FC Carl Zeiss Jena und FC Rot-Weiß Erfurt liefern sich Derby auf großer Bühne

Berlin.  Vor 40 Jahren stehen sich der FC Carl Zeiss Jena und der FC Rot-Weiß Erfurt im Fußball-Pokalfinale der DDR gegenüber.

Beim DDR-Pokalfinale 1980: FC Rot Weiss Erfurt gegen Carl Zeiss Jena.

Beim DDR-Pokalfinale 1980: FC Rot Weiss Erfurt gegen Carl Zeiss Jena.

Foto: Manfred Fromm

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Für die einen war die Sensation zum Greifen nahe. Die anderen kamen mit einem blauen Auge davon und starteten anschließend eine denkwürdige Europapokal-Saison. Am 17. Mai vor 40 Jahren standen sich der FC Rot-Weiß Erfurt und der FC Carl Zeiss Jena im DDR-Pokalfinale gegenüber. 45.000 Zuschauer im Berliner Stadion der Weltjugend; das ewig junge Thüringen-Derby zum ersten und einzigen Male auf der ganz großen Bühne. Am Ende hieß es 3:1 für Jena nach 120 packenden Minuten. Diesen Fußballnachmittag vergisst keiner – weder die Sieger, noch die Verlierer.

„Oh Mann“, stöhnt Jürgen Heun. „Wir hatten gefühlt die Hand schon am Pokal.“ Der Erfurter Rekord-Torschütze erinnert sich an das dramatische Endspiel, als sei es gestern gewesen. Vor allem an seine Großchance nach knapp einer Stunde, die Jenas Schlussmann Hans-Ulrich Grapenthin mithilfe des Pfostens vereitelte: „Wenn es das 2:0 gewesen wäre, hätte es wahrscheinlich für uns gereicht“, blickt Heun wehmütig zurück. Damals half ihm die Unbeschwertheit eines 21-Jährigen über die Niederlage hinweg. Heute weiß er: Diese Titelchance sollte nicht wiederkommen.

Sturmpartner Armin Romstedt hatte den Außenseiter in der 40. Minute in Führung gebracht: Als Grapenthin einen Schuss von Harald Fritz nur nach vorn abwehren konnte, war der antrittsschnelle Erfurter zur Stelle und staubte erfolgreich ab. Mit einem Augenzwinkern meint er heute: „Tja, da wird man nicht hingetragen, sondern muss schon richtig spekulieren.“ Der 63-Jährige verspürt noch immer ein Kribbeln, wenn er an die Kulisse von damals und die „Wahnsinnsatmosphäre“ zurückdenkt. Zweifelsohne zählt er dieses Finale zu den Höhepunkten seiner erfolgreichen Karriere. Trotz des für Rot-Weiß so bitteren Ausgangs.

Ein Ausgang, mit dem Konrad Weise kaum noch gerechnet hatte. Jenas 86-maliger Nationalspieler zeigte dem jungen Heun im direkten Duell zwar dessen Grenzen auf, gestand später jedoch ehrlich: „Zwischendurch war ich nicht mehr so richtig von unserem Sieg überzeugt. Die Erfurter haben uns enorm gefordert.“ 81 Minuten lang hielt deren Bollwerk mit einem starken Wolfgang Benkert zwischen den Pfosten. Dann erlöste Jürgen Raab den Favoriten.

„Irgendwie ist mir der Ball nach einem Abpraller vor die Füße gefallen – und ich habe ihn Dropkick genommen“, beschreibt der Jenaer Angreifer den späten Ausgleich. So sehr das 1:1 den FC Carl Zeiss beflügelte, so heftig traf es die Rot-Weißen ins Mark: „Wir kamen danach nicht mehr auf die Beine“, gesteht Romstedt. Und auch Raab spürte, „dass die Erfurter das Tor nervlich nicht verkraftet haben“. In der Verlängerung machte Jena dann kurzen Prozess: Lothar Kurbjuweit (94.) und Dietmar Sengewald (97.) führten binnen drei Minuten die Entscheidung herbei.

Dieser vierte und letzte DDR-Pokalsieg stellte für die Jenaer den Start einer geschichtsträchtigen Reise durch Fußball-Europa dar. Über die Stationen AS Rom, FC Valencia, Newport County und Benfica Lissabon drangen sie bis ins Finale des Europacups vor. Auch wenn sie dort Dinamo Tbilissi 1:2 unterlagen, spricht Raab heute noch von „sensationellen Erlebnissen“.

Auch Jürgen Heun durfte ein gutes Jahrzehnt später mit seinen Erfurtern noch einmal Europapokal-Luft schnuppern. FC Groningen und Ajax Amsterdam hießen die Gegner im Uefa-Cup. Doch einen Titel sollte er mit Rot-Weiß nicht mehr gewinnen. Dafür fehlten einst neun Minuten.

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