Handball: Eine der besten deutschen Kreisspielerinnen und ihr wahr gewordener Traum

Erfurt  Der Bundesliga-Auftakt des Thüringer HC führt Handball-Nationalspielerin Maike Schmelzer zu ihren Anfängen zurück.

Im Anflug: Meike Schmelzer hat sich im Trikot des Thüringer HC zu einer der besten deutschen Kreisspielerinnen entwickelt.

Im Anflug: Meike Schmelzer hat sich im Trikot des Thüringer HC zu einer der besten deutschen Kreisspielerinnen entwickelt.

Foto: Sascha Fromm

Bundesliga, Pokal, EHF-Cup: Der Tanz auf drei „Hochzeiten“ für den siebenmaligen deutschen Handball-Meister Thüringer HC beginnt. Meike Schmelzer hat die Vorfreude gepackt. Ihre Reise in die Zukunft führt die Kreisläuferin jedoch zunächst in die Vergangenheit.

Freunde werden da sein, die Familie wird natürlich ebenfalls in die Halle des Gymnasiums Oberstadt kommen. „Ich freue mich schon sehr darauf“, sagt Meike Schmelzer vor dem Bundesliga-Start des THC beim FSV Mainz am Samstag (19 Uhr). Der Neuling aus Rheinhessen ist ihr Heimatverein. Sieben Jahre verbrachte sie dort. In der dritten und dann in der zweiten Liga mit Zweitspielrecht für den Erstligisten Koblenz/Weibern ist sie gereift, bis Herbert Müller auf die Kreisläuferin aufmerksam wurde. Umso mehr ist sie gespannt vor ihrem Heimspiel.

Die Halle des Gymnasiums wird eine andere sein als die nur wenige Meter entfernt liegende Gustav-Stresemann-Halle von einst. Mit Torfrau Kristin Schäfer und der zuletzt verletzten Kreisläuferin Janka Bauer sind zwei Spielerinnen noch aktiv, mit denen Meike Schmelzer ei­nen Teil ihrer Jugendzeit verbrachte. Das Wiedersehen macht Freude. Die Rollen sind klar verteilt: Für den Pokalsieger aus Thüringen zählen allein zwei Punkte.

Kämpferische, intelligente und bodenständige Art

Fünf Jahre ist es her, dass Meike Schmelzer zum THC gekommen ist. Ein Riesenschritt vom Zweitligisten zum deutschen Meister. Und noch immer fühle sich der Weg für die 26-Jährige wie ein wahr gewordener Traum an. Erste Bundesliga und dann noch beim Meister, Champions League als Zugabe und als i-Tüpfelchen Nationalmannschaft. „Davon habe ich als kleine Mädchen geträumt“, sagt sie und erinnert sich an den Anruf vom THC-Trainer: „Hallo, hier ist Herbert Müller… Da ging der Herzschlag nach oben.“

Den Vertrauensvorschuss hat die aus Ingelheim kommende Kreisspielerin längst zurückgezahlt, spielte sich über Linksaußen in den Stamm am Kreis. „Sie hat vom ersten Tag an sehr viel Freude gemacht“, erzählt der THC-Coach. An der durchsetzungsstarken Frau schätzt er die kämpferische, intelligente und bodenständige Art. Er spricht von einer Einstellung, die man sich als Trainer nur wünschen könne. Sie habe die Rolle als damalige Nummer drei freudig angenommen. Einfach ist das für die junge Frau seinerzeit nicht gewesen. Auf der Rückfahrt nach dem ersten Training in Erfurt habe sie „ganz schön gezweifelt“, räumt sie mit dem Blick zurück ein. Der Gedanke, jeden Tag zu trainieren, war neu. Doch eine Sache ließ sie nicht los. Die, so eine Chance vielleicht nur einmal zu bekommen. Einmal beim Meister zu spielen, daran hat sie zuvor nicht im Traum gedacht.

Meike Schmelzer nutzte die Chance. Beim THC ist sie feste Größe und mit Josefine Huber Teil eines „herausragenden Paares“ am THC-Kreis, wie Müller findet. Und sie stützt den Verein. Nach ihrem Bachelor in Sportmanagement und Wirtschaftswissenschaft hilft sie als Assistentin der Geschäftsführung. 46 Einsätze für die deutsche Nationalmannschaft sprechen sportlich außerdem für sich. Umso größer sind die Erwartungen, die sie mit der neuen Saison verbindet. Weitere Trophäen zu gewinnen steht nach sieben mit dem THC gewonnenen Titeln in fünf Jahren ganz oben. Niederlagen wie im Supercup vor einer Woche tun da besonders weh. „Umso motivierter sind wir für diese Woche“, kündigt sie an.

Vergebene Möglichkeiten

Wie das Supercup-Duell verloren gegangen ist, hat Trainer Herbert Müller selbst nach der Video-Analyse noch einmal sehr beschäftigt. „Die Gründe sind oft vielschichtiger, als man denkt“, sagt er im Rückblick. So spannend das Duell gegen Bietigheim in seiner finalen Dramatik auch war und so knapp der THC beim 26:27 (12:10) auch verlor, so sehr schmerzte sie am Ende doch: Die vergebenen Möglichkeiten, im Vorpausen-Hoch mit mehr als zwei Toren Vorsprung in die Pause zu gehen; später die Probleme gegen die Bietigheimer Holland-Fraktion um Maura Visser, die zuweilen unglücklichen Entscheidungen der Referees mit 2:7-Siebenmetern, Schrittfehlern und Zeitstrafen – alles gegen den THC; und dann noch das Pech, dass Emily Bölks finaler Freiwurf von Lattenunterkante ins Feld sprang. Einiges kam zusammen, alles Geschichte. „Das soll nichts daran ändern, dass Bietigheim verdient gewonnen hat“, schließt Herbert Müller das Thema.

In Zusammenhang mit dem Ligastart gewinnt er der Niederlage sogar eine positive Seite ab. Die größte Gefahr sieht er in dem Spieltag an sich. Für Mainz sei es das Spiel des Jahres. Die Euphorie ist dort groß nach dem Aufstieg. „Wir spielen in einer kleinen Halle, aber die wird brennen“, ahnt Müller. Seine Forderung ist klar: „Wir müssen mit dem nötigen Ernst reingehen und von Beginn an keine Zweifel aufkommen lassen.“

Meike Schmelzer hat nichts anderes vor. „Die Mainzer haben vor einigen Jahren begonnen, etwas aufzubauen“, sagt sie. Dass sie jetzt in der Bundesliga spielen, sei „sehr, sehr schön für die Region“. Die Verbundenheit ist im Herzen ist groß. Auf dem Feld wird sie 60 Minuten ruhen.

FSV Mainz – Thüringer HC, Sa., 19 Uhr, Gymnasium Oberstadt

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