchs aktiven Mannschaften behalten in der Folgesaison den Startplatz in der jeweiligen Liga.

Sollte die Saison abgebrochen werden müssen, was dann?

Wenn es dadurch gelingt, die Pandemie einzudämmen, soll es so sein. Es ist auf jeden Fall vernünftiger, zunächst den Freizeitsport auf Null zu fahren, als Schulen und Kindertagesstätten zu schließen. Ich bin auf einen solchen Fall vorbereitet. Seien Sie versichert, dass eine dann mögliche Spielklassenreform bereits in meiner Schublade liegt.