SV Blau-Weiß 90 Neustadt zwischen Karneval und Taktikschule

Neustadt.  Die Vorbereitungen beim Landesklasse-Spitzenreiter laufen auf Hochtouren. Im Interview schildert Coach René Grüttner seine aktuellen Eindrücke.

Neustadts Coach René Grüttner Derby im Gespräch mit seinem Co Piotr Dutkiewicz.

Neustadts Coach René Grüttner Derby im Gespräch mit seinem Co Piotr Dutkiewicz.

Foto: Jens Henning

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Ein glühender Anhänger des Duhlendorfer Karnevals wird René Grüttner wohl nicht mehr. Doch immerhin hat sich der Geraer in Neustädter Diensten damit abgefunden, dass der Fußball in der Orlatstadt rund um den Rosenmontag allenfalls an zweiter Stelle steht. Im Interview spricht der 46-Jährige über die Vorbereitung während der närrischen Hochzeit, den Fahrplan bis zum Rückrundenstart gegen den VfR Bad Lobenstein und seine jüngsten Testspieleindrücke.

Ihre Mannschaft könnte aktuell schon fast im Trikot schlafen gehen. In nur acht Tagen bestreitet Blau-Weiß Neustadt vier Tests. Sind Spiele die besten Trainingseinheiten?

Ich denke schon, dass man daraus das meiste zieht. Für die Spieler ist es auch gute eine Belastung, wenn sie es ordentlich nutzen. Aber es ist auch so, dass diejenigen, die nicht von Anfang an auflaufen, separat beschäftigen.

Zuletzt war Ihr Team am Mittwochabend gegen Blau-Weiß Niederpöllnitz gefordert, ein Gegner der in der Hinrunde der Kreisoberliga Ostthüringen 45 von 45 möglichen Punkten holte. Spiegelt der 5:1-Sieg die Kräfteverhältnisse auf dem Feld wider?

Ja, das kann man so sagen. Die Jungs haben das Ganze ernst genommen, ich habe sie auch entsprechend eingestellt. Niederpöllnitz ist ja keine Laufkundschaft. Wir haben diesmal einfach die Chancen, die wir uns herausgespielt hatten, genutzt und hinten wenig zugelassen. Der 0:1-Rückstand resultierte aus einem individuellen Fehler im Strafraum, den wir dann nicht mehr verteidigen konnten. Ansonsten bin ich mit dem Spiel schon ganz zufrieden.

Ärgert man sich als Trainer denn über einen Rückstand gegen einen unterklassigen Gegner oder ist das in einem Testspiel letztlich egal?

Das Ergebnis interessiert mich nicht. Ich will sehen, dass sich die Jungs weiterentwickeln und das umsetzen, was wir zu Rückrunde einstudieren wollen. Verlieren möchte man sicherlich auch ein Testspiel nicht. Dafür ist der Ehrgeiz einfach zu groß. Mit einem Rückstand müssen sie umgehen, das kann schließlich auch in der Liga passieren, und das haben sie gut gemacht.

Das Ergebnis stand bereits kurz nach der Halbzeit fest. Hätten Sie sich gewünscht, dass die Mannschaft noch nachlegt oder ist es auch in einem Test verständlich, wenn man bei einem solchen Zwischenstand den Fuß etwas vom Gas nimmt?

Zur Halbzeit haben wir dreimal gewechselt, in der 60. Minute kamen noch einmal vier neue Spieler rein. Das hat dem Spielfluss sicherlich einen Abbruch getan. Dennoch hätte ich mir gewünscht, dass gerade diejenigen, die reinkommen, dort anknüpfen. Aber das sind das dann auch wieder Erkenntnisse für mich: Wie sehr bietet sich der Einzelne an? Wie weit ist er vom Fitnesszustand?

Worauf liegt denn Ihr Fokus während der Vorbereitung? Das Vertiefen bestehender Automatismen aus der Hinrunde oder werden neue Dinge eingeübt?

Durch die lange Winterpause fängt man natürlich erst einmal bei den Grundlagen an. Darüber hinaus studieren wir in den sechs Wochen Vorbereitung aber auch Neues ein. Ich hatte im Urlaub Zeit, um mir ein zusätzliches System zu überlegen; einfach um auf die Gegner reagieren zu können, aber selbst auch aktiver zu werden. Was uns in der Hinrunde noch etwas gefehlt hat, ist das Angriffspressing und das Gegenpressing aus dem neuen System heraus und das ist das, worauf ich das Hauptaugenmerk lege.

Neue Lösungen für Probleme, ein Mateusz Szalek, der sich inzwischen voll und ganz ans neue Umfeld gewöhnt haben dürfte und dazu die vielen jungen Spieler, die weiter gereift sind. Muss die Konkurrenz fürchten, dass Neustadt in der Rückrunde der Landesklasse noch stärker ist?

Ich sehe das etwas anders. Die jungen Spieler müssen erst einmal mit dieser Situation umgehen. Das hat man schon im letzten Hinrundenspiel in Teichel gemerkt. Harter Wind kommt auf uns zu und die Mannschaften treten gegen uns schon etwas anders auf. Ich appelliere immer, dass sich die Spieler vorstellen sollen, wie motiviert sie sind, wenn sie gegen höherklassige Gegner oder den Tabellenführer spielen und so werden die Gegner gegen Blau-Weiß Neustadt auftreten. Eine Dominanz sehe ich da bei Weitem noch nicht.

Apropos höherklassig: Gleich vier der Neustädter Testspielgegner sind Verbandsligisten. Ist das schon einmal eine kleine Einstimmung auf die kommende Saison?

Nein. Für mich hat sich in den letzten Jahren – nicht nur bei Neustadt sondern auch bei anderen Vereinen – gezeigt: Es bringt einfach mehr, wenn man gefordert wird. Ich kann mich noch erinnern, dass wir letztes Jahr gegen Wismut Gera II 12:0 gewonnen haben. Das bringt keinen weiter. Dann lieber gegen einen höherklassigen Gegner eine Niederlage eingesteckt. So erkennt man besser die Fehler und kann daran arbeiten.

Eine Neustädter Besonderheit zu dieser Jahreszeit ist der Karneval, der doch recht ausschweifend gefeiert wird. Stört Sie es, wenn der Fußball darunter leidet oder haben Sie sich inzwischen daran gewöhnt?

Das erste Jahr war das ganz schwer für mich. Ich habe es einfach nicht verstanden. Ich hatte glaube sogar ein Trainingslager angesetzt und egal ob Verantwortliche, Vorstand oder Spieler: Mir wurde gesagt, dass das überhaupt nicht geht. Ich war einmal bei so einer Veranstaltung dabei und es ist für die Neustädter schon etwas Besonderes. Es sind allerdings nur noch zwei Spieler aus unserem Kader aktiv im Karnevalsverein dabei. Insofern ist es entspannter geworden und ihr Bierchen trinken die Spieler nicht nur zum Fasching, sondern auch unter der Saison.

Am Karnevalswochenende, dem vor dem Rückrundenauftakt, ist dennoch kein Spiel angesetzt. Ist es nicht problematisch, gerade dann den Spielrhythmus zu verlieren?

Es ist schwierig, einen Gegner zu finden, da unsere Liga als letztes beginnt und die anderen schon im Punktspielbetrieb sind. Das Problem haben auch andere Vereine. Wir werden auf alle Fälle spielen, selbst wenn es ein interner Test wird. Wir hoffen, dass wir – vielleicht durch einen Spielausfall – noch kurzfristig einen Gegner finden.

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