Als der Schnauzer dran glauben musste

Eisenach  Als Spätstarter hat sich Jürgen Beck beim ThSV Eisenach zum Führungsspieler entwickelt. Unvergessen ist der Aufstieg 1996/97. Heute wird der damalige Kapitän 60.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Was waren das für Zeiten. Eine Stadt, eine Region, ganz Thüringen war im Handballfieber. In der Saison 1996/97 schickt sich der ThSV Eisenach an, in die erste Handballbundesliga aufzusteigen.

Das Fernsehen berichtete an einem Samstagabend zu bester Fernsehzeit live aus der Werner-Aßmann-Halle. Rechtsaußen Jürgen „Bongo“ Beck führte im bereits gereifteren Handballalter als Kapitän das Eisenacher Team in der entscheidenden Partie gegen Melsungen aufs Parkett. Nach den siegreichen, den Aufstieg bedeutenden 60 Minuten musste „Bongos“ Schnauzer unter großem Gejohle seiner Mannschaftskameraden dran glauben. Der Bart ist nachgewachsen. Er gehört noch immer zum Markenzeichen des Aufstiegskapitäns, der heute seinen 60. Geburtstag feiert.

Jürgen „Bongo“ stammt aus einer sportbegeisterten Familie. Sein Vater Herbert Beck war ein um Eisenach als „Bongo“ bekannter Amateurboxer und Handball-Fan. Unter dem Nicknamen des Vaters entwickelte sich Jürgen Beck zu einem bekannten Handballer, der später ehrenamtlich im Aufsichtsrat saß, als Co-Trainer am Ball blieb und als Interimstrainer in turbulenter Zeit das Team übernahm.

Seine Laufbahn begann Jürgen Beck in der Leichtathletik, er besuchte die Sportschule in Erfurt und wurde 1974 DDR-Vizemeister im Zehnkampf. Später schloss er eine Lehre zum Fahrzeugschlosser mit Abitur im Automobilwerk ab und arbeitete dort. Frieder Singwald aus der Motor-Mannschaft von 1958, die deutsche Feldhandballmeisters wurde, begeisterte Jürgen Beck für den Handball.

„Durch seine sehr gute Ausbildung an der Sportschule im athletischen Bereich und durch die Leichtathletik hatte Jürgen ausgezeichnete Voraussetzungen für Handball. Deshalb konnte er als Spätstarter eine bemerkenswerte Laufbahn erreichen“, sagt Hans-Joachim Ursinus mit Blick zurück. Über Jahrzehnte hatte er die Motor-Handballer trainiert und Jürgen Becks Weg bereitet.

Unter Ursinus, der ebenfalls als Leichtathlet zum Handball gekommen war, schaffte „Bongo“ 1977 den Anschluss an das Erstligateam. Mit Dietmar Aust bildete er eine pfeilschnelle Flügelzange, die mit zum Teil akrobatischen Sprungwürfen auffiel. Mit Jürgen Beck, zeitweise als Kapitän, wurde Eisenach zur besten BSG-Mannschaft der damaligen DDR-Oberliga und zweimaliger Pokalendrunden-Finalist. Fast zwangsläufig durch die außergewöhnlich guten Leistungen folgte 1985 die Berufung in die DDR-Nationalmannschaft.

Eine Verletzung zwang Jürgen Beck kürzer zu treten. Mit der Wende brachen neue Zeiten an. „Handball spielte plötzlich eine Nebenrolle“, erinnert sich Rainer Osmann. Der Beruf stand im Vordergrund. Er und Jürgen Beck orientierten sich neu. Beck spielte in Eschwege, Osmann ar­beitete als Spielertrainer in Ober­suhl. „Als 1992 der Handball in Eisenach am Boden lag, überzeugte mich der Vorstand, nach Eisenach zurückzukehren. Wir schafften gerade so den Klassenerhalt in der 2. Bundesliga“, so Osmann. „Mein erster Schritt war es, Jürgen Beck zur Rückkehr zu bewegen.“ „Bongo“ nahm ab der Saison 1993/94 als Co. auf der Bank Platz, griff als Rechtsaußen aber weiter an.

Mit viel Herz und wenig Geld spielte Eisenach drei Jahre in der zweiten Liga. Bis Rainer Osmann den 37-jährigen Rechtsaußen und Co. für das Projekt erste Bundesliga zum Kapitän ernannte – und der Schnauzer dran glauben musste.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Zu den Kommentaren