HBV Jena 90: Pflicht und Vertrauen

Dreimal die Woche trainieren die Handballer des HBV Jena individuell während des Lockdowns. Vertragsauflösung mit Torhüter Michael Galia.

Vertraut seinen Handballern: HBV-Manager Sergio Casanova. 

Vertraut seinen Handballern: HBV-Manager Sergio Casanova. 

Foto: Peter Poser

Jena. Pflicht – das ist das erste Wort, auf das Sergio Casanova während des Gesprächs zurückgreift. Mit jenem Grundbegriff aus der Ethik verweist er auf die Handballer des HBV Jena 90, die während des Lockdowns dreimal in der Woche Sport machen müssen. Kraft, Ausdauer oder was auch immer – das sei egal, Hauptsache dreimal Sport. „Am Ende der Woche müssen sie den Trainer über ihre Aktivitäten informieren“, berichtet Casanova, der dann wiederum von Coach Svajunas Kairis ins Bild gesetzt wird.

Der Manager des HBV Jena räumt jedoch ein, dass man letztendlich nicht überprüfen könne, ob denn die Angaben in Sachen Training auch stimmen würden. Deswegen gesellt sich zu der von Casanova zu anfangs beschworenen „Pflicht“ auch noch das Wort „Vertrauen“. „Wir müssen ihnen einfach vertrauen“, sagt der Manager, der jedoch davon ausgeht, dass seine Handballer ihrer Pflicht nachkommen. „Sie werden das schon machen.“

Natürlich nutzt man auch bei der „Gang von der Saale“ in diesen schwierigen Tagen die modernen Kommunikationsmittel. Einmal im Monat würden sich Trainer, Spieler und eben auch der Manager per Videokonferenz zusammenschalten, um über die Entwicklungen in der Mitteldeutschen Oberliga und sportliche Belange zu sprechen.

„Die Verantwortlichen der Mitteldeutschen Oberliga hoffen, dass wir den Spielbetrieb Anfang März wieder aufnehmen können“, sagt Sergio Casanova, der jedoch so seine lieben Zweifel daran hat, dass der Ligabetrieb zu jenem Zeitpunkt wieder anlaufen wird. So oder so, der Verband sieht vor, dass zumindest die Hinrunde im Frühjahr noch zu Ende gespielt werden soll.

Die Handballer aus der Universitätsstadt rangieren derzeit auf dem vorletzten Tabellenplatz (16.) der Liga. Casanova gibt sich jedoch zuversichtlich, was den Ligaverbleib seines Teams betrifft. Zwar habe man von den fünf Partien vier verloren, habe aber auch ein Spiel weniger als ein Großteil der Konkurrenz absolviert. „Alles geht sehr eng zu, mit zwei Siegen am Stück kann das alles schon wieder ganz anders aussehen“, so der Manager, dessen Team noch elf Partien in der ausstehenden Hinrunde absolvieren muss.

Da das kleine Leder nun schon seit geraumer Zeit ruhen muss, verzichten die Handballer aus Jena zudem auf einen Teil ihres Gehaltes, berichtet Sergio Casanova.

Mit dem zweiten Lockdown Anfang November gab es beim HBV Jena auch eine personelle Veränderung. Im gegenseitigen Einvernehmen wurde der Vertrag von Torhüter Michael Galia aufgelöst. Der 47-Jährige pendelte stets zwischen seinem tschechischen Heimatort in der Nähe der Grenze und Jena hin und her, was in Zeiten von Corona das eine oder andere Problem mit sich brachte. Stichwort: Corona-Test. „Der Aufwand wurde mit der Zeit immer größer. Er musste immer wieder getestet werden und benötigte immer ein Hotelzimmer, bis das Ergebnis aus dem Labor vorlag“, berichtet Casanova.

Doch es gibt bereits einen Ersatz für Michael Galia, hat man doch mit Roman Schäfer einen neuen Keeper verpflichten können. Der 26-jährige Student aus Erfurt verfügt über Oberliga-Erfahrung, spielte unter anderem in Werratal, Eisenach, Coburg und beim VFL Lichtenrade 1894 (Oberliga Ostseespree). „Wir brauchten einen weiteren Torhüter, da Istvan Lengyel aufgrund einer Verletzung noch nicht in Gänze fit ist“, sagt der Manager. Die Last zwischen den Pfosten hätte in der Vergangenheit hauptsächlich auf den Schultern von Thomas Haugk geruht, betont Casanova. Haugk wiederum habe seine Sache gut gemacht – klingt irgendwie nach „Pflichterfüllung“.