THC-Torhüterin Jana Krause: Eine Frau für alle Fälle

Erfurt.  Auf Jana Krause ist Verlass. Ruft der Thüringer HC, ist die Torhüterin zur Stelle. Egal, wie weit der Weg ist.

Anja Krause (Archivbild).  

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Foto: Christoph Keil

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Komplizierte Fälle haben es Jana Krause angetan, als angehende Polizei-Kommissarin von Berufswegen schon. Für einen kniffligen Fall des Handball-Bundesligisten Thüringer HC ist sie selbst die Lösung. Nach dem Karriereende im Mai rückt die Torhüterin wieder auf die Bank, um den verletzungsbedingten Ausfall von Marie Davidsen im THC-Kasten zu kompensieren.

Plötzlich ist sie wieder da, als wäre sie nie weggewesen. Dieser entschlossene Blick, die Hände hoch, zur Faust geballt, als Emily Bölk am vergangenen Sonntag gut zwei Minuten vor Schluss das so wichtige 26:23 wirft. Der Sieg des Thüringer HC im EHF-Cup gegen Türkei-Meister Kastamonu ist sicher – und Jana Krause, 32, ganz die Alte. Das Feuer für Handball war nie ganz aus, seit sie ihren Abschied erklärte. Seit Sonntag brennt es wieder.

Das am Ende mit 27:24 gewonnene Spiel in Nordhausen hat die 32-Jährige durchweg von der Bank verfolgt. Am Samstag wird sie wieder darauf Platz nehmen, um im Fall der Fälle einspringen zu können. Von Hamburg fliegt sie nach Ungarn. Beim zweimaligen EHF-Cup-Sieger Debrecen bestreitet der THC sein drittes Gruppenspiel (15 Uhr) und könnte einen riesen Schritt Richtung Viertelfinale gehen.

Vier Torhüterinnen für die internationalen Spiele angemeldet

Wie Manager Maik Schenk ist auch Trainer Herbert Müller extrem froh, dass Jana Krause noch einmal die Belastung und die weiten Wege auf sich nimmt. In der vergangenen Saison ist sie von Köln aus, wo die Bundespolizistin im Ausbildungseinsatz war, über fast ein halbes Jahr lang oft gependelt, um der Mannschaft helfen zu können. Nun heißt es, noch weiter zu fahren. Seit Januar sitzt sie in Lübeck im Hörsaal. Das anderthalbjährige Hauptstudium hat dort begonnen.

Eine andere Lösung als die groß gewachsene Blondine hätten die Thüringer derzeit nicht in petto. Sicherheitshalber meldete Schenk vier Torhüterinnen bei der Europäischen Handball-Föderation (EHF) für die internationalen Spiele an, inklusive Jana Krause und der Nachwuchs-Keeperin Laura Kuske. Die 18-Jährige ist indes ebenso verletzt wie Marie Davidsen, die sich im Pokalspiel beim TSV Nord Harrislee die Hand beim Zusammenprall mit dem Pfosten gebrochen hat. Ei-ne Nachmeldung für den EHF-Cup sei erst ab dem Viertelfinale wieder möglich, so Schenk.

Lange haben Herbert Müller und er Jana Krause nicht bitten müssen. Ein Anruf vom Trainer am vergangenen Donnerstag hat genügt. „Das hätte ich für niemand anderen gemacht als für den THC“, sagt die 32-Jährige. Ihr Hilfseinsatz reduziert sich notgedrungen auf die Wochenenden. „Zu den Mittwochspielen zu kommen ist unmöglich. Da kann ich mir die Beine rausreißen, das funktioniert nicht“, erklärt sie. Der Dienst in Lübeck geht bis 17.30 Uhr. Zu spät, um noch abends in Erfurt oder anderswo in der Halle zu sein.

Lösung für den „absoluten Notfall“

Bis Ende Februar stehen vier Bundesliga-Partien jeweils an einem Mittwoch an. Eine an einem Freitag, dem 31. Januar, bei Leverkusen, bis Marie Davidsen zurückkehren könnte. Der Verein geht von noch fünf Wochen aus, ehe die Norwegerin wieder mittrainieren kann. „Ich hoffe, dass Marie schnell wieder fit ist“, meint Krause. Sie versteht sich als Lösung für den „absoluten Notfall“ und hat keine Sekunde gezögert. „Wenn Herbert anruft, bin ich da“, sagt die ehrgeizige Frau, ohne Ansprüche anzumelden, „ich versuche, Anca so gut es geht zu un-terstützen“. Sie sieht sich als Stütze von Ann-Cathrin Giegerich, die gegen Kastamonu am Sonntag einen starken Rückhalt bot.

Nach zwei Wirtschaftsabschlüssen (Bachelor und Master) und dem neu eingeschlagenen Weg bei der Bundespolizei hat Jana Krause inzwischen ganz gut die Hand vom Handball lassen können. Wenn auch mit Abstrichen.

Während ihres Praktikums am Erfurter Bahnhof im Oktober und November unterstützte sie Torwart-Coach Helfried Müller im Training. „Aus Spaß, ohne Zwang“, wie sie betonte. Der Kontakt zu den Spielerinnen ist ihr nach wie vor wichtig, genauso wie das Umfeld im Herzen Thüringens. „Wenn ich von der Autobahn komme und in die Stadt fahre, fühle ich mich wie zu Hause“, meint die gebürtige Münchnerin. Mit 16 ist sie weg aus der bayrischen Metropole. In der Thüringer Landeshauptstadt ist sie seit sieben Jahren, hat eine Wohnung und pendelt von den Küste – schon wegen ihres Partners – so oft es geht.

Lübeck - Erfurt, die gut 450 Kilometer fahren sich aber eben mal nicht so schnell, um mit dem Team trainieren zu können. Ehrgeizig wie sie ist, aber übt sie für sich. Um nicht nur da, sondern auch eine Hilfe zu sein, wenn es hart auf hart kommt. Jana Krause, eine für alle Fälle.

THC nach Sieg gegen Göppingen nun Dritter

Auch wenn die Verletzungsmisere anhält, setzten die THC-Handballerinnen ihre Erfolgsserie fort. Nach zwei Siegen im EHF-Cup und dem Einzug ins Final Four des DHB-Pokals entschieden sie das erste Bundesligaspiel im neuen Jahr für sich. Vor 846 Zuschauern schlug der THC am Mittwoch Göppingen 34:23 (20:14) und schob sich auf Rang drei. Ohne Iveta Koresova, die wegen Schulterproblemen die Verletztenliste anwachsen ließ, gab sich der Favorit trotz einiger Makel keine Blöße. Beate Scheffknecht lenkte das Spiel und warf sich gegen ihren Ex-Verein mit neun Toren ins Blickfeld.

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