Redwitz vor Duell mit dem ThSV: „Wir sind der Underdog“

Eisenach.  Eisenachs Ex-Keeper Jan-Steffen Redwitz spricht im Interview über Großwallstadt, Gewichtsverlust und Geisterspiele.

Jan-Steffen Redwitz möchte seinem Ex-Club ThSV Eisenach am Sonntag das Leben schwer machen.

Jan-Steffen Redwitz möchte seinem Ex-Club ThSV Eisenach am Sonntag das Leben schwer machen.

Foto: Sascha Fromm

Jan-Steffen Redwitz gehörte in drei Spielzeiten (2015/16 bis 2017/18) zum Torhüterteam des ThSV Eisenach. Inzwischen trägt er das Trikot von Handball-Zweitbundesligist TV Großwallstadt. Am Sonntag empfängt er mit seinen Unterfranken den ThSV Eisenach. Vor dem Aufeinandertreffen von zwei Handballtraditionsvereinen sprachen wir mit dem 31-jährigen Familienvater.

Sie gehören die dritte Saison zum Torhüterteam des TV Großwallstadt. Wie fällt Ihr Resümee dieser Zeit mit Ab- und Aufstieg aus?

Ja, es gab Höhen und Tiefen. Aber wir sind als Team sehr gut zusammengewachsen. Ich blicke auf viele schöne Begegnungen. Das Resümee meiner Zeit beim TV Großwallstadt fällt ausgesprochen positiv aus. Diese überaus junge Mannschaft entwickelt sich, braucht noch Zeit.

In der aktuellen Saison resultieren die einzigen Pluszähler nach fünf absolvierten Spielen aus einem 30:24-Auswärtssieg beim TV Emsdetten, mit einem sich in Glanzform präsentierenden Jan-Steffen Redwitz. Woran hapert es noch?

Wir sind tatsächlich eine ganz junge Mannschaft mit ganz wenig routinierten Spielern, mit wenig Akteuren, die schon auf diesem Level gespielt haben. Im Sommer haben wir ganz viel im athletischen Bereich gearbeitet, um die körperliche Fitness für diese Liga zu erreichen. Unserer Mannschaft fehlt noch die Konstanz, doch es geht aufwärts. Die hauchdünne Niederlage gegen Tabellenführer Dessau-Roßlauer HV bestärkt uns in dieser Auffassung. Ich bin optimistisch, was unsere unmittelbare Zukunft betrifft.

Wie würden Sie – als mit 31 Jahren Ältester – das Team des TV Großwallstadt beschreiben?

Jung, hungrig und mit sehr viel Potenzial. Ich sehe einige Spieler in Zukunft sogar ganz oben. Viele Spieler sind noch auf dem Findungsweg.

Welche Hoffnungen verbinden sich mit der Verpflichtung des linken Rückraumspieles Savvas Savvas, in der Saison 2017/18 in Diensten von Eintracht Hildesheim der Top-Torjäger der 2. Bundesliga?

Nach seiner Zeit bei GWD Minden hat er eine mehrmonatige Handball-Pause gehabt. Wir müssen ihm Zeit geben, um zurück in die Erfolgsspur zu kommen. Er ist ein Rückraum-Shooter, der seine Qualitäten schon unter Beweis gestellt hat. In der Partie gegen den Dessau-Roßlauer HV gab er seinen Einstand und wird sicherlich auch gegen den ThSV Eisenach dabei sein.

Für Sie ein Spiel wie jedes andere? Steht der erste Heimsieg für Ihre Mannschaft auf der Agenda?

Spiele gegen einen Ex-Verein motivieren mich besonders. Überaus bedauerlich, dass dieses Aufeinandertreffen ein Geisterspiel wird. Sicher hätten die Fanlager beider Teams für eine stimmungsvolle Kulisse gesorgt. Personell sehen wir uns als Underdog. Der ThSV Eisenach hat deutlich mehr erfahrene Spieler und wird diesen Vorteil in die Waagschale werfen. Wir werden alles versuchen, um zum ersten Doppelpunktgewinn in heimischer Umgebung zu kommen. Infolge des stetig regen Personalwechsels stehen nur Adrian Wöhler, Alexander Saul, Justin Mürköster und Willy Weyhrauch aus meiner Zeit im aktuellen Kader des ThSV.

Pflegen Sie Kontakte zu ehemaligen Teamgefährten Ihrer Eisenacher Zeit?

Dirk Holzner, jetzt beim TV Emsdetten, ist ein wirklich guter Freund geworden. Mit ihm habe ich wöchentlichen Kontakt. Auch mit Tomas Urban, jetzt ebenfalls in Emsdetten, kommuniziere ich oft. Auch mit den Zwillingsbrüdern Arne und Nils Kühr besteht ein fortwährender Austausch.

Die Handballbundesligen absolvieren ihre Punktspiele derzeit ohne Zuschauer. Sehen Sie das als leichten Vorteil für die Gastmannschaften?

Ja, das sehe ich schon als Vorteil für die Gäste. Die Heimzuschauer sind oftmals der achten Mann.

Eine Frage an den Handballspieler und Familienvater Jan-Steffen Redwitz: Die Corona-Pandemie hat unser aller Leben verändert. Wie sehen Sie die Lage?

Ich habe die Zeit eigentlich optimal genutzt. Ich habe ein Unternehmen als Personal-Trainer gegründet. Ich bin über 220 Kilometer gelaufen und habe 20 Kilo abgenommen. Seit über 1 ½ Jahren bin ich zudem als Vegetarier unterwegs. Die Corona-Zeit hat für mich viele positive Momente bereitgehalten. Dazu gehörten eine intensive und schöne Zeit mit meiner Familie, meinen Kindern Sophia (5 Jahre) und Hannah (2) sowie meiner Partnerin Jennifer-Rosa, die in Mutterschutz und Ferien war. Sie ist Lehrerin, war dies in Eisenach an der Jakobschule, hat hier gerade eine 1. Klasse übernommen.

Wagen wir einen Blick in die Glaskugel: Wo landen der ThSV Eisenach und der TV Großwallstadt am Saisonende?

Vorausgesetzt, die Saison kann zu Ende gespielt werden, hoffe ich für beide Vereine, dass sie sich in unteren Tabellenregionen nicht groß aufhalten, einen Mittelfeldplatz erkämpfen. Meine Befürchtungen tendieren aber dahin, dass aufgrund der Corona-Maßnahmen ein sportlich fairer Wettstreit nicht möglich ist.