Kevin Bakseev zieht Schlussstrich unter Judo-Laufbahn

Gotha.  Der Gothaer vom FSV galt als eines der größten Talente. Im Sommer kehrte der Gothaer seiner Sportart den Rücken.

Schlussstrich: Kevin Bakseev vom FSV Gotha sagte seiner Sportart mit 16 Jahren Adieu.

Schlussstrich: Kevin Bakseev vom FSV Gotha sagte seiner Sportart mit 16 Jahren Adieu.

Foto: Thomas Schauseil

Kevin Bakseev ist mit sich im Reinen. Seit ein paar Monaten besucht der 16-Jährige wieder das Arnoldi-Gymnasium in Gotha und hier die 11. Klasse. Das Abitur 2022 abzulegen ist das erklärte Ziel. Eines, welches er auf dem Sportgymnasium in Jena erst ein Jahr später hätte erreichen können. Ausschlaggebend für seine Entscheidung, nach drei Jahren wieder in die heimatlichen Gefilde zu wechseln, war diese Regelung jedoch nicht.

„Es waren viele kleine Dinge, die mich zu diesem Schritt veranlasst haben. Doch in der Summe waren sie größer als der Wunsch, weiter den Sport im Vordergrund zu behalten“, sagt der Gothaer. „Sein Sport“, das war über Jahre hinweg das Judo. Mit fünf Jahren unternahm er erste Versuche auf der Matte beim FSV 1950, viele Trainingseinheiten im Verein und den Leistungsstützpunkten sowie Turniere später erfolgte vor drei Jahren der Wechsel nach Jena.

Das große Talent, zuletzt in der Gewichtsklasse bis 60 kg startend, gehörte zu den besten Kämpfern in Mitteldeutschland. Selbst den bundesweiten Vergleich muss er nicht scheuen, auch wenn die im März ausgetragene deutsche Meisterschaft der U18 nicht nach seinem Wunsch verlief. In den Notizbüchern der Auswahltrainer war sein Name präsent.

In der Corona-Zwangspause die Lust verloren

Allerdings bremsten die Unwägbarkeiten des Lebens Bakseev aus. In seinem Fall ist es die Corona-Pandemie, die ihn über den bisherigen Lebensweg nachdenken ließ. Immer wieder stellte er sich die Frage, ob er sich auch weiterhin in aller Form dem Judo-Sport widmen möchte. Und je öfter die Frage in den Raum gestellt wurde, umso klarer reifte die Erkenntnis, dass die Antwort für ihn „Nein“ bedeutet.

„Ich habe in der Corona-Phase die Lust verloren“, sagt Bakseev ehrlich, um gleich hinzuzufügen: „Das war keine Entscheidung, die ich von heute auf morgen getroffen habe. Seit letztem November kamen diese Gedanken immer wieder in mir auf. Ich hatte zwar am 4. Juli noch einmal ein Gespräch mit allen Trainern. Aber mindestens drei Jahre weiter voll auf die 100 Prozent Sportleidenschaft gehen wollte ich nicht“, meint der 16-Jährige.

Unterstützend zu seiner Entscheidung kam hinzu, dass er nun eine Freundin hat und in der langen Corona-Zeit in seiner Heimatstadt sofort wieder Anschluss fand sowie neue Freundschaften schloss. „Ich wollte wieder nach Gotha. Man entwickelt auch andere Interessen und ich habe mich etwas hängen lassen. Ich mache Judo immer noch gerne und schaue sowohl in Gotha als auch in Jena ab und zu beim Training vorbei. Aber eine Rückkehr zur Leistungsebene wird es für mich nicht geben“, sagt Bakseev, der aber auch zugibt, dass diese Entscheidung so wohl nicht gefallen wäre, wenn es Corona nicht geben würde.

„Ihn hat das alles sehr mitgenommen. Über eine lange Zeit war nur Online-Training möglich. Das war nicht ganz so sein Fall. Ich finde es dennoch sehr schade, weil er nach wie vor einer der talentiertesten Kämpfer war“, sagt sein Gothaer Trainer Tobias Tejkl, der mit ihm ebenfalls mehrere Gespräche über die Situation führte.

Ob er den Entschluss nicht doch irgendwann bereut? „Natürlich vermisst man kleine Sachen. Die gegenseitige Motivation mit den anderen Kämpfern, das gegenseitige Anschreien, die Freundschaften – das war schon toll. Aber das Internat vermisse ich nicht“, befindet Bakseev. Gänzlich will er dem Sport natürlich nicht Adieu sagen. „Ich möchte gerne einmal andere Kampfsportarten ausprobieren. Aber zuerst brauche ich eine kleine Auszeit. Ich denke, die tut mir ganz gut.“