Robert-Enke-Stiftung: Depressionen kommen nicht vom Leistungsdruck im Fußball

Jena  Die Robert-Enke-Stiftung informiert in Jena über psychische Gesundheit. Unter den Zuhörern waren auch Spieler des FC Carl Zeiss Jena und Spielerinnen des FF USV Jena anwesend.

Robert Enke hatte sich 2009 im Alter von 32 Jahren das Leben genommen.

Robert Enke hatte sich 2009 im Alter von 32 Jahren das Leben genommen.

Foto: Kneffel, dpa

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Fotos bekannter Sportler werden per Projektor an die Wand des Hörsaals geworfen. Ottmar Hitzfeld, Lindsey Vonn, Sven Hannawald, Oliver Kahn, Andre Agassi, Jan Ullrich. Sie alle litten im Laufe ihrer Karriere an einer psychischen Krankheit. Im Publikum sitzen unter anderem die Spieler des FC Carl Zeiss Jena, Spielerinnen des FF USV Jena und deren Nachwuchstalente. Eingeladen hatte die Robert-Enke- Stiftung.

„Viele haben nur ein vages Verständnis davon, was Depressionen sind“, erzählt Ronald Reng. Der Journalist war ein guter Freund Robert Enkes und engagiert sich seit dem Tod des ehemaligen Nationaltorwarts in der nach ihm benannten Stiftung. „Es spielt keine Rolle, wie erfolgreich du gerade bist. Eine Depression kann jeden treffen“, so Reng. Statistisch gesehen sind fünf Prozent der Deutschen mindestens einmal im Leben von einer psychischen Krankheit betroffen. Reng: „Das wird im Leistungssport nicht anders sein.“ Umso wichtiger sei es über verschiedene Krankheitsbilder, Symptome und Lösungswege zu informieren.

Am Rednerpult hat Ronald Reng den ehemaligen deutschen Fußballprofi Martin Amedick an seiner Seite. Amedick spielte unter anderem bei Borussia Dortmund und war Kapitän des 1. FC Kaiserslautern. 2015 beendete er seine Profikarriere beim SC Paderborn. Auch er litt an Depressionen. Ohne Scheu und Scham erzählt Amedick während des 40-minütigen Vortrages von seinen Erlebnissen, Gefühlen und Gedanken. Reng streut Anekdoten aus Robert Enkes Leben ein. Sie untermalen die Informationen aus dem Vortrag mit Fakten aus dem Alltag zweier Fußballprofis.

So erzählt Amedick, dass er manchmal von einer völligen Gefühllosigkeit betroffen war oder sich in einer negativen Gedenkschleife befunden habe. Nach einem Spiel habe er nur noch an den einen nicht gelungenen Pass denken können und nicht an die guten Spielzüge.

Auch ein geringes Selbstwertgefühl ginge mit einer Depression einher sowie ein dauerhaftes Gestresst-Sein. „Für mich war schon die Busfahrt Stress und danach das Einchecken im Hotel. Beim gemeinsamen Essen mit dem Team war es Stress meine Maske auszubehalten, sodass keiner merkt, wie es mir wirklich geht“, so Amedick.

Reng berichtet von ähnlichen Erlebnissen aus Robert Enkes Leben. Auch Enke, der elf Jahre für den FCC spielte, habe oft nichts mehr gefühlt. Er habe dann in Gesprächen zwar normal reagiert oder gar Späße gemacht, sein Gesicht habe diese Emotionen aber nicht transportiert. Auch er habe quasi eine Maske aufgehabt. Manchmal habe Enke mit niemandem reden wollen. In solchen Fällen sei sogar das Annehmen eines Telefonats eine Überwindung gewesen.

Gerade für Leistungssportler sei es wichtig Alarmsignale und Symptome zu erkennen. „Wenn ihr mal verzweifelt seid, ist das noch lange keine Depression“, erklärt Ronald Reng. Und er stellt auch klar: „Depressionen kommen nicht vom Leistungsdruck im Fußball.“ Vielmehr entstünden sie aus einer genetischen Veranlagung und in Folge eines besonderen Ereignisses, zum Beispiel eines Traumas.

Martin Amedick kennt den Auslöser seiner Depression nicht, hat aber eine Vermutung: „In dieser Zeit ist mein Schwiegervater an Krebs gestorben. Meine Frau war in einer schlimmen Trauerphase und ich musste den Verein wechseln.“

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