Mühlhäuser Schiedsrichter Lorenz: „Habe die Entscheidung nie bereut“

Mühlhausen.  Schon mit 13 Jahren war der Mühlhäuser Richard Lorenz als engagierter Referee im Einsatz, pfiff seitdem bereits rund 700 Spiele im Fußball.

Richard Lorenz pfeift für Preußen Bad Langensalza und wird 2018 als populärster Schiedsrichter ausgezeichnet.

Richard Lorenz pfeift für Preußen Bad Langensalza und wird 2018 als populärster Schiedsrichter ausgezeichnet.

Foto: Alexander Volkmann

Richard Lorenz besitzt das Fußball-Gen quasi schon vom ersten Tag an, denn er wurde neben dem Stadion in Bad Langensalza geboren.

Die Sportart Nummer eins hat den 25-Jährigen stark geprägt. Schon mit 13 Jahren absolvierte der heute in Mühlhausen Lebende erfolgreich einen Anwärter-Lahrgang zum Schiedsrichter. Inspiriert wurde er durch den bekannten Referee Marko Wartmann, der vor zwölf Jahren im Rahmen eines Schulprojektes am Salza-Gymnasium in der Kurstadt den Schülern das Ehrenamt des Unparteiischen und das zugehörige Regelwerk näherbrachte.

„Das hat mich inspiriert“

„Das hat mir sehr gefallen und mich inspiriert“, sagt der Referendar für Deutsch und Geschichte am Schlotheimer Gymnasium, der nach erfolgreichem zweiten Staatsexamen ab 1. Februar 2021 mit einer Anstellung als Studienrat an einer Thüringer Bildungseinrichtung rechnet.

Danach erfolgte eine Einladung des 40-jährigen Regionalliga-Referees zu einer Ausbildung zum 23. Mann auf dem Spielfeld. „Ich habe spontan zugesagt“, erklärt der angehende Lehrer und hat diese Entscheidung nie bereut. Mit 13 Jahren leitete der damalige Jugendliche bereits Begegnungen im Nachwuchsbereich, ein Jahr später bereits feierte er an der Pfeife seine Premiere im Männerbereich.

„Das war als sehr junger Mensch schon sehr schwierig und eine große Herausforderung, ich wurde aber von den wesentlich älteren Fußballern akzeptiert“, berichtet der Mühlhäuser und erinnert sich noch an die Partie in der zweiten Kreisklasse des Unstrut-Hainich-Kreises, die er aber unter den Augen eines Beobachters problemlos über die 90 Minuten brachte.

„Damals habe ich nebenbei noch beim FSV Preußen Bad Langensalza mit viel Lust in Nachwuchsteams gekickt“, bemerkt Lorenz, entschied sich dann aber für das Hobby der Spielleitung, sah darin eine bessere Perspektive als selber gegen das runde Leder zu treten. Sein Aufstieg verlief recht zügig, bereits in der Saison 2012/2013 pfiff er Begegnungen in der damaligen Regionalklasse, der heutigen Kreisoberliga.

Aufstieg bis in die Oberliga

„Danach bin ich alle zwei Jahre kontinuierlich über die Landesklasse und Verbandsliga bis in die Oberliga aufgestiegen“, erklärt der passionierte Unparteiische, der bereits seit vier Jahren in der Spielklasse die Akteure im wahrsten Sinn des Wortes nach seiner Pfeife tanzen lässt“. Aber die Oberliga soll für ihn noch nicht die sportliche Endstation bedeuten. „Es besteht für mich noch die Möglichkeit, noch weiter nach oben auf der Erfolgsleiter zu klettern“, sagt der sympathische Schiedsrichter und denkt dabei an die Regionalliga, in der er schon mehrere Male als Schiedsrichter-Assistent an der Linie eingesetzt wurde.

Den überwiegenden Teil seiner mittlerweile rund 700 absolvierten Spiele als Referee und Linienrichter beendete der Mühlhäuser ohne Probleme und Zwischenfälle. „Allerdings gibt es zwangsläufig hin und wieder verbale Attacken von Spielern und Zuschauern“, erwähnt der Pädagoge, hat aber noch nie körperliche Angriffe auf seine Person erlebt.

Als einen Höhepunkt seiner noch verhältnismäßig jungen Karriere betrachtet Richard Lorenz das Mitwirken vor drei Jahren als Schiedsrichter-Assistent beim Finale im Landespokal zwischen dem FC Carl Zeiss Jena und Rot-Weiß Erfurt in der Saalestadt, das der mittlerweile bereits in der Dritten Liga eingesetzte Steven Greif pfiff.

„Man muss seinen eigenen Stil finden“

Ein konkretes Vorbild als Schiedsrichter hat Lorenz nicht. „Man muss seinen eigenen Stil bei der Leitung von Spielen finden“, betont er und nennt positive Eigenschaften bei der Verrichtung des Ehrenamts wie die Persönlichkeitsentwicklung, den Umgang mit vielen unterschiedlichen Charakteren, das Treffen vieler schneller Entscheidungen sowie das Lösen von Konflikten. „Das kommt auch auch dem privaten und beruflichen Leben zugute“, teilt der 25-Jährige mit und sieht darin auch gewisse Parallelen zu seinem Lehrerberuf.

Sein Engagement und seine Freude zeigt und versprüht Lorenz aber nicht nur auf dem grünen Rasen oder in der Sporthalle, sondern auch im Schiedsrichter-Ausschuss des Fußball-Großkreises Eichsfeld/Unstrut-Hainich, dem er mit dem Lehrerkollegen und neuen Obmann Armin Stollberg seit fünf Jahren angehört.

Förderung des Nachwuchses

Besonders um die Ausbildung und Förderung des Nachwuchses kümmert sich der Oberliga-Referee seitdem, führt mit seinem befreundeten Kollegen Ralf Schwethelm Lehrgänge und Ausbildungsveranstaltungen durch. „Richard ist ein sehr verlässlicher und angenehmer Mensch, einer der Besten unserer Zunft in unserem Fußballkreis“, sagt der 30-jährige Wingeröder voller Anerkennung über seinen Mitstreiter.

Aufgrund der beruflichen und hobbymäßigen Verpflichtungen mit langen Fahrten an den Wochenenden zu den Einsätzen in der Oberliga bleibt für Richard Lorenz nur wenig Zeit zum geliebten Lesen anspruchsvoller Lektüre von seinen Lieblingsschriftstellern Ferdinand von Schirach und Juli Zeh. Zumal er auch noch soviel Zeit wie möglich mit seiner Freundin Elisabeth verbringen möchte.