Meuselwitz-Fußballer Jagupov hofft, dass der Knoten platzt

Der 25-jährige Geraer Jegor Jagupov ist beim ZFC Meuselwitz noch ohne Treffer. In der Vorsaison kickte er noch für die Sportfreunde Lotte.

Gegen den BFC Dynamo war der Meuselwitzer Jegor Jagupov (Mitte) nahe dran an seinem ersten Treffer für den ZFC Meuselwitz.

Gegen den BFC Dynamo war der Meuselwitzer Jegor Jagupov (Mitte) nahe dran an seinem ersten Treffer für den ZFC Meuselwitz.

Foto: Jens Lohse

Gera. Am zweiten Weihnachtsfeiertag ist Jegor Jagupov 25 Jahre alt geworden. Erlebt hat er in seiner Fußball-Laufbahn schon viel. Beim JFC Gera durchlief er die Nachwuchsabteilung, schaffte dann als 19-Jähriger mit Wismut Gera unter Trainer Rene Grüttner den Sprung in die NOFV-Oberliga. Als er sich unter Carsten Hänsel nicht durchsetzen konnte, heuerte er in Weida an, machte mit Thüringen beim DFB-Länderpokal im Futsal auf sich aufmerksam und wurde sogar für einen Sichtungslehrgang der DFB-Futsal-Nationalmannschaft nominiert.

Der im russischen Kemerovo geborene Angreifer konzentrierte sich aber auf den Fußball im Freien, kehrte 2018 zu Wismut Gera zurück und landete mit 21 Saisontreffern auf Rang drei der Oberliga-Torschützenliste. Da die Orange-Schwarzen freiwillig in die Thüringenliga abstiegen, suchte Jegor Jagupov nach einer neuen Herausforderung, die er relativ spät in der Saisonvorbereitung bei den aus der 3. Liga abgestiegenen Sportfreunden Lotte fand.

"Mein Berater hatte mir das Probetraining vermittelt. In den Tests habe ich ein paar Tore erzielt und habe so einen Profi-Vertrag bekommen", erinnert sich der mit seiner Schnelligkeit und Schusstechnik auffallende Stürmer, der im zwölf Kilometer entfernten Osnabrück mit seiner Freundin eine Wohnung bezog. "Die Regionalliga West halte ich für die interessanteste und spielstärkste in Deutschland. Wir haben unter Profibedingungen gearbeitet. Das war schon eine Umstellung für mich, der bisher maximal viermal Training in der Woche gewohnt war", so Jegor Jagupov.

Viel gelernt in Sachen Disziplin

Nach den Sonnabend-Spielen war sonntags Regeneration angesagt. Montag war frei, dienstags und mittwochs wurde dann zweimal trainiert. Am Freitag musste jeder Spieler eine Urinprobe abgeben, mit der die gesunde Ernährung überwacht wurde. "Ich habe viel gelernt in Sachen Disziplin, bin aber nach ein paar Wochen körperlich in ein Loch gefallen, aus dem ich mich erst gegen Ende der Hinrunde befreien konnte", sagt der Angreifer, der das Auftaktspiel gegen TuS Haltern (0:1) über 90 Minuten bestritt. "Da habe ich zwei, drei gute Chancen ausgelassen und mich danach gleich auf der Bank wiedergefunden", so Jegor Jagupov, der in der Folge über die Joker-Rolle nicht hinauskam.

Gegen den VfB Homberg gelang dem Geraer am dritten Spieltag eine Minute nach seiner Einwechslung sein Premierentreffer in der Regionalliga. "Das war ein schönes Tor - mit dem rechten Fuß ins rechte Dreiangel", erinnert sich der 1,88-Meter-Mann noch genau. Der 1:0-Erfolg bescherte Lotte den ersten Saisondreier, aber Jegor Jegupov keine Rückkehr in die Startelf. Insgesamt brachte es der Geraer auf 20 Einsätze mit allerdings nur 392 Spielminuten. Weitere Joker-Treffer erzielte er beim 2:1-Erfolg gegen Schalke 04 II und beim 3:0 in der Rückrunde gegen den VfB Homberg. "In der zweiten Halbserie kam ich kaum noch zum Zuge, obwohl ich zum Beispiel im Test gegen Bundesligist SC Paderborn den zwischenzeitlichen 1:1-Ausgleich geschossen habe", erzählt der Angreifer.

Zeit bei Lotte wird nicht vergessen

Ab dem zweiten März-Wochenende ruhte dann coronabedingt der Spielbetrieb. Lotte beschloss die Saison auf Rang sieben im gesicherten Mittelfeld. Wegen weiterer Einsparmaßnahmen verpflichtete der Verein Imke Wübbenhorst als Trainerin, die nicht mit Jegor Jagupov plante, so dass dieser auf Empfehlung von Frank Müller - seinem früheren Trainer bei Wismut Gera - zum ZFC Meuselwitz wechselte. "Die Zeit in Lotte möchte ich nicht missen. Ich habe vor 8200 Zuschauern bei Rot-Weiß Essen an der Hafenstraße, bei Alemannia Aachen auf dem Tivoli, bei Fortuna Köln, gegen Rot-Weiß Oberhausen sowie gegen die Reserven von Dortmund, Schalke, Köln, Mönchengladbach und Düsseldorf gespielt. Das vergesse ich nie", so der Angreifer, der nun für die Zipsendorfer die Schuhe schnürt.

"Dorthin hätte ich auch schon nach meinem Weggang von Wismut gehen können, hatte damals aber Bedenken, die im Nachhinein sicher unbegründet waren", meint Jegor Jagupov aus heutiger Sicht. Nach anfänglichen Problemen stand er in den letzten vier Partien jeweils in der Startelf, wartet aber weiterhin auf seinen ersten Treffer für die Rot-Weißen. "Unter Trainer Holm Pinder habe ich ein gutes Gefühl. Gegen den BFC zuletzt war ich nahe dran an einem Tor", verrät der mittlerweile in Leipzig wohnende Jagupov, der wie alle ostdeutschen Regionalliga-Kicker weiterhin zum Ausharren verdammt ist.

Das eigentlich geplante Montagstraining wurde erst einmal abgesagt. Man wartet auf die Vorgaben der Politik. "Ich hoffe, dass wir die Saison ordentlich zu Ende spielen können. Englische Wochen sind vorprogrammiert. Wann es so weit sein wird, steht aber noch in den Sternen", so der Angreifer, der glaubt, dass dann der Torknoten endlich platzen wird.