Thüringer HC ruft in der Corona-Krise zum Zusammenhalt auf

Erfurt.  Für den Handball-Bundesligisten Thüringer HC wachsen die Sorgen.

Ausweg: Der siebenfache deutsche Meister sehnt sich Spielbetrieb herbei. Wann das sein wird, ist ungewiss.

Ausweg: Der siebenfache deutsche Meister sehnt sich Spielbetrieb herbei. Wann das sein wird, ist ungewiss.

Foto: Sascha Fromm

Spiel- und Trainingsbetrieb ruhen. Zur Ruhe aber kommt Maik Schenk nicht. Vor dem Geschäftsführer und den Gesellschaftern des Thüringer HC stapeln sich Aufgaben. Mit ihnen wachsen infolge der Corona-Krise beim Handball-Bundesligisten die Sorgen. Im Zuge der Ungewissheit gilt es, den Kopf über Wasser zu behalten.

Das Zauberwort heißt Konjunktiv. Worauf auch immer die Sprache kommt, Maik Schenk spricht in der Möglichkeitsform. Zu viel ist unklar, wie und vor allem wann es mit einem sportlichen Alltag weitergehen könnte. Abhängig ist davon so ziemlich alles, was die Planung und Handhabung beim Handball-Bundesligisten betreffen. Im Moment weiß er nur eines: Der Verlust, mit dem es irgendwie klarzukommen gilt, wird erheblich, aber derzeit nicht bezifferbar sein.

Fünf Heimspiele hätten die Thüringerinnen noch austragen müssen, bevor die Handball-Bundesliga Mitte März die Saison für beendet erklärt hatte. Die ausfallenden Einnahmen pro Spiel bewegen sich um die 25.000 bis 30.000 Euro. „Wir haben zwar auch keine Ausgaben. Aber ein fünfstelliger Verlustbetrag schlägt locker für jedes ausgefallene Spiel zu Buche“, erklärt Schenk. Entsprechend werben er, die Gesellschafter und Trainer Herbert Müller im Verbund dafür, dem Verein zu helfen und von Rückforderungen in Zusammenhang mit der verkürzten Saison abzusehen. Auch die Förderer haben meist Verträge für 13 Heimspiele und nicht für acht.

„Behaltet das Geld“, hat Maik Schenk mehrfach gehört und ist dankbar. „Der Großteil ist sehr, sehr solidarisch“, sagt er und schließt besonders auch viele Fans mit ein. Mit einem Video-Appell hat Herbert Müller vor kurzem speziell bei den Besitzern von Dauerkarten darum geworben, die Einnahmen im Verein zu belassen, damit er nicht in Schieflage gerät. „Jetzt ist Zusammenhalt gefragt“, rief er die THC-Familie aufgrund der wegbrechenden Einnahmen zur Solidarität auf. Als Dank soll im Dezember in der neuen Salzahalle in Bad Langensalza mit einem Allstar-Team mit den Fans gefeiert werden.

Soweit möchte Schenk momentan nicht vorausdenken. Viel Energie ist gerade vonnöten, um, wie er sagt, „über Wasser zu bleiben“. Gespräche sind zu führen, und trotz allem Rechnungen zu zahlen. Berufsgenossenschaft, Miete für die THC-Geschäftsstelle, Nebenkosten für Wohnungen – Zahlungen sind fällig, auch wenn für die Mannschaft Kurzarbeit beantragt worden ist.

Mit jedem Tag Stillstand im Zuge der Schutzmaßnahmen wird es nicht einfacher. Insbesondere deshalb, weil manche Sponsorengelder an die Spieltage gekoppelt sind und noch ausstehen. Die Unternehmen leiden ebenso unter der Krise. „Da gibt es den einen oder anderen, der sagt: Es geht nicht“, sagt Schenk.

Er kann es verstehen. Der Bad Langensalzer ist selbst unternehmerisch tätig. Sein Laden muss zu bleiben. Seine Arbeit, vor allem bürokratischer Natur, die trotz null Einnahmen zu erledigen ist, hat er nach Hause verlegt, Kosten laufen weiter. Auch für den Thüringer HC. Der muss zudem gewappnet sein, sollte das für Ende Mai zunächst abgesagte Final Four um den DHB-Pokal noch austragen werden.

Ein Denkmodell: Final Fourzu Beginn der neuen Saison

„Wir prüfen, ob ein Ausweichtermin möglich ist“, erklärt Christoph Wendt. Der Geschäftsführer der Handball-Bundesliga Frauen fügt an, dabei viele Szenarien durchzuspielen. „Wir machen uns Gedanken, ob das Final Four zu einem späteren Zeitpunkt, zum Start etwa der neuen Saison ausgetragen werden kann“, reißt er eine Idee an. „Wir müssen uns mit vielen Denkmodellen auseinandersetzen.“

Sportlich ist der Wert des Viererturniers in der abgebrochenen Saison ohne Meister wohl überschaubar. Wirtschaftlich aber ist die Bedeutung enorm. Die Handball-Bundesliga der Frauen bestreitet daraus einen Teil ihres Budgets. Es ist so etwas wie das Hauptevent. „Wir haben entsprechende Einnahmen eingeplant“, so Wendt, „aber wir werden nicht existenziell bedroht sein“. Geisterspiele sind keine Option.

Fiele das Finale Four aus, fürchtet Maik Schenk, dass sich die das auch auf die derzeit stark belasteten Vereine auswirkt. Die Planungen gestalten sich derweil bereits schwierig genug. „Wir müssen weiter versuchen, eine schlagkräftige Mannschaft aufzustellen. Andererseits sind wir nicht in der Lage, Nägel mit Köpfen zu machen“, weiß er um das Hemmnis durch die fehlende Planungssicherheit.

„Niemand kann sagen, wie lange sich das noch hinzieht“, meint Maik Schenk in der Erwartung, dass zunächst die beantragte Soforthilfe schnell greift. Und in der Hoffnung auf Normalität, auf Alltag, auf die Aussicht, dass irgendwann wieder gespielt werden. Und das aber nicht erst im Winter. „Neun Monate Stillstand – ich wüsste nicht, wie wir das überstehen sollten“, so Schenk.