Klingbeil übernimmt beim FC Carl Zeiss Jena: „Gemeinsam“ als Credo

Jena.  Am Freitag tritt René Klingbeil seinen Dienst als Interimstrainer beim FC Carl Zeiss Jena an. Maximal drei Spiele darf er als Chef an der Seitenlinie stehen.

Fingerspitzengefühl für die Mannschaft: René Klingbeil (links) – hier mit Daniele Gabriele – soll vorerst das Team des FC Carl Zeiss Jena betreuen.

Fingerspitzengefühl für die Mannschaft: René Klingbeil (links) – hier mit Daniele Gabriele – soll vorerst das Team des FC Carl Zeiss Jena betreuen.

Foto: Tino Zippel

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Am Tag eins nach dem Abschied von Trainer Rico Schmitt ruht der Trainingsbetrieb im Jenaer Paradies. Wegen des anstehenden Montagsspiels war am Donnerstag turnusmäßig der freie Tag für das Team angesetzt. Interimstrainer René Klingbeil nutzte die Gelegenheit, um sich daheim bei der Familie im Erzgebirge auf die anstehende Aufgabe zu fokussieren. Derweil räumt Geschäftsführer Chris Förster mit Gerüchten auf.

Der 38-Jährige erfuhr am Mittwochabend, dass er vorerst beim Drittligisten an der Seitenlinie stehen soll. Klingbeil bringt viel Erfahrung als Spieler mit. In Berlin geboren, kam er über den BFC Dynamo und Borussia Mönchengladbach zum Hamburger SV. Er spielte in Norwegen und viele Jahre für Erzgebirge Aue, bevor ihn Lutz Lindemann zum Ausklang seiner Laufbahn nach Jena holte. Mit seiner Erfahrung organisierte er zwei Spielzeiten die Abwehr des damaligen Viertligisten und war einer der Garanten für den Aufstieg in die dritte Liga. „Er war der verlängerte Arm des Trainers auf dem Feld“, sagt Geschäftsführer Chris Förster.

Nach seiner Laufbahn ging Klingbeil 2017 zurück nach Sachsen, absolvierte eine Ausbildung als Finanzberater und übernahm nebenbei das Traineramt beim FC 1910 Lößnitz in der Sachsenliga. Schon im Januar 2019 wollte der FC Carl Zeiss den ehemaligen Spieler als Co-Trainer für Lukas Kwasniok zurückholen. Bei der erneuten Anfrage im Oktober 2019 sagte Klingbeil zu und stand seinem früheren Trainer Rico Schmitt als Assistent zur Seite. Nun beerbt er ihn – zumindest vorerst. Klingbeil hat keine Fußballlehrer-Lizenz, darf deshalb nur interimsweise ran. Auch muss er noch zwei Lizenzstufen nach oben klettern, bevor er am Fußballlehrer-Kurs teilnehmen darf.

Klingbeil darf maximal drei Spiele aushelfen

Dennoch trauen ihm die Jenaer Verantwortlichen zu, der stark abstiegsbedrohten Mannschaft einen Impuls zu geben. Fürs Spiel gegen den FSV Zwickau betreut er das Team, ist damit in dieser Saison nach Kwasniok, Interimstrainer Christian Fröhlich und Schmitt der vierte Verantwortliche an der Seitenlinie der Jenaer. Das Statut der dritten Liga erlaubt, dass Klingbeil das Team für 15 Werktage führen darf. Damit kann er die Mannschaft auch noch auswärts gegen Waldhof Mannheim und daheim gegen den SV Meppen trainieren. Auch danach soll Klingbeil laut Geschäftsführer Förster dem Trainerteam angehören. Der Klub will ihm in Zukunft Spielraum geben, sich weiterzubilden und höhere Lizenzstufen zu erreichen.

Am Freitag um 10 Uhr empfängt Klingbeil die Spieler, um sie auf die Aufgabe einzuschwören. Um 11 Uhr beginnt das Training, in dem er nun auch eigene Vorstellungen umsetzen kann. „Wir schätzen seine Arbeit und den Umgang mit den Spielern. Wir erwarten eine Reaktion als Mannschaft, dass die Zusammenarbeit als Team gut funktioniert“, sagt Förster.

Ärger über beleidigende Kommentare für Spieler

Zugleich ärgert er sich über beleidigende Worte gegen Marius Grösch im Internet. „Unsere Verantwortung ist auch, uns schützend vor die Spieler zu stellen. Man sollte als Außenstehender nicht Menschen als ,Heulsuse’ bezeichnen und damit einen Vorfall bewerten, den man 0,0 kennt“, sagt der Geschäftsführer.

Er wehrt sich gegen Behauptungen, die Verantwortlichen haben auf Wunsch der Spieler den Trainer gewechselt. „Nicht die Mannschaft stellt den Trainer auf, das entscheiden die Verantwortlichen. Uns ist es wichtig, dass man gemeinsam die Aufgaben angeht, die nur in gemeinschaftlicher Arbeit gelingen können.“ Derweil läuft im Hintergrund die Suche nach einem Trainer, der auch für die Regionalliga zur Verfügung steht.

FC Carl Zeiss Jena: Wie die Trennung von Trainer Rico Schmitt lief

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