Investoren von Rot-Weiß Erfurt stellen Strafanzeige gegen Insolvenzverwalter

Erfurt.  Beim FC Rot-Weiß Erfurt eskaliert die Lage und erschwert die Rettung. Das Tischtuch zwischen Insolvenzverwalter Volker Reinhardt und zwei der drei Investoren ist wohl endgültig zerschnitten.

Insolvenzverwalter Volker Reinhardt wurde von zwei der drei Investoren verklagt.

Insolvenzverwalter Volker Reinhardt wurde von zwei der drei Investoren verklagt.

Foto: Sascha Fromm

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Hinter den Kulissen des FC Rot-Weiß Erfurt brodelt es immer mehr und lässt die Rettung des Fußball-Regionalligisten in weite Ferne rücken. Inzwischen ist das Tischtuch zwischen Insolvenzverwalter Volker Reinhardt und zwei der drei Investoren wohl endgültig zerschnitten. Deren Auseinandersetzung wird juristisch fortgesetzt.

Hauptinvestor Andreas Scheibe von der ASGV Grundbesitz- und Verwaltungs GmbH aus Leipzig sowie Torsten Pfeifer (Millhouse Capital GmbH) als weiterer Investor haben Strafanzeige gegen Reinhardt gestellt, wie ein Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft unserer Zeitung bestätigte. Man prüfe die Vorwürfe der Investoren. Erst dann werde entschieden, ob ein Ermittlungsverfahren gegen Reinhardt eingeleitet wird. Zuerst hatte der MDR darüber berichtet.

Auch Klaus Neumann, der den Verein schon mehrfach vor dem Ruin gerettet hat und Ehrenpräsident ist, übte scharfe Kritik am Insolvenzverwalter. „Es kann nicht sein, dass Gelder der Investoren, selbst wenn es so in den Verträgen steht, für die Tilgung eines Massendarlehens verwendet werden und zur gleichen Zeit der Verein zugrunde geht“, sagte Neumann, der sich unter diesen Umständen nicht vorstellen kann, ein weiteres Mal persönlich finanziell auszuhelfen: „Diesem Mann gebe ich kein Geld mehr.“ Die Lage beim FC Rot-Weiß sei inzwischen weitaus schlimmer als zu Beginn des Insolvenzverfahrens vor fast zwei Jahren.

Reinhardt wiederum erhebt schwere Vorwürfe gegen Andreas Scheibe. „Der Hauptinvestor hat unter anderem eine Übertragung der Marken- und Namensrechte auf ihn persönlich angestrebt. Erst nachdem dies gescheitert war, hat er über Dritte seinen Rückzug verkündet. Die Vermutung liegt nahe, dass der Hauptinvestor davon ausgegangen ist, er könne mit den Rechten an der Marke RWE Geld verdienen“, erklärte Reinhardt.

Dass es zu einer Deckungslücke in dieser Saison kam, begründete er mit dem geringeren Kartenverkauf. Im November kamen gegen Altglienicke nur noch 2575 Fans ins Steigerwaldstadion. Das waren so wenige wie noch nie seit dem Abstieg in die Regionalliga im Jahr 2018. Deshalb sei der Etat angepasst worden. „Über diese Entwicklung hat der Insolvenzverwalter die Investoren sofort informiert. Im Gegensatz zum Hauptinvestor waren andere Investoren offenbar bereit, die Deckungslücke zu schließen“, hieß es in einer Erklärung von Reinhardt.

Man habe die Investoren in regelmäßigen Abständen über den jeweiligen Stand der Ausgliederung der FC Rot-Weiß Erfurt Fußball GmbH beim Handelsregister informiert: „Durch die Intervention des Hauptinvestors wurde die Eintragung insgesamt hinfällig, womit die Ausgliederung letztlich scheiterte.“

Klaus Neumann sieht indes die Chancen für eine Rettung des FC Rot-Weiß immerhin noch bei 50:50. Inzwischen sei aber klar, dass ein siebenstelliger Betrag auf dem Tisch liegen muss, um den Spielbetrieb dauerhaft fortzuführen: „Eine Summe von 200.000 Euro hilft uns in der aktuellen Lage nicht weiter.“

Trotz seines Ärgers über die aktuelle Entwicklung will Neumann dabei mithelfen, den Verein zu retten. Man sei in Gesprächen mit Investoren und Sponsoren, das Schicksal des Vereins abzuwenden. „Vielleicht schaffen wir es, gegen Cottbus anzutreten. Jeder Tag, den wir überleben, lässt unsere Chancen steigen“, sagte der Ehrenpräsident.

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