Lucas Fratzscher: „Ein paar Würste im Gepäck“

Oberhof.  Nach dem Gesamtsieg im IBU-Cup erhält der Oberhofer Lucas Fratzscher beim Biathlon-Weltcup in Kontiolahti eine Chance. Wir sprachen mit ihm über seine Ambitionen - und mehr.

Der Oberhofer Biathlet Lucas Fratzscher (25) kann sich erneut im Weltcup beweisen.

Der Oberhofer Biathlet Lucas Fratzscher (25) kann sich erneut im Weltcup beweisen.

Foto: Sascha Fromm

Mit dem 10-km-Sprint beginnt an diesem Donnerstag der Biathlon-Weltcup im finnischen Kontiolahti. Nach seinem IBU-Cup-Triumph rückt der Oberhofer Lucas Fratzscher (25) ins deutsche Team.

Ihr Gesamtsieg im IBU-Cup liegt keine Woche zurück. Hatten Sie mit einem solch schnellen „Aufstieg“ in den Weltcup gerechnet?

Gehofft hatte schon, noch auf ein paar Einsätze zu kommen. Dass es so schnell ging, freut mich natürlich. Ich will zeigen, dass ich auch unter den Besten bestehen kann.

Ein Punkt betrug Ihr Vorsprung am Ende vor dem Norweger Endre Stroemsheim. Wollten Sie es so spannend machen?

Natürlich nicht. Aber die Situation hat ziemlich an den Nerven gezerrt. Als ich im letzten Rennen ins Ziel gekommen bin, habe ich eigentlich gedacht, dass es nicht gereicht hat.

Haben Sie schon einen Platz für den Kristallpokal gefunden?

Noch nicht. Ich habe ihn auch gar nicht aus Minsk mitnehmen können – bei nur 23 Kilo Fluggepäck. Unsere Techniker haben ihn in ihr Service-Fahrzeug gepackt. Ich bin gespannt, wann er ankommen wird.

Mussten Sie Ihren Konkurrenten eigentlich trösten?

Ich habe ihm gesagt, dass er mir für ihn leid tut. Er war mächtig am Boden zerstört. Es ging ja vor allem um das persönliche Startrecht beim ersten Weltcup in der neuen Saison. Wenn man die Gewissheit hat, dabei zu sein, ohne sich qualifizieren zu müssen, kann man sich viel ruhiger und gezielter vorbereiten.

In diesen Genuss kommen Sie jetzt. Folgt Ihr Angriff auf den Weltcup?

Mein Ziel, im Team zu bleiben und mein Bestes abzurufen. Das will es aber auch jetzt schon in Kontiolahti. Ich bin gut in Schuss, und von der nervlichen Belastung her wird es auch nicht härter als vor dem IBU-Cup-Finale. Eher im Gegenteil.

Sie waren bisher dreimal im Weltcup dabei; in Oslo und zweimal in Oberhof, wo Sie 93. und 86. wurden. War die Aufregung zu groß?

Vielleicht. Vor allem beim Schießen hatte es nicht funktioniert. Irgendwie bin ich mit Oberhof noch nicht warm geworden. Aber aller guten Dinge sind hoffentlich drei.

Macht Ihnen der Weh Ihres langjährigen Trainingskollegen Philipp Horn, der bei der WM mit der Staffel Bronze gewann, zusätzlich Mut?

Auf jeden Fall ist es mein Ansporn, es ihm gleich zu tun. Wir kennen uns seit Internatszeiten, hatten auch letztes Jahr viele gute Kämpfe. Mal gewann der eine, mal der andere. Das hat ihn offensichtlich läuferisch enorm gepusht. Beim Schießen ist ja noch Luft nach oben.

Das ist eher Ihre Stärke.

Ja, da bin ich in den letzten Jahren konstanter geworden. Allerdings ist es auch grundsätzlich leichter, sich beim Schießen zu verbessern, als läuferisch Fortschritte zu machen. Da fehlt mir noch ein Stück zur Weltspitze. Doch unsere Gruppendynamik in Oberhof hilft enorm. Ob jung oder alt: Wir treiben uns gegenseitig an. Ich denke, wir sind momentan so stark wie noch nie.

Erik Lesser gilt im Team als Zugpferd. Wer ist Ihr Vorbild?

Früher war es Ole Einar Björndalen; heute konzentriere ich mich eher auf mich selbst.

Ihre Familie betreibt in Schleusingen eine Fleischerei. Gab es vorm Abflug nach Finnland eigentlich Bestellungen der Teamkollegen?

Viel Platz in der Tasche war ja nicht. Aber ein paar Würste, so kleine Knacker, hatte ich im Gepäck.

Weltcup in Kontiolahti, 10-km-Sprint, heute 15.30 Uhr, ARD/Eurosport live