Heiligenstadts Keeper Sternadel: Privates Glück, sportliche Misere

Küllstedt.  Sportlich nicht gut läuft es es für Torwart Christoph Sternadel derzeit beim SC Heiligenstadt. Dafür hat er aber privat sein Glück gefunden.

Stets zuverlässig zur Stelle: Heiligenstadts Torwart Christoph Sternadel, hier im Landespokal-Erstrundenspiel gegen Rot-Weiß Erfurt.

Stets zuverlässig zur Stelle: Heiligenstadts Torwart Christoph Sternadel, hier im Landespokal-Erstrundenspiel gegen Rot-Weiß Erfurt.

Foto: Frank Steinhorst

In einem Wechselbad der Gefühle befindet sich momentan der Küllstedter Christoph Sternadel. Privat schwebt der Mitarbeiter der Stadtverwaltung Göttingen auf Wolke sieben, heiratete jüngst seine langjährige Freundin Lisa und feierte zeitgleich seinen 30. Geburtstag.

Sportlich macht sich der Schlussmann des Fußball-Verbandsligisten SC Heiligenstadt, der zu den besten in der höchsten thüringischen Spielklasse gehört, dagegen einige Sorgen Seine Elf, die seit vielen Jahren dem Thüringer Oberhaus angehört, kommt in der laufenden Saison 2020/2021 einfach nicht in die Gänge.

„Es musste etwas geschehen“

Nach neun Begegnungen sind die Kicker aus der Kreisstadt bei sechs Unentschieden und drei Niederlagen auf den 16. und damit drittletzten Tabellenplatz abgerutscht, nehmen damit zurzeit einen Abstiegsrang ein. Dabei kassierten die Obereichsfelder nur zehn Gegentreffer, stellen damit die drittbeste Abwehr hinter dem SV Arnstadt und Aufsteiger FC Erfurt Nord.

Folglich reagierte der Vorstand des Eichsfelder Traditionsklub vor zwei Wochen nach dem blamablen Aus in der zweiten Runde des Landespokals beim Landesklassenteam Fortuna Kaltennordheim in der Rhön, entband Trainer Ronny Löwentraut, der zu Beginn des Spieljahres 2019/2020 sein Amt im Gesundbrunnenstadion übernahm, von seinen sportlichen Aufgaben. „Es musste etwas geschehen, es gab keine Alternative“, erklärt Sternadel, bedauert aber aus menschlichen Gründen die Entwicklung.

Seit acht Jahren zwischen den Pfosten

Der Torhüter, der seit acht Jahren bei den Heiligenstädtern zwischen den Pfosten steht und neben Mannschaftskapitän Sebastian Möhlhenrich und Innenverteidiger Martin Heinevetter zu den dienstältesten Spielern zählt, profitierte von der durch Löwentraut initiierten Verpflichtung des Torwarttrainers Veit Reißland. „Von seinem individuellen Training habe ich sehr profitiert, er hat auch sofortige Fehlerkorrekturen vorgenommen“, erklärt der Südeichsfelder.

Vorerst übernimmt erneut der bisherige Co-Trainer Daniel Papst – agierte schon vor zwei Jahren als Interimscoach – die Verantwortung an der Leine. „Er kennt uns natürlich gut, hat noch mit einigen von uns zusammengespielt“, berichtet Sternadel und hofft auf eine baldige Besserung mit dem ersten Sieg und dem Klassenerhalt zum Saisonende.

Der engagierte Torwart, der aufgrund seiner doppelten Feier das erste Spiel unter Papst in Weida (1:2) verpasste, bedauert das derzeitige vierwöchige Sportverbot im Freistaat. „Mir fehlt das ständige Training und die Spiele am Wochenende“, bemerkt der Fußball-Enthusiast und hofft inständig auf die Fortsetzung der Punktspiele Anfang Dezember.

Bis dahin werden er sowie seine Teamkameraden sich individuell in häuslicher Umgebung mit einem speziellen, von Papst vorgegebenen Programm unter anderem mit Krafttraining und Läufen fit halten für den ersehnten Restart im kommenden Monat.

Jugend beim SC Leinefelde verbracht

Der 30-jährige gebürtige Küllstedter durchlief die gesamte Jugend beim SC Leinefelde, bewies schon früh sein großes Talent zwischen den Pfosten und kickte auch ein Jahr als Keeper bei einem Schüleraustausch des Dingelstädter St. Josef-Gymnasiums mit einer Partnerschule in Rußland.

Im Männerbereich hütete Sternadel das Gehäuse des SV Dingelstädt, Union Mühlhausen und Eintracht Sondershausen unter dem Leinefelder Coach Thomas Stang, bevor er am 1. Januar 2012 zum SC Heiligenstadt wechselte.

„Unser Vorteil ist, dass wir schon seit einigen Jahren ohne große Veränderungen zusammenspielen“, erwähnt der Jungvermählte, sieht hierin Positives für den weiteren Verlauf der Saison. Er beklagt allerdings, dass allgemein im Fußball der Ehrgeiz bei etlichen Spielern nachlässt, sie sich leistungsmäßig nicht verbessern wollen, um ein höheres Niveau zu erlangen.

Trauung auf Burg Scharfenstein

Bereits seit zwölf Jahren kennt Christoph Sternadel seine geliebte Lisa, die aus Menteroda im Unstrut-Hainich-Kreis stammt und als Abteilungsleiterin bei der Sparkasse Eichsfeld in Leinefelde beschäftigt ist.„Leider konnten wir wegen Corona nicht in einem größeren Rahmen feiern“, betont er.

Dennoch schwärmt der Torwart von der idyllischen standesamtlichen Trauung auf Burg Scharfenstein und den anschließenden Feierlichkeiten im familiären Rahmen in der atmosphärischen, umgebauten Scheune in Küllstedt. Im kommenden Jahr soll dann unter besseren Bedingungen ohne Corona die kirchliche Zeremonie nachgeholt werden.

An eine Vergrößerung der Familie denken die glücklichen Eheleute momentan noch nicht. Sie wollen erst das nebenberufliche Studium – Lisa in Wirtschaftspsychologie, Christoph in Unternehmensführung – abschließen, sich erst danach dem gewünschten Nachwuchs widmen. „Aber der Fußball bleibt weiter ein wichtiger Bestandteil meines Lebens“, betont Christoph Sternadel und denkt dabei sicherlich auch an große Kollegen zwischen den Pfosten wie Gianluigi Buffon, Dino Zoff und Sepp Meier, die noch mit über 40 Jahren mit spektakulären Paraden glänzen oder glänzten.