Ex-Spieler Voigt und FC Carl Zeiss Jena einigen sich doch gütlich

Die Angst des Ex-Spielers vor einer Insolvenz des Fußball-Regionalligisten lässt ihn einen Vergleich eingehen: Er bekommt 10 000 Euro netto.

Der ehemalige Fußballer des FC Carl Zeiss Jena, Alexander Voigt (rechts), verlässt mit seiner Anwältin Nicole Harmsen das Jenaer Justizzentrum. Er hatte vor dem Arbeitsgericht einen Vergleich mit dem FC Carl Zeiss geschlossen. Foto: Tino Zippel

Der ehemalige Fußballer des FC Carl Zeiss Jena, Alexander Voigt (rechts), verlässt mit seiner Anwältin Nicole Harmsen das Jenaer Justizzentrum. Er hatte vor dem Arbeitsgericht einen Vergleich mit dem FC Carl Zeiss geschlossen. Foto: Tino Zippel

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Jena. Der Vorsitzende Richter Harald Maiwald hält mit seiner Meinung nicht hinter dem Berg. Die Klage gegen die fristlose Kündigung wird er für Alexander Voigt und gegen den FC Carl Zeiss Jena entscheiden. Mit Verweis auf die schwierige wirtschaftliche Lage des Clubs beflügelt er jedoch die Vergleichsverhandlungen.

Beide Parteien treffen sich vor dem Arbeitsgericht Jena, weil der Club dem Abwehrspieler im März fristlos gekündigt hat. Ursache war ein Ausspruch Voigts in Richtung Trainerbank beim Spiel in Sandhausen. "Beide Parteien sind einig, dass er ’Halt die Fresse, du Wichser’ zu Tomislav Piplica gesagt hat", führt Maiwald auf. Die Meinungen von FC und Spieler gehen auseinander, ob Anfeuerungsrufe oder eine Beleidigung seitens des Torwarttrainers der Auslöser war. Jedenfalls werten die Jenaer Voigts Worte als Beleidigung eines Vorgesetzten. Sie legen einen Arbeitsvertrag vor, wonach Piplica mit einem Vertrag arbeitete und somit kein Praktikant war. Er sei als Mitglied des Trainerteams auch den Feldspielern gegenüber weisungsberechtigt gewesen, sagt Geschäftsführer Roy Stapelfeld. Maiwald runzelt die Stirn. Im vorliegenden Fall, so sagt er, reicht die Beleidigung eher nicht für eine fristlose Kündigung aus.

Alexander Voigt (34), der inzwischen für den Regionalligisten Viktoria Köln spielt, fordert eine Nachzahlung von knapp 30 000 Euro. Neben den Monatsgehältern zu 7000 Euro auch 6000 Euro Prämien - zum Teil für Spiele, bei denen er wegen der Suspendierung gar nicht mehr auf dem Feld stand.

Beim Gütetermin vor zwei Monaten hatte Voigts damalige Vertreterin ein Vergleichsangebot über 14 000 Euro abgelehnt. Doch die schwierige wirtschaftliche Lage der FC Carl Zeiss Jena Spielbetriebs GmbH hat sich bis Köln herumgesprochen.

"Wir kämpfen ums Überleben", sagt Vizepräsident Jörg Rosenberger, der als Anwalt den FC Carl Zeiss im Verfahren vertritt. Durch den Wegfall der Fernsehgelder sei die wirtschaftliche Lage angespannt. "Wir versuchen, die Gesellschaft zu sanieren", berichtet er. "Wir haben namhafte Hilfe von Großgläubigern zugesagt bekommen. Ob das alles reicht, wird sich zeigen."

Der Richter greift dieses Szenario auf. "Wenn sie ein vollstreckbares Urteil haben und die Gesellschaft doch in die Insolvenz geht, nutzt ihnen das wenig", sagt er zu Voigt. Nach einer Beratung einigen sich beide Parteien auf einen Vergleich. Die fristlose Kündigung wird unwirksam. Der FC Carl Zeiss erstellt reguläre Gehaltsscheine für März bis Juni. Sollten bis zum 10. August 10 000 Euro netto auf dem Konto des Spielers eintreffen, verzichtet er auf den Rest des Geldes.

Für den FC Carl Zeiss Jena bedeutet das einen Aufwand inklusive der Sozialabgaben von etwa 16 000 Euro - die Hälfte dessen, was bei einer Niederlage zu berappen gewesen wäre. Und Voigt hat eine schnelle Lösung, zumal der FC Carl Zeiss vorsorglich den Gang durch die Instanzen angekündigt hatte.

"Das Wichtigste ist, dass die fristlose Kündigung vom Tisch ist", betont Voigt. Dem Richter sagt er zum Abschied, dass er noch zwei Jahre aktiv Fußball spielen will, sofern "es die Gesundheit mitmacht". Danach wolle er dem Fußball auf jeden Fall verbunden bleiben. "In welcher Funktion ist offen."

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