Optimal und an die Tabellenspitze

Bad Blankenburg.  Der HSV Bad Blankenburg schickt die HG Köthen im Spitzenspiel der Mitteldeutschen Oberliga am Samstagabend mit einer 31:19-Niederlage nach Hause.

Die gesamte HSV-Bank blickt gespannt in Richtung gegnerisches Tor - und hier vielleicht auch Richtung Tabellenspitze. Insgesamt 31 Mal klingelte es im Kasten der Köthener.

Die gesamte HSV-Bank blickt gespannt in Richtung gegnerisches Tor - und hier vielleicht auch Richtung Tabellenspitze. Insgesamt 31 Mal klingelte es im Kasten der Köthener.

Foto: Peter Scholz

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„Ich bin echt sprachlos. Und das passiert mir beim Handball wirklich selten“, sagt Georg Jahn, seit einer reichlichen Woche Ehrenmitglied beim HSV Bad Blankenburg, wenige Minuten nach dem Spiel der Lavendelstädter gegen die HG Köthen. Die Gastgeber (2.) hatten da das Spitzenspiel in der Mitteldeutschen Oberliga überraschend deutlich mit 31:19 (14:10) gegen den Tabellenvierten gewonnen. Durch die gleichzeitige Heimniederlage des Spitzenreiters aus dem Burgenland kletterte der Aufsteiger damit auf den ersten Tabellenplatz. Verrückt.

„Ich bin davon ausgegangen, dass das heute ein ganz enges Spiel wird, wir vielleicht mit ein, zwei Toren gewinnen“, sagt HSV-Keeper Sebastian Brand. Und anfangs sah das auch alles danach aus. Keiner der Teams konnten sich irgendwie absetzen. Bis zur 18. Minute. Danach enteilte der HSV aber innerhalb von sieben Minuten auf 12:7 (25.) und die Partie nahm einen bis dahin nicht für möglich gehaltenen Verlauf. „Es war anfangs ein bisschen schwer für uns, in das Spiel zu kommen“, sucht Brand nach einer Erklärung. Da habe die Abwehr nicht so gestanden wie vielleicht erhofft. Aber im Laufe des Spieles wurde es immer besser, inklusive einer deutlichen Steigerung des Torhüters.

Der Gastgeber setzte dann genau das um, was man in der Vorbereitung alles im Video gesehen und danach trainiert hatte. Der Mittelblock mit Tomas Musil und Jonas Bogatzki, der seine Größe am vergangenen Samstag perfekt ausspielte, war oftmals nicht von den Köthenern zu überwinden. Und was dennoch durchkam, wurde eine Beute von Sebastian Brand: „Die Jungs haben es mir da aber vielfach auch leicht gemacht“, gibt der Keeper das Lob an seine Vorderleute weiter. Dabei zeigte sich, dass die Bad Blankenburger an diesem Tag auch die frühe Herausnahme von Abwehrchef Juraj Geci verkrafteten: „Nachdem Juraj schon zeitig mit zwei Zwei-Minuten-Strafen vom Platz geschickt wurde, wollte wir kein Risiko für eine frühe dritte Zeitstrafe und damit die rote Karte eingehen“, erklärt Trainer Igor Ardan die lange Parkett-Abstinenz des Tschechen.

Zu Beginn der zweiten Halbzeit ereilte den Gastgeber dann eine kleine Krise, als man fast sieben Minuten kein Tor erzielte. Doch die Gäste konnten aus dieser Flaute keine Vorteil ziehen, bissen sich ebenso an der HSV-Deckung die Zähne aus. Und so fand der Gastgeber wieder in die Spur, traf wieder und verkraftete dann auch den verletzungsbedingten Ausfall von Tomas Zeman. „Wir waren insofern darauf vorbereitet, dass Tomas auch ab und zu Mal eine kleine Pause machen sollte. Dass er sich jetzt natürlich verletzt hat, ist ärgerlich“, sagt Ardan. Man habe zwei Angriffe gebraucht, um sich neu zu ordnen. „Aber es gab im Spiel bei uns keinen Bruch.“ Zeman droht nach einer noch nicht genau diagnostizierten Außenbandverletzung im rechten Sprunggelenk nun eine längere Pause.

Ardans Team spielte sich in der zweiten Halbzeit regelrecht in einen Rausch, es klappte fast alles: „Wir haben vorn konsequent durchgespielt, keine überhasteten Würfe genommen“, sagt der Trainer, der für seine Truppe viel Lob übrig hat: „Es war optimal, besser geht es fast nicht.“ Und sein Keeper, der auch die zwei einzigen verhängten Siebenmeter gegen den HSV parierte, sah trotz des deutlichen Erfolges ein Spitzenspiel, bei dem es „für uns vielleicht ein Vorteil war, dass wir zu Hause gespielt haben.“

Ob es ein Vorteil war, dass das Heimspiel zu ungewohnter Zeit am Samstagabend statt, konnte Igor Ardan nicht sagen. „Noch besser wäre ein Freitagabend, da hat man das gesamte Wochenende für die Familie Zeit“, sagt der Trainer und lacht. Beim HSV gab es übrigens im Vorfeld der Saison genau solche Überlegungen, beispielsweise das Derby gegen den HBV Jena auf einen Freitagabend zu legen. Doch der Verband zog dem HSV schnell den Zahn, lehnte den Antrag ab.

Gegen Köthen störte die ungewohnte Anwurfzeit in der Landessportschule nicht. Der HSV schickte den Tabellenvierten mit einer desolaten Niederlage auf den Heimweg. Deren bester Werfer an diesem Tag, Lukas Krug, analysierte nach Spielende: „Wir haben im Angriff diesmal wieder amateurhafte Fehler gemacht, hingegen hat der HSV vor allem in der zweiten Halbzeit sehr effizient agiert. Da war fast jeder Wurf ein Treffer, weil wir in der Verteidigung zu blauäugig waren. Das Ergebnis musste so deutlich mit Sicherheit nicht werden. Leider haben wir uns vorne zu doof angestellt und am Ende einfach aufgegeben. Der Gegner hatte die breitere und qualitativ bessere Bank“, so der drittbeste Torschütze der Liga auf der Köthener Homepage.

„Nur 19 Tore von Köthen zuzulassen, dass ist schon eine Hausnummer“, sagt ein sichtlich begeisterter Tobias Jahn. Der Sportliche Leiter muss es wissen, stand er doch selbst viele Jahre Tor. Und sein Vater, Georg Jahn? Der blickt schon nach vorn, auf das nächste Spitzenspiel zwischen dem Ersten aus Thüringen und dem Zweiten aus Sachsen: „Wenn wir jetzt in Delitzsch gewinnen, müssen wir wohl über unsere Saisonziele neu nachdenken.“ Es gibt unangenehmere Gedankenspiele.

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